Der Ossi – ein Wutbürger?

Es gibt so viele Erklärungsversuche. Viele allerdings vorurteilsbehaftet und das ist ein Problem. Verhalten zu verstehen setzt Vorurteilsfreiheit voraus und die gibt es nicht. Es ist zuviel Politik im Spiel und zu viel Ideologie.

Der Ossi – ein Wutbürger? Wie wäre es mit der These, dass der Ossi schon immer ein Wutbürger war, nur dass sich diese Wut jetzt in einer Weise offenbart, die vor einigen Jahren noch nicht offenbar wurde? Was ist damit gemeint.

Fangen wir mal mit der Bezeichnung Deutsche Demokratische Republik an. Die Bezeichnung war eine Farce. Der Staat war weder demokratisch noch im Wortsinn eine Republik. Und „deutsch“ hatte nach dem Nationalsozialismus die Assoziation nationalistisch in sich. Die DDR war eine Diktatur mit allen Folgen für die Bevölkerung. Psychologischen Folgen. Wie viele der DDR-Bürger haben sich mit „ihrem“ Staat den wirklich identifiziert? Opportunismus – und den gibt es heute so wie es ihn damals gab, mag man moralisch verdammen, dennoch gibt es ihn, aber Opportunismus bedeutet weder Identifikation noch Loyalität. Man hat sich arrangiert. So wie sich Menschen immer arrangieren und versuchen ihr Leben so gut wie möglich zu leben. Wer hier Luft zieht – verstehen, nicht Verständnis haben!

Der „gelernte DDR-Bürger“ wusste, dass die Staats- und Parteiführung nicht immer recht hatte auch wenn es Lieder gab, die genau das besangen. Dass es nicht die besten aller Menschen waren und dass sie sich ein anderes insbesondere materiell besseres leben erlaubten als die Menschen, die sie diktierten.  Misstrauen gegen „die da oben“, gegen den Staat, gegen Parteien, das haben die Menschen in der DDR gelernt. Durch eigenes Erleben, durch die Eltern, die Schule, Bekannte, Freunde.  Hinzu kommt noch die Nachkriegsgeschichte, die ganze Thematik kalter Krieg zwischen Ost und West.

Diktatur, das heißt, denn Menschen wird vorgeschrieben, wie sie zu leben haben. Welcher Mensch lässt sich gern vorschreiben, wie er zu leben hat? Vor allem wenn die Vorbilder selbst nicht glaubwürdig sind. Unter diesen Verhältnissen zu leben prägt Menschen. Auch geprägt hat den Osten die Wahrnehmung des ganz und gar nicht paradiesischen Westens, wenngleich die Aussicht auf Bananen, Palmen und die Bild so viele verwirrt hat.  Dass der Kapitalismus nicht die erstrebenswerte aller Gesellschaftsordnungen ist, dieses diffuse Wissen gibt es durchaus.

Menschen sind Menschen. Sie brauchen für ihre Identität eine eigene Geschichte. Sie brauchen Anerkennung der Lebensleistung, sie brauchen Wertschätzung. Das alles wissen wir heute, besser gesagt propagieren es. Wir reden über Chancengerechtigkeit, Individualisierung, lehnen Diskriminierung ab, wollen integrieren, inkludieren.

Das hat nach der Wende alles nicht stattgefunden. (Achtung, wer hier Luft zieht und zu, „ja aber“ ansetzt, es geht um das Verstehen und man muss erst Verstehen um vielleicht Ideen zu entwickeln was man tun kann um eine Entwicklung zu ändern). Viele haben sich eine bessere Welt nach der Wende versprochen, was auch immer das für den Einzelnen bedeutete. Für die Einen war es die Freiheit des Geistes, für den Anderen die Freiheit des Reisens oder der Berufswahl. Viele Träume und Wünsche haben sich erfüllt. Viele, sehr viele jedoch nicht und den Ossi unterscheidet vom Wesse etwas Gravierendes: Die Anerkennung der Lebensleistung. Was von der DDR ist noch übrig, anerkennenswert? Ich meine jetzt nicht die politische Seite sondern das was Menschen mit ihrer Arbeit geschaffen haben.  Bestenfalls trifft man das alles in eher lächerlichen Museen. Erinnern wir uns an den Ausverkauf durch die Treuhand. An „Buschzulagen“ und ähnliches. Das hat Nachwirkungen hinterlassen.

Es hat keine Integration stattgefunden. Das ist meine persönliche Diagnose. Und dass sie nicht stattgefunden hat, fällt uns heute auf die Füße. „Die da oben“, denen man nicht vertrauen kann, sind „die da oben geblieben“. Und sie sind es tatsächlich, denn Macht macht etwas mit Menschen und nicht jeder der langjährig in der Politik von sich behauptet hat das Beste zu wollen und durchzusetzen oder was sonst auch immer auf Wahlplakaten steht, hat das tatsächlich getan. In Sachsen vielleicht ganz besonders. Fakt ist leider dass Politiker nach einer gewissen Zeit zur Selbstgefälligkeit neigen. Und dass auch in der Politik Machtmechanismen eine Rolle spielen. Die dann dazu führen, dass Versprechen nicht eingehalten werden, Interessen nicht durchgesetzt, entgegen der eigenen Überzeugung abgestimmt. Der Vertrauensverlust ist ein Fakt – er ist nicht nur nicht neu sondern eine Bestätigung dessen, was „man schon immer wusste“.

Der Irrtum liegt jedoch darin dass es eine AFD anders oder besser machen könnte oder würde. Das zu erkennen könnten die etablierten Parteien helfen, dazu bedürfe es aber zuallererst Selbstkritik. Was NICHT hilft ist belehren. Dagegen ist „der Ossi“ allergisch, er ist genug belehrt worden. Und genug lächerlich gemacht. Da haben leider die Medien – denken wir mal an die Heute-Show – auch ne Aktie dran. Der bisschen minderbemittelte sächselnde Ossi mit dem Dederonbeutel, eine so beliebte Satirefigur.

Wut. Warum so viel Wut. Wut ist nicht rational und die wenigsten Menschen sind rational. Es gibt nun auch das Ding was sich Psyche nennt, trotz Politikwissenschaft. Wut kanalisierte sich früher anders. Da war es wichtig, irgendwelche Ersatzteile zu organisieren. Da gab es die eingeschworene Gemeinschaft mit Freunden, Arbeitskollegen, Familie, die das Wissen einte, dass, was in der Zeitung steht, kann man nicht für bare Münze nehmen. Da gab es Netzwerke um sich gegenseitig zu helfen. Es gab ein diffus-klares Feindbild. Staat, Stasi, Medien, Partei. Eben „die da oben“.

Das ist keine wissenschaftliche Analyse. Überlegungen zu Hypothesen vielleicht. Was würde nun helfen? Wenn wir mal über Integration reden und zwar nicht ideologisierend. Wenn wir versuchen würden zu verstehen. Verstehen heißt nicht, Verständnis zu haben oder alles gut zu heißen oder zu tolerieren. Verstehen ist aber notwendig, auch zu verstehen, was Integration heißt. Integration heißt nicht Eingliederung einer homogenen Gruppe in eine andere homogene Gruppe. Gesellschaft ist nichts statisches und Integration ist ein permanenter Prozess. Dazu gehört auch ein Geschichtsbewusstsein. Und unsere Geschichte sollten wir nochmal aufarbeiten. Und dringendst politische Bildung betreiben. Das meint, Kindern und Jugendlichen zu zeigen was Parteien sind, was Machtstrukturen in der Politik sind, wie Menschen von Machtstrukturen beeinflusst werden können. Nicht um Misstrauen zu schüren. Sondern weil das Verstehen von Verhältnissen und Mechanismen hilft, mit ihnen zu arbeiten und sie besser zu machen.

 

 

Bauerhofspiele und Manager der Zunkunft

Ein Bauernhofspiel als Instrument der Entrepeneurship Education. Ich stelle mal sehr verkürzt etwas vor, was als Fallstudie und wissenschaftliche Literatur verkauft wird. (Und muss zugeben, ich verliere langsam den Glauben an Wissenschaft. Ich hätte nie was mit Bildung studieren sollen …)

Also: Nehmen wir ein Bauernhofspiel. Man unterzieht nun dieses Bauernhofspiel einer qualitativen Untersuchung und schaut, was könnte da bildungsinhaltlich gegeben sein. Man kann da wirklich viel finden … Natürlich, da geht es um Strategien. Und dann schaut man sich an, wie sind die Nutzerstatistiken, wie oft und wie lang wird gespielt und wie erfolgreich sind die Nutzer. Wieviel Geld verdienen sie als Spieler.

Dann schaue ich mir an, wie viel Geld wird so für Nachhilfe ausgegeben, für Lernsoftware und so weiter, ergänze mit Zahlen, Daten und Fakten zur wirtschaftlichen Bildung und komme zum Schluss: Bauerhofspiel works!

Bingo, so einfach ist das.

So einfach ist es eben nicht. Wirtschaftswissenschatler sollten die Finger von der Bildung lassen.

Veränderungen

Ein leeres Zimmer. Ich hatte ja gedacht, ich krieg das hin. Locker bleiben und so. Aber nun, vor meinem geistigen Auge taucht ein Foto auf und es verschwindet nicht. Ein weinender kleiner Junge, untröstlich. Mit Bäckerschürze, Plätzchen waren dran in der Kinderkrippe. Aber die interessierten nicht. Er wollte sich einfach nicht dran gewöhnen, sie wollte nicht enden, diese Eingewöhnungsphase. All die Sprüche, all die guten Ratschläge. All die Ermahnungen, das Kind muss in die Krippe, mach den Studium zu Ende.  Irgendwie exemplarisch. Immer dieser Zwiespalt. Im Seminar in Soziologie geht es um Selbstverwirklung. Und siebzehn Uhr macht die Krippe zu. Zeitraffer. Wo ist die Zeit hin. All die vertane Zeit. Ich würde heut vieles anders machen. Bei der Elternratswahl aus dem Fenster gucken. Fraktionen nur aus der Zeitung kennen.  Und die Plätzchen mit dem Kind selber backen.

Nun beginnt meine Eingewöhnungsphase. Loslassen ist gar nicht so leicht.

Intoleranz hat viele Gesichter

so die These. Intoleranz, so sagt Wikipedia, ist die  Unduldsamkeit gegenüber einer anderen Meinung, Haltung oder Ähnliches. Tolerare – lateinisch – heißt aushalten. ertragen. Nicht zu verwechseln mit „tollere“ was emporheben, aber auch sich erheben heißt. Eine Verbindung gibt es wohl doch. Der Intolerante erhebt sich (meist) über andere Meinungen, Haltungen oder ähnliches.

Toleranz. Ein Begriff, der so oft verwendet wird im Zusammenhang mit Forderungen. Jedoch verwundert, dass gerade die Menschen, die Toleranz von anderen fordern, es mit der eigenen Toleranz nicht so genau nehmen. Aktuelles Beispiel ist ein Stadtfest. Ein Stadtfest größeren Ausmaßes. Stadtfeste haben immer irgendwie viel mit Essen, Trinken, Feiern und Musik zu tun. Und wie immer im Leben trifft nicht alles jedermanns – oder jedermenschs Geschmack. Feste feiern (nicht feste feiern) sind Rituale mit einer sehr langen Geschichte. Es liegt in der Natur der Sache eines Festes, dass eine gewisse Ausgelassenheit, Freude, Begeisterung herrscht, dass man  sich in gewisser Weise außerhalb der normalen alltäglichen gesellschaftlichen Konventionen verhält und dass so genannte ernste Tätigkeiten eben ruhen.

Man kann über die Art des Feierns geteilter Meinung sein. Gesoffen wurde aber schon immer und ob heute oder vor 200 Jahren. Gehört zu unserer Kultur, ob man es gut findet, verbieten möchte (was aussichtslos ist) oder nicht. Man muss ein Fest nicht (mehr) besuchen, wenn man nicht möchte. Man kann aber sehr wohl einfach mal die Klappe halten und Menschen, die das möchten, ihre Freude daran lassen. Ohne einer ganzen Stadt Verblödung zu unterstellen. Ohne mit Verachtung herabzublicken. Ohne zu verurteilen, dass die Konzertbesucher auf dem Theaterplatz keine Anti-Demonstranten sind. Ohne zu behaupten dass sie ja sonst Montags der AFD und Pegida hinterherrennen. Stichwort Vorurteile.

Toleranz. Die fehlt tatsächlich.

 

Quereinsteiger- Update zu heute auf fb

Es besteht wohl kein Zweifel, dass der Lehrermangel ein Mangel ist, der seine Ursachen hat und das macht manche Lesart, die Quereinsteiger wären ein Gewinn für Schule per se oder erhöhten die Vielfalt, so absurd. Baye lässt grüssen. Der Grundstein für das Problem ist schon vor vielen Jahren gelegt worden, es war absehbar und die Warnungen waren laut genug. Ich würde ein wenig mehr Demut und Erkenntnis der eigenen Verantwortung und vor allem ein Handeln empfehlen was tatsächlich das Problem angeht. Das heißt:
1. die Reputation des Lehrerberufs und der Lehrer nicht weiter untergraben
2. für genügend Ausbildungsmöglichkeiten sorgen und zwar auf eine Weise, dass a) bedarfsgerecht b) geeignete junge Menschen diesen Beruf erlernen können, wollen und wollen können und
3. mit wertschätzdender Kommunikation und wertschätzendem Handeln dafür sorgen, dass diese jungen Menschen sich nicht gewzungen fühlen, Sachsen zu verlassen.

Tragen die Quereinsteiger zur Entwertung des Lehrerberufs bei? Zuträglich ist die Debatte jedenfalls nicht. Wobei ich hier anmerken muss, dass ich mich angesichts mancher Diskussion über Schulen und Lernen und Lehren schon frage, ob diese Entwertung  nicht schon längst passiert. Auf anderen Bühnen. Wenn staatliche Schulen als verkrustet, rückständig, nicht veränderungsfähig, nicht innovativ hingestellt werden – und die Lehrer gleich mit. Aber das ist ein anderes Thema. Richtig ist, dass nicht jeder mit einem abgeschlossenen Lehramtsstudium ein guter Lehrer ist. Aber das ist immer so. Kein Abschluss ist eine Garantie. Das macht eine Ausbildung aber nicht obsolet.
Eines sieht man aber an der Quereinsteiger-Debatte und schon am Ansatz, darin eine Lösung zu sehen, dass der Wert und die Wichtigkeit der Lehrerausbildung in Frage gestellt sind. Wer würde Quereinsteiger in medizinischen Berufen zulassen? Ohne richtige Ausbildung (ab gesehen von Heilpraktikergesetz, das gibts ja auch noch). Oder im Handwerk? …

 

Heute auf fb

stolperte ich über den Link auf einen Beitrag des ZDF. Zum Thema Quereinsteiger im Lehrerberuf. Offenbar wurde da auf die möglichen Vorteile eingegangen, die diese Neulehrer(!) mit sich bringen. Und Vorteile haben Quereinsteiger zweifellos, absurd und hanebüchen ist es, ihnen grundsätzlich Inkompetenz zu unterstellen oder den Niedergang des Bildungswesens durch die Quereinsteiger zu prognostizieren. Fürs Elternsein gibts auch keine Ausbildung, Eltern wissen aber immer ganz genau und viel besser was gute Schule, guter Unterricht ist, ohne Pädagogikstudium. An der Stelle muss erwähnt werden, Lehrer als Eltern sind auch nicht einfach.

Aber: worüber ich mich aber aufrege: dass sich Menschen, die die Verantwortung dafür tragen, dass es überhaupt Quereinsteiger geben muss, dass jahrelang offenen Auges die bildungspolitische Vernunft in den Wind geschlagen wurde, man lieber einen Minister abservierte als zur Kenntnis zu nehmen dass er vielleicht Recht haben könnte, viel versprach als die neue Ministerin ihr Amt antrat, nun die Vielfalt loben, die Quereinsteiger an die Schulen bringen sollen. Dies vielleicht noch als genauso und schon immer so gewollt und beabsichtigt verkaufen. Mit Verlaub, so schafft man Politikverdrossenheit. Schön reden hat noch nie funktioniert. Vorsicht insbesondere wenn man dies bei Bildungsthemen tut. Da könnt es sein, die Menschen merken das.

Allerdings ist dies hier kein Statement zu einer bestimmten Partei. Die Verantwortung verteilt sich auf ein paar mehr Menschen. Wird nur im Wahlkampf gerne vergessen.

Polittheater.

Das Polittheater hat so seine Erfordernisse. Da geht es in erster Linie um Macht. Nicht um Inhalte. Erst die Macht, dann der Rest. Es geht um Wählerstimmen. Um Öffentlichkeit. Und manchmal (vielleicht auch mit zunehmender Tendenz) spielt Politik Theater für sich selbst.  Anders lässt sich manches nicht mehr erklären.

Thema Öffentlichkeit. Öffentliche Meinung. Gefühlt ist es das, was in den Medien als Meinung, als Tagesordnung, als wichtige Themen dargestellt wird. Ob es das ist, darüber ist man sich gar nicht mehr so sicher in der Wissenschaft und diese Zweifel sind berechtigt. Dazu aber später mal.

Heute geht es um Pressemitteilungen. Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. In manchem Lehrbuch steht noch was von Informationen, die mittels Pressemitteilungen kommuniziert werden sollen. Welch Euphemismus. In Dresden wurde kürzlich der Entwurf des Schulnetzplanes der Presse vorgestellt. Darauf folgte eine Pressemitteilung dreier Fraktionen, für die ich mich als Bildungspolitikerin in Grund und Boden geschämt hätte. Ich möchte diese Pressemitteilung hier nicht in Gänze auseinandernehmen, es reicht ein Punkt, auf den ich die geschätzte Aufmerksamkeit empfehle zu lenken. Und kommentiere nicht, sondern lasse frühere Zitate für sich selber sprechen.

Also da wäre das Zitat aus besagter Pressemitteilung vom 9. August 2017:  “Die Vernachlässigung der Oberschulen ist ein Irrweg. Wer Eltern erzählt, ihre Kinder haben keine Berufschancen, wenn sie auf die Oberschule gehen, wer nur noch Gymnasien baut, erntet nur Gymnasialanmeldungen. Das ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Aber dieses Land lebt auf den Schultern seiner Facharbeiterinnen und Facharbeiter mit solider schulischer oder dualer Berufsausbildung.” In Gänze: http://www.gruene-fraktion-dresden.de/fast-ein-jahr-nach-dem-referentenentwurf-und-einem-schulbuergermeisterwechsel-liegt-der-neue-schulnetzplan-vor-und-ist-kaum-wieder-zu-erkennen/

Neue Töne, neue Töne. Wer Gymnasien baut, erntet Gymnasialanmeldungen? Wer Gymnasien baut (und fordert), vernachlässigt also die Oberschulen. Nun gut. Dazu ein Zitat aus einer Pressemitteilung, 8. Januar 2016:  „Prohlis-Süd ist laut 2. Dresdner Bildungsbericht von 2012 ein Entwicklungsraum 1, d.h. ein Stadtteil mit sehr starker sozialer Belastung und sogar, verglichen mit 2009 einer Entwicklung stark unter dem städtischen Durchschnitt. Der Stadtteil Niedersedlitz, wo sich die Windmühlenstraße befindet, dagegen gehört stabil zum Entwicklungsraum 4 mit geringer sozialer Belastung. Deshalb kämpfen wir für den gymnasialen Schulstandort in Prohlis-Süd als Entwicklungsperspektive für den Stadtteil …“ http://www.spd-dresden.de/gymnasium-prohlis-muss-schnellstmoeglich-kommen/

Und am 15.12.2015 wurde verlautbart:  „Es sind vor allem soziale Gründe, die für eine dauerhafte Errichtung von Gymnasien in benachteiligten Stadtteilen wie Gorbitz sprechen … (weiter: http://www.spd-dresden-west.de/meldungen/gymnasium-gorbitz-ist-meilenstein-fuer-eltern-und-schueler-im-dresdner-westen/)

Wer nur noch Gymnasien baut generiert Gymnasialempfehlungen? Nein, das Problem liegt woanders. Bildung ist ein Kapital. Bildungsabschlüsse sind Zugangsschlüssel. Zugangsschlüssel zum Arbeitsmarkt. Bildungsabschlüsse entscheiden über Lebenschancen. Das Eltern versuchen, für ihr Kind (meistens jedenfalls) den Weg zum höchstmöglichen Schulabschluss frei zu machen, ist völlig normal. Schließlich kämpften ja gerade diejenigen, die sich jetzt über den (angeblich überdimensionierten) Bau von Gymnasien aufregen, darum, dass Eltern entscheiden. Und nicht die Bildungsempfehlung.

Polittheater. Nur ein Beispiel.

 

 

 

Kürzlich beim Bäcker

Einem Feinbäcker. Nach einer Hauptstadt benannt. Also genaugenommen in der Altmarktgalerie beim Wiener Feinbäcker. Vor mir ein interessant ausschauendes Pärchen. Nicht mehr ganz jung, noch nicht ganz alt. Sie: Sind die Brötchen vegan? Ja, die sind vegan, so die Antwort der Verkäuferin. In Klammern: In aller Regel bestehen ganz einfache normale Brötchen aus Wasser, Mehl und Salz und Hefe. Hefen gehören – weiß jedes Kind – zu den Pilzen. Nix tierisches. Die Frage hätte sich also erübrigt, sie erübrigt sich auch bei Milchbrötchen. Logischerweise. Aber mit Logik hatten es die beiden nicht so, denn die Fragerei ob die Brötchen vegan seien oder nicht, ging weiter. Körnerbrötchen. Gleicher Teig nur eben mit Körnern. Die Verkäuferin leicht genervt (es war auch kurz nach acht am abend). Das Beste aber war die Frage, ob die Mürbeteigkekse vegan seien. MÜRBETEIGkekse. Ich dachte mich verhört zu haben, aber: Nein. Mürbeteig. Ein Mürbeteig besteht aus Mehl, Zucker, Ei, Butter. Nicht vegan. Ganz bestimmt nicht. Wie verblödet sind wir heute eigentlich?

Ich lebe vegan. Weitestgehend jedenfalls.  Nicht aus Überzeugung. Sondern einfach weil ich Grünzeug am liebsten esse. Und irgendwann mal angefangen habe, Fleisch, Butter, Wurst wegzulassen. Hat sich so ergeben und ich betrachte die passionierten Grillfans mit der gleichen Belustigung wie sie mich. Liebe Mitmenschen, nehmt doch bitte alles nicht so ernst. Muss man denn aus allem eine Religion (oder wahlweise Ideologie) machen? Die teilweise wirklich absurd wird. Keine Leberwurst, aber eine Pampe aus massenweise Öl, gemahlenen Erdnüssen, Salz und Mehl. Soll das gesund sein? Wir regen uns auf über Analogkäse und nun boomt der Veggiekäse. Das ist mit Verlaub ziemlich bekloppt. Umweltfreundlich? Der Veganer, der im Winter importierte Erdbeeren und neuseeländische Äpfel konsumiert, tut der Umwelt keinen Gefallen. Auch nicht mit dem Kauf von mehrfach in Plastik eingeschweisster Veggie-Wurst. Tötet kein Schwein, erstickt aber einen Fisch. Nachfragen ob Nahrungsmittel vegan sind und keine Ahnung über die Basics haben kann es nicht sein. Ist aber vielleicht genau unser Problem,. Vielleicht wäre es anzuraten, sich mal wieder damit zu befassen, was wir essen und trinken. Ideologiefrei.

Guten Appetit!

Die Welt braucht Einhörner!

Wir, die moderne Gesellschaft. Mit modernen Rollenverständnissen, Multigender, Gleichberechtigung, Vätern, die Elternzeit nehmen und Frauenquote. Zumindest in der Theorie. Die (mindestens für Politiker_*Innen) sehr ernüchternd wirkende Realität in der „Mitte der Gesellschaft“ (was auch immer das ist) zeigt sich jedoch an Orten in Situationen, in der so manche gesellschaftlichen Konventionen außer Kraft und ganz weit weg scheinen: Am Strand.

Ein erschreckendes Bild zeigt sich da! Die Mütter harren mit stoischer Geduld in der Höhle (respektive Strandmuschel oder Kombination aus Sonnenschirm und Windschutz oder Windschutz und Sandburg) aus um jederzeit den unterkühlten, tropfenden Nachwuchs nebst zugehörigem Vater mit dem sorfältig in der Sonne gewärmten Handtuch in Empfang zu nehmen. Die Kinder werden umsorgt (abgetrocknet), unter Protest, die Väter selbstverständlich nicht. Sie trotzen heldenhaft der Physik und geben keinem angesichts möglichen Windes aufkommenden Frösteln nach.
Da der Mensch nur bedingt für länger Aufenthalt im Wasser optimiert ist, gibt es auch Phasen des gemeinsamen Aufenthalts in und vor den Strandbehausungen. Und auch da, es tut mir leid, zeigt sich Erschreckendes.
Ist Nachwuchs mit sich und dem Sand oder Altersgenoss*_Innen beschäftigt, beobachten die Väter häufig hochkonzentriert die Umwelt. Oder das Wetter. Oder das Meer. Oder so. Die Mütter sind auf wundersame Weise permanent damit beschäftigt, Sand aus Handtüchern und Kleidung auszuschütteln, selbst wenn gar keiner mehr da ist, Handtücher und Kleidung und Schuhe zu ordnen, auch wenn selbiges erst wenige Minuten zuvor getan wurde. Ordnung muss sein, es scheint ein Zeichen der Fürsorge zu sein, ähnlich dem ständigen Eincremen der Kinder was manchmal ein bisschen ausschaut wie die Schwänin, die dem Küken das Gefieder putzt.
Die Rollenteilung lässt sich auch interessanterweise an der Wasserlinie beobachten. Mütter von der Strandbehausung bis etwa 1 Meter ins Wasser hinein, Väter ab 1 Meter vor dem Wasser bis … zur Boje. Mütter bilden dabei die Eimerspül- und Kleckselburgfraktion, Väter arbeiten bevorzugt mit Schaufeln an Tief- oder Hochbauvorhaben. Mütter lesen vor und verspeisen opferbereit Unmengen Sandkuchen. Die Väter bringen dem Nachwuchs bevorzugt den Umgang mit Bällen und diversen anderen Wurfgeschossen, Keschern und Schwimmgerätschaften bei.

Droht dem Nachwuchs Gefahr wie etwa durch Raubtiere (Möwen), die den Kleinen das Essen klauen wollen (Eis, Pommes) dann teilen sich die Eltern die Verteidgung partnerschaftlich. Bei Spielzeug ist das wieder anders. Da sind die Mütter nahezu Löwinnen, die Väter üben sich in sanftmütiger Gelassenheit.

Starres Rollenverhalten überall. Überall? Nein, es gibt eine Ausnahme! Aufblasbare Einhörner. Auflasbar große Einhörner, die auf dem Wasser schwimmen können. Mütter und Töchter stürzen sich furchtlos in selbst unter 18 Grad kalte Wellen. Einhörner, die Retter der modernen Gesellschaft. Die Welt braucht mehr Einhörner!

Kurzer Einwurf

Warum eigentlich Social Media Manager? Nur weil es ein paar technische Plattformen gibt, die eine neue – zugegebenermaßen größere und indifferente (das gilt dank Algorithmen auch nur noch begrenzt) Teilöffentlichkeit  herstellt? (Um in der PR- Fachsprache zu bleiben). Genaugenommen ist das Unsinn.  Die Plattform, also die Medien, sind gar nicht das entscheidende, sondern viel mehr die Frage: wer ist „das Netz“. Im Grunde nämlich nichts anderes weitere soziale Teilsysteme, durch Kommunikation entstanden, anders gesagt virtuelle Realität und zwar nicht im Sinne eines Spiels, sondern es findet „im Netz“ echte Kommunikation statt mit meistens echten Menschen (ob man mit Bots kommunizieren, kann, ich schrieb dazu mal ein Essay. Genaugenommen ist es keine (vollständige) Kommunikation, aber ich glaube da würde mir jeder einen Vogel zeigen wenn ich diese Ansicht verträte). Und um Kommunikation geht es. Auch beim Social Media Manager. Der managt nämlich keine sozialen Medien. Sondern befasst sich mit Kommunikation. Manchmal geht es sehr schnell, einen neuen Beruf, eine neue Profession zu „erfinden“. Wäre es nicht sinnvoller, bestehende an veränderte Bedingungen anzupassen, zu erweitern? Wissen zu vernetzen?  Auch wenn man dabei manchmal Instititionen ankratzt. Und Denkmäler.

Kurz und gut, ich glaube es wäre sinnvoller, alle die, die mit Kommunikation professionell befasst sind, befassten sich auch mit dieser. Wie sich das Internet als soziales System auf die bestehenden auswirken wird ist ein interessantes und nicht unbrisantes Thema, daran ändert ein Social Media Manager nichts, aber vielleicht blieben wir von der einen oder anderen Auswirkung des Fehlschlusses verschont, Präsenz zu zeigen und inflationär zu twittern oder Posten sei schon Kommunikation. Mancheiner schlägt da jeden Bot in Sachen Präsenz. Aber da ist das Netz halt wie das echte Leben. Auch da gibt es viel Wind. Und Luftballons. Und gute PR und weniger gute PR. Oder Öffentlichkeitsarbeit.