schöne neue Welt

„Geldautomaten

Durch die Digitalisierung und die damit einhergehende Automatisierung haben dermaßen viele Menschen in QualityLand ihre Arbeitsstellen verloren, dass ein Grundpfeiler des kapitalistischen Wirtschaftssystems wegzubrechen drohte: der Massenkonsum. Zu viele Menschen haben schlicht und einfach nicht mehr genug Geld, um hirnlos vor sich hin zu konsumieren, so gerne sie das auch tun würden. Zum Glück kam irgendein Technokrat aus der Fortschrittspartei auf eine hervorragende Idee, die den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems verhinderte. Die Regierung bestellte bei myRobot – Roboter für dich und mich – eine Unmenge BuyBots: Androiden, deren einziger Daseinszweck es ist, zu konsumieren. Diese Geldautomaten, wie der Volksmund sie nennt, stattet QualityLand Monat für Monat mit erheblichen finanziellen Mitteln aus, um die Marktwirtschaft am Laufen zu halten. Die Androiden ziehen durch die Shoppingmalls und kaufen nach völlig rätselhaften Regeln Krimskrams, Schnickschnack und Firlefanz.

Du brauchst dir aber keine Sorgen zu machen, dass ein BuyBot dir das letzte Armani Smart Jacket wegschnappt! Die Geldautomaten erwerben lediglich Güter des niedrigen und mittleren Preissegments. Der Luxusgütermarkt braucht keine staatliche Beihilfe. Er läuft besser denn je.“

Auszug aus
QUALITYLAND
Marc-Uwe Kling

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Monitor, 2.11.

„Schöne neue Arbeitswelt: Wie Digitalisierung Armut schafft

Roboter, Computer, Algorithmen – wir sind mittendrin in der digitalen Revolution. Studien sagen voraus, dass in den nächsten zehn Jahren die Hälfte aller Berufe automatisiert wird – viele Menschen ohne Arbeit dastehen könnten und prekäre Arbeitsverhältnisse zunehmen. Eine Entwicklung mit sozialem Sprengstoff, warnen Experten. Doch wenn es um Digitalisierung geht, sprechen die künftigen Regierungsparteien über Breitband und Glasfaser statt über Arbeitsplätze und mehr Chancengleichheit.“

http://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-schoene-neue-arbeitswelt-wie-digitalisierung-armut-schafft-100.html

 

Digitalisierung in der Schule

Die Bertelsmann-Stiftung nannte eine Milliardensumme, die fehle, um Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben. Keine Frage, nötig ist das. Aber man muss sich fragen, wofür und warum.

Geht es darum, Lernen zu erleichtern, einfacher zu machen? Oder geht es darum, Digitalisierung als Lernziel zu installieren. Beides ist wichtig, beides ist nötig und dringend ist der Erwerb von Kompetenzen im Umgang insbesondere mit digitalen Medien fraglos. Man muss aber genau wissen worüber man redet.

Viel hilft nicht immer viel. Es ist eben ein Irrglaube, dass allein der Einsatz von Technik Wunder bewirkt. Vereinfacht ausgedrückt: Das Laden einer Sprachlernapp aufs Handy nimmt mir das Lernen selber nicht ab. Es gibt noch keine Technologie, die Wissen und Kompetenzen ins Hirn beamt. Ein besserer Unterhaltungswert heißt noch lange nicht dass es sich einfacher lernt.

Mittel und Zweck oder Medium und Botschaft zu verwechseln birgt immer ein gewisses Risiko. Und beim Lernen mit digitalen Medien sowieso.  Es muss immer darum gehen, technologisch das Lernen an sich zu unterstützen, lernen zu verändern.

Und ich habe manchmal meine Zweifel ob – insbesondere wenn in der Politik von Bildungsqualität die Rede ist – alle wissen wovon sie da reden und was sie meinen – und dies auch konkret beschreiben können.

Human ressources

eines meiner „Lieblingsworte“. Ich möchte eingangs einen Auszug aus dem aktuellen Interview mit dem sächsischen Finanzminister zitieren:

Die Verwaltung ist laut einer Studie überaltert. Weshalb können die Stellen nicht besetzt werden, wie Sie sagen?

Das Problem betrifft ja nicht nur Schulen oder die Polizei. Wir haben insgesamt einen Fachkräftemangel, der dramatisch wächst. Jedes Jahr gehen in Sachsen etwa 60.000 Menschen in den Ruhestand – es gibt aber nur 30.000 junge Menschen, die nachrücken. Das bedeutet: Auf zwei, die ausscheiden, kommt nur ein Nachfolger, was sich in allen Bereichen bemerkbar macht. Natürlich könnte man den öffentlichen Dienst kurzfristig attraktiver machen, um mehr Personal zu holen. Das ginge aber zu Lasten der Wirtschaft und würde letztlich zu weniger Steuereinnahmen führen. Der Freistaat würde also den Ast absägen, auf dem wir alle sitzen.

Halten Sie deshalb auch an der Personalstärke von 70.000 Stellen in der öffentlichen Verwaltung fest? Das würde perspektivisch eine Streichung von rund 16.000 Stellen bedeuten.

Es geht nicht um die Zahl, die politisch gesetzt wurde, sondern um schlichte Fakten. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir mit deutlich weniger jungen Menschen die Volkswirtschaft funktionsfähig halten können. Dabei geht es nicht um das Sparen um des Sparens willen – sondern darum, die noch zur Verfügung stehenden jungen Fachkräfte zwischen der öffentlichen Verwaltung und der Wirtschaft zu verteilen. Wenn die Mannschaft nur noch die halbe Stärke hat, wie Prognosen sagen, dann kann die Verwaltung der Wirtschaft nicht alle Arbeitskräfte wegnehmen.“

(Quelle: http://www.lvz.de/Mitteldeutschland/News/Die-Optionen-sind-beschraenkt)

Das politische innerparteiliche Geplänkel lassen wir heute mal beiseite, es ist irrelevant.  Nehmen wir uns viel mehr mal ein paar Zahlen vor und die Aussage, die hinter diesen Zahlen steckt.

Und halten wir uns vorher vor Augen, welche Werte und Normen momentan gesellschaftlich diskutiert werden, an der Tagesordnung sind. Wie oft wird über Bildungschancen geredet. Über Selbstverwirklichung, über das, was ein wünschenswertes, ein gutes Leben ausmacht. Über die Beseitigung von sozialen Unterschieden, von Grenzen, wir reden von Inklusion (meist ohne zu wissen was das ist und was das heißt). Wir reden davon, die Arbeitswelt attraktiver zu machen, Philosophen philosophieren über den ideellen Wert von Arbeit, der in Zukunft mehr zöhlen wird und zählen soll als die Erfordernis, Lohn zum Lebensunterhalt zu bekommen. Wir reden über Digitalisierung, die die Arbeitswelt nachhaltig und grundlegend verändern könnte. Wir reden allerdings nicht darüber wem Erleichterungen nützen, wem die dennoch geschaffenen Werte zu gute kommen.

„Mit jungen Menschen die Volkswirtschaft funktionsfähig erhalten“.  Es geht darum, Fachkräfte zu verteilen. Wie war das nochmal mit dem idealisierten Rosa-Rote-Brille-Blick? Marktwirtschaft, so lernen wir vom Maschinenbauer, heißt nicht, dass der Mensch sich seinen Lebensweg, seinen Arbeitsplatz sucht. Sondern der Arbeitsplatz sucht sich den Menschen. So oder so ähnlich.

Alle rufen sie den Fachkräftemangel aus. Und irgendwer soll es richten. Dass aber mancher Mangel genau daran liegt, dass Verdienste nicht stimmen, Arbeitsbedingungen verbesserungswürdig sind oder manche Jobs einen gesellschaftlich ganz schlechten Ruf haben – das wird gerne mal vergessen. Was sind das denn für Stellen die unbesetzt sind. Und wo sind sie. Welche Qualifikation erfordern sie und welche Möglichkeiten eröffnen sie?

Manchmal und immer öfter stellt sich mir – das ist vielleicht auch altersbedingt – die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ist es der Sinn des Lebens, eine „human ressource“ zu sein und für den Rest des Tages Konsument damit auch ja die Wirtschaft gut floriert?

Wir leben schon längst in QualityLand

Wissen ist Macht. Und was für eine. Wissen schafft Macht – oder schafft sie ab. Besser gesagt Menschen, die Wissen „haben“. Das ist eine Weisheit, so alt wie die Welt, aber dennoch muss man augenscheinlich immer wieder daran erinnern. Anlass für diesen Post war die Frage nach der epochtimes. Der Arbeitskollege des Fragenden postete einen Link zu einem Artikel. Epochtimes. Leitmedium der Rechten – so wird sie bezeichnet. Die Zeit schrieb kürzlich darüber – der Artikel ist zumindest mal lesenswert. http://www.zeit.de/2017/38/epoch-times-afd-alternativmedium

Zitat: „Auf den ersten Blick wirkt die Epoch Times gar nicht auffällig: Die meisten Artikel auf der Website sind Agenturmeldungen, etwa von der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Allerdings mit einer auffälligen Schwerpunktsetzung: Fast alles dreht sich um Migration, um die AfD und um Pegida. In der Rubrik „Epoch Blaulicht“ werden Berichte über Kriminalität veröffentlicht – genauer: Kriminalität durch Ausländer. Durch diese Auswahl schafft es die Epoch Times, ein rechtes Publikum anzusprechen, ohne sich selbst klar zu positionieren.
Meist werden den Agenturmeldungen reißerische Überschriften vorangestellt. Ende August kam es beispielsweise bei der Räumung eines besetzten Hauses in Rom zu einer Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Migranten. Unschöne Szenen, aber nicht ungewöhnlich. Nur vereinzelt wurde das Thema von den deutschen Medien aufgegriffen, zum Beispiel von der dpa. Die Epoch Times übernahm die Meldung und titelte: Mitten in Rom – Migranten liefern sich eine Straßenschlacht mit der Polizei. So wurde der Artikel zum Hit, die eigentlich polizeikritische dpa-Meldung wurde durch die Überschrift umgedeutet. Es funktionierte wie ein Trigger für die Ressentiments der Leser. In den Kommentarspalten entlud sich entsprechend die Wut.
Und das wichtigste zum Schluss:
So gelingt es der Epoch Times, mit wenig Aufwand eine maximale Reichweite zu erzielen. Ökonomisch gesehen eine sinnvolle Strategie: Geschäftsführer Manyan Ng erklärte gegenüber der Wirtschaftswoche, man habe lange Zeit Geld in das Medium gesteckt, das sich über Werbeanzeigen finanziert. Nun schreibe es schwarze Zahlen.

QualityLand lässt Grüßen. Das ist die Realität der Massenmedien. Informationen sind eine Ware. EINE WARE, die sich verkaufen soll. Über Klicks, über Abos und so weiter. Dabei spielt die Information an sich gar nicht die übergeordnete Rolle, sie ist Mittel zum Zweck geworden. Es ist eigentlich nichts neues, aber das Spiel wird immer mehr auf die Spitze getrieben. Gefährlich, weil Informationen aber unser Bild von der Welt bestimmen, von dem was wahr ist. Und darauf, auf ein gesichertes Weltbid, auf Vertrauen, dass das, was man sieht, hört, weiß auch stimmt, ist der Mensch dummerweise angewiesen. Hinzu kommt so eine kleine Eigenheit. Jeder von uns ist ein bisschen eines dieser kleinen Äffchen, die in allen möglichen Kanälen die Runde machen. Wir sehen nichts was wir nicht sehen wollen (und selbst wenn, dann trauen wir unseren Augen nicht.) Wir hören nicht was wir nicht hören wollen (und wenn, dann trauen wir unseren Ohren nicht). Und wir sagen nicht das was wir nicht sagen wollen (und manchmal nicht mal das was wir sagen wollen).

Allein die Auswahl an Informationen, die verbreitet werden, kann das Bild der Realität erheblich verändern. Niemand muss sich die Mühe machen, Falschmeldungen zu verbreiten. Die Auswahl reicht, die Auswahl an Nachrichten, die Aufmerksamkeit generieren. Ein Medium muss gar keine bestimmte politische Richtung haben um ein Leitmedium zu werden. Es reicht, wenn es Meldungen bringt, die „ziehen“ bei einer bestimmten möglichst großen Zielgruppe.  Und das ist das perfide daran. Man sieht es nicht von außen.

Medien wie die Epochtimes haben auch nicht das Problem vieler Verlage, dass ein Überhang (vielfältiger) Negativnachrichten letztlich zu Leserfrust und Leserverlust führen. Denn: sie sind eine Bestätigung für ihre Zielgruppe die genau das lesen will was sie dort zu lesen bekommt.

Zweifelt. Zweifel sind gut und sie sind richtig. Auch gegenüber den Medien. Aber zweifelt bitte richtig.

Wer noch nicht weiß wo Qualityland ist: http://qualityland.de/

QualityLand Dresden – der Tragödie erster Teil

An dieser Stelle mache ich ausdrücklich Werbung  für das neue Werk von Marc Uwe Kling. Man muss es gelesen haben und eigentlich gehört es in den Lehrplan ab Klasse 5. QualityLand. Man könnte es das moderne 1984 nennen  wenn das Szenario so weit weg läge.

Sandra Admin -arbeitet bei Tag24 (und nicht nur dort, sondern auch anderswo). Ihr Job: Aufmerksamkeit generieren, koste es was es wolle, da wo man auf Menschen trifft, die sich so weit in ihrer virtuellen SecondRealityBlase verbarrikadiert haben, dass Vernunft nicht mehr durchkommt und  die hinter allem und jedem eine Weltverschwörung vermuten. Nehmen wir mal ein aktuelles Beispiel: Schlagzeile bei Tag24: Was ist hier los? Rathaus plant Massengräber. https://www.tag24.de/nachrichten/was-ist-hier-los-rathaus-dresden-plant-massengraeber-pandemie-friedhof-357346

Massengräber! Die das Rathaus plant! Hilfe, Katastrophe, Skandal, uns droht die Pest (beginnt doch der Artikel mit dem Beispiel aus dem Jahr 1680).  Kommen wir mal zum Hintergrund des Artikels: Es handelt sich um eine Stadtratsanfrage von Frau Ahnert. Zu finden ist diese hier: http://ratsinfo.dresden.de/getfile.php?id=315268&type=do&

Die Kommentare auf Facebook sind das eigentlich katastrophale:

Wunderts? Leider nicht. Folge auch einer Pressestrategie, in der es in erster Linie Aufmerksamkeit geht. In der eine „gute Geschichte“ die negative Abweichung von der Norm bedeutet, alles andere nicht berichtenswert erschwint. Wen interessiert das ganz normale alltägliche? Und dieses Friedhofsentwicklungskonzept ist etwas ganz normales fürchterlich langweiliges.

Tatsachen

Ich kann es nicht ausstehen wenn Müll erzählt wird. Egal ob Zitate stimmen oder nicht, jedenfalls ist die Behauptung, ein Prüfer habe eine Sprinkleranlage „nachträglich“ in die Operette „reingeprüft“ völliger Blödsinn.

Hier der betreffende Zeitungsartikel: http://www.sz-online.de/nachrichten/wasserschaden-in-der-operette-3797790.html

Am 11. Juli 2013 fasste der Stadtrat Dresden einen Beschluss, den Generalübernehmervertrag und das Finanzierungskonzept zur Errichtung der Theaterspielstätten im ehemaligen Kraftwerk Mitte.

Auf Seite 36ff. der Begründung findet sich folgender Textabschnitt:

Sprühwasserlöschanlagen

Die Vollbühnen des Theaters der Jungen Generation und der Staatsoperette Dresden werden mit Sprühwasser-Löschanlagen geschützt. Sprühwasser-Löschanlagen für Bühnen werden nach DIN 14494 und nach der VdSRichtlinie 2109 konzipiert. Es gilt die Sächsische Versammlungsstättenverordnung(Sächs VStättVO). Wesentlich ist, dass Haupt-, Seiten- und Hinterbühnen in getrennte Sprühflutgruppen aufgeteilt werden, die nach Erfordernis einzeln in Betrieb genommen werden können. Der Eiserne Vorhang zur Trennung der Bühne zum Zuschauerraum wird mit einer Berieselungsanlage ausgerüstet. Die Sprühwasser-Löschanlagen beider Bühnen bilden voneinander unabhängige Löschsysteme. Die Löschwasserversorgung erfolgt über getrennte Zuleitungen, die auf separate Abgänge des Sprinklerverteilers aufgebunden werden. Die Hauptleitungen zwischen Sprinkler- und Bühnenverteilern stehen ständig unter dem Wasserdruck des Sprinklersystems. Löschwasserdurchsatz und Löschwassermenge für Bühnen sind in der DIN 14494 und der VdS-Richtlinie 2109 definiert. Danach wird eine Mindestlöschzeit von 10 Minuten vorgegeben. Die Wasserbeaufschlagung ist für Bühnen höher 10 m mit 7,5 mm/min definiert.

Sprinkleranlage

Auslegungsgrundlage der Sprinkleranlage bildet die VdS CEA-Richtlinie 4001 sowie die DIN EN 12845. Nach diesen Richtlinien werden Theater in die Brandgefahr OH4 eingestuft. Diese Einstufung hat zur Folge, dass für die Auslegung der Löschwasserversorgung eine Mindestwasserbeaufschlagung von 5,0 mm/min und eine Wirkfläche von mindestens 360 m² anzusetzen ist. Das Anlagenkonzept basiert nach VdS CEA 4001 auf Klasse 1. Damit ist für die Sprinklerung des Gebäudes eine Löschwasserbevorratung für eine 40-minütige Löschzeit anzusetzen. Nach dem Planungsstand wird der Gebäudekomplex teilgesprinklert. Sprinklerschutz soll im Eingangsbereich Kasse/Foyer der Staatsoperette, im gesamten Foyer des Theaters der Jungen Generation, unter den vier Gangebenen über dem Foyer der Staatsoperette Dresden sowie unter diversen Emporen des Foyers der Staatsoperette Dresden installiert werden. Die sprinklergeschützten Flächen belaufen sich danach auf ca. 5.000 m² im Theater. Hieraus ergeben sich folgende Eckdaten für die Sprinkler- Wasserversorgung einschließlich der Versorgung von zwei Sprühwasser-Löschanlagen: Die Löschwassserversorgung der Sprühflut- und Sprinkleranlage erfolgt über einen Erdsprinklertank mit den erforderlichen Ausrüstungen. Die Sprinklerunterzentrale im Objekt erhält eine Eigensprinklerung. Die Anordnung dieser Zentrale im Gebäude ist so zu wählen, dass ein gefahrloser Zugang vom Freien möglich ist. Im Brandfall werden durch heiße Brandgase die über dem Brandherd liegenden Sprinkler geöffnet (Ansprechtemperatur 68°C). Das austretende Löschwasser bewirkt eine Strömung in den Rohrabschnitten des betreffenden Geschosses und aktiviert den dort installierten Strömungsmelder (Alarmunterteilung) und das Alarmventil in der Sprinklerunterzentrale. Sowohl der Strömungsmelder als auch der Druckschalter des Alarmventils sind auf die BMZ geschaltet. Von hier erfolgt die Alarmdurchschaltung zur Feuerwehr. Parallel zur elektrischen Alarmierung wird über das Alarmventil eine mechanische Alarmglocke in Gang gesetzt.

Zitatende.

Das Problem ist nicht die Existenz der Anlage, deren Existenz übrigens gesetzlich vorgeschrieben ist.

§ 24 sächsische Versammlungsstättenverordnung

Feuerlösch- und Brandmeldeanlagen
(1) Großbühnen müssen eine automatische Sprühwasserlöschanlage haben, die auch den Schutzvorhang beaufschlagt.
(2) Die Sprühwasserlöschanlage muss zusätzlich mindestens von zwei Stellen aus von Hand in Betrieb gesetzt werden können.
(3) In Großbühnen müssen neben den Ausgängen zu den Rettungswegen in Höhe der Arbeitsgalerien und des Schnürbodens Wandhydranten vorhanden sein.
(4) Großbühnen und Räume mit besonderen Brandgefahren müssen eine Brandmeldeanlage mit automatischen und nichtautomatischen Brandmeldern haben.
(5) Die Auslösung eines Alarmes muss optisch und akustisch am Platz der Brandsicherheitswache erkennbar sein.

https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/2111-Saechsische-Versammlungsstaettenverordnung#p24

 

Wahlanalysen

Rums. Die Wahl hat stattgefunden und sie hat ein Ergebnis, was irgendwie alle geahnt haben, sich aber keiner wünschte, allerdings nach dem Medienhype um die AFD kein Wunder. Das Ergebnis ist auch herbeigeschrieben. Nicht weil es immer nur um die AFD ging, sondern weil man sich nur auf die Themen konzentrierte, die die AFD für sich genutzt hat. Flüchtlinge, Flüchtlinge, Flüchtlinge. Und ansonsten ist Politik ein Medienspektakel geworden könnte man meinen. Um ernsthafte Dinge geht es da nicht mehr. Worüber berichten Medien wie und warum und was und für wen? Aber das ist ein anderes Kapitel.

Gefühlt keinen Tag später überschlagen sich die Analysen. Es ist fast ein Lehrfilm für Kommunikationswissenschaftsstudenten zu den Themenkomplexen Krisenkommunikation und öffentliche Meinung. Wäre das ganze nicht so ernst man könnte sich amüsiert mit einer Tüte Popcorn hinsetzen und das ganze als Theaterstück beobachten. Zunächst mal stellen wir fest, Dresden ist eben nicht das Zentrum von Rechts und Pegida und was es sonst noch so gibt. Nein, auch in Chemnitz, Leipzig, Chemnitz (um mal in Sachsen zu bleiben) hat „die Alternative“ ihre Zustimmer gefunden. Ich bleibe mal bei Begriff Alternative. Denn das ist meine These, die Wähler haben „eine(!) Alternative“ gewählt. Irgendeine. Weil keine andere da war, keine für AFD-Wähler wählbare jedenfalls.

Das blaue – äh braune Sachsen also. Der Osten, der rechte. Ganz so stimmt dieses Bild was nun aus der Schublade gezerrt wird, auch nicht. In Bayern, im weißblauen Hofstaate Bayern, dem konservativsten aller Bundesländer, in dem die Welt noch in Ordnung zu sein schien, in dem der brave Bürger vorm sonntäglichen Weißwurstfrühstück dem Horst huldigt (ich darf so schreiben, ich habe zweifach Verwandtschaft mit Ost->West-Migrationshintergrund dort, Verwandtschaft ersten Grades und männlich) sind es 10 Prozent.

Die Analyseversuche sind teilweise an Absurdität nicht zu überbieten (oder besser gesagt zu unterbieten). Und sie sind erschreckend. Sie offenbaren eines der Hauptprobleme unseres Landes. Integration. Die fehlende Integration beider Länder ineinander nach der Wiedervereinigung. Was jetzt an Vor- und Werturteilen über „die Wessis“ und „die Ossis“ zutage tritt müsste jeden vernunftbegabten Politiker aufhorchen und Handlungsbedarf erkennen lassen, der eben NICHT darin liegt, dem politischen Gegner (oder meinetwegen Mitbewerber) anzulasten. Bei dieser Wahl haben nämlich alle verloren.  In Sachsen die CDU 15,7 Prozent. Die Linke 4, die SPD 4,6 Prozent, die Grünen 0,3.  https://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_s10_erg_lw.prc_ver_lw?p_bz_bzid=BW17&p_ebene=SN&p_ort=14

Oppositionsversagen

Das Wahlergebnis als Schuld der CDU? Ein wenig kurz gegriffen. Der Wähler ist ja nicht blöd und das Volk schon gar nicht, schließlich geht alle Macht von ihm aus, und jeder Mensch hat zunächst mal das grundgesetzlich verbriefte Recht auf eine eigene Meinung und eine Wahl. Ob es uns nun gefällt oder nicht (uns deshalb, weil ich zwar qua Arbeitsvertrag Angestellte in der Verwaltung, aber dennoch mit politischem Bezug) bin. Und wenn „der Wähler“ oder „das Volk“ nun in die falsche Richtung rennt (wobei das ja auch Unsinn ist), dann habe ja wohl alle versagt. Insbesondere und gerade die Opposition. Warum? Nun: weil sie es offenbar nicht vermochte, ihren Ansatz von Politik, Gesellschaft, Werten, Wahrheit, Lebensweise, Richtig und Falsch zu vermitteln und zwar an die Menschen, die das Recht und die Möglichkeit dazu haben, sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Weder die Grünen noch die Linken haben es also vermocht, ihre politischen Inhalte zu vermitteln und zwar so zu vermitteln, dass die Wähler diese als erstrebenswert und damit als wählbar gewertet haben. Wer hätte dies denn sonst tun sollen? Die CDU? Ihren Wählern vermitteln, hört mal, wir können es nicht, die anderen sind besser? Diese Selbsteinschätzung vermisse ich. Und dieses mangelnde Bewusstsein dessen, dass Demokratie eben keine Diktatur ist, auch nicht „so halb“, sich also keine politischen Anliegen gegen den Willen des Wählers durchsetzen lassen, hat letztlich auch mit dazu beigetragen, dass viele Menschen eben eine andere Alternative gewählt haben. Nimm die Menschen wie sie sind, es gibt keine anderen! Tatsächlich nicht.  Demokratie heißt auch überzeugen. Man überzeugt niemanden durch Belehren, Beschimpfen, für dumm erklären.

Es gibt eine Reihe von Fragen, die es zu stellen gäbe – erstmal fragen, forschen, suchen. Im Moment gibt es viele Antworten. Zu viele.

Da wäre die Frage, wonach entscheiden Wähler. Welche Themen zählen in einem Wahlprogramm, welche Punkte sind es, die Wähler dazu bewegen ihr Kreuz eben genau da zu setzen und nicht woanders? Sind es a) die Themen, die sich die Opposition auf die Fahnen schreibt, die dem Wähler wichtig sind und kann sie b) glaubwürdig vermitteln, diese Themen auch bewältigen zu können? Wenn  Menschen in „die Politik“ gehen, dann wollen sie meistens etwas verändern. Die Zugänge sind so unterschiedlich wie jeder Lebenslauf, aber der Wunsch, etwas zu verändern, zu erreichen, das eint sie wohl alle. Aber Menschen sind unterschiedlich. Und so weh es tun mag, auch das hehrste Anliegen muss vermittelt werden – eben weil wie in einer Demokratie leben und nicht in einer Diktatur. „Die Menschen“. Politik spricht gern von „den Menschen“ und weiß was gut für sie ist. Paternalismus nennt man das. Bevormundung ruft bestenfalls Ignoranz, schlimmstenfalls irgendwann einmal Trotz hervor. Dann sind aber schon alle Brücken gebrochen. Wenn Menschen sich nur im politischen Raum bewegen, fehlt dann manchmal der Bezug zu anderen Lebenswelten. Und diese anderen Lebenswelten sind aber die Mehrheit. Politiker sind eine Minderheit. Eine sehr kleine. Die manchmal auch ziemlich kleingeistig eher an der eigenen Befindlichkeit krankt als dass es wirklich ums Große Ganze geht. Nehmen wir mal Dresden. Ein ganz konkretes Beispiel. Bündnis gegen Rechts? Oh, da geht es eher darum wer „richtiger“ gegen rechts protestiert und der erste war oder schon immer gesagt hat oder irgendwas oder gar das Publikum abspenstig macht. Das kann so nichts werden.

Aber noch einmal zurück zu den Lebenswelten. Irgendwie hat sich Politik von den Lebenswelten vieler Menschen entfernt. Die Welt hat sich weiter gedreht, sich verändert, aber die Politik hat sich nicht verändert. Die Welt ist größer geworden, zu uns gekommen, rauher, unruhiger. Wir leben nicht außerhalb dieser Welt. Wir stecken mittendrin,  hier, mitten in Europa. Und mittendrin in Veränderungen. Und nun ist die Frage, welche Antworten haben Parteien? Haben sie überhaupt welche?  Oder sind Parteien ein Überbleibsel des Präfaktischen Zeitalters in der es noch keine sozialen Medien gab und es nur noch eine Frage der Zeit bis wir keine Parteiendemokratie mehr haben. Meiner Ansicht nach wird es irgendwann so sein. Parteien sind nicht mehr zeitgemäß. Sie polarisieren, wo es nichts zu polarisieren gibt, versprechen, was nicht zu halten ist und sie streiten wenn uns der soziale Zusammenhalt flöten geht. Vorbild?

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich mit der Popcorntüte hinsetzen und beobachten wie Systemtheorie sich gerade visualisiert. Die Aussichten dabei jedoch sind eher dunkel. Deshalb muss es da noch diesen Glauben geben dass diese Welt doch noch zu retten ist weil es Menschen gibt. Apropos Mensch … Wofür tun wir Dinge und warum und wie und für wen überhaupt? Vielleicht ein Anfang – sich wieder darauf zu besinnen: es geht um Menschen.

Der Text ist mit einem pessimistischeren Sinn begonnen worden. Dazwischen lag eine Konferenz. Es war eine wunderbare Erfahrung, Bürgermeister verschiedenster europäischer Städte zu erleben, die allesamt darüber nachdachten und berieten, wie sozialer Zusammenhalt wieder hergestellt werden kann. Darum geht es nämlich und im Grunde stehen die europäischen Städte alle vor dieser Herausforderung – in unterschiedlicher Ausprägung, aber die Herausforderung ist dieselbe. Eine Diskussion darüber ohne gegenseitige Schuldzuweisungen und Abwertungen. Einen freien Tag hat es nicht mehr gebraucht. Und es sind die Tage die das Fazit ziehen lassen: der beste Job der Welt.

Elternbeitragsrückerstattungskooperationskräche

Ich bin jetzt mal ein bisschen böse. Da gibt es – mal wieder – Ehekrach. Halstarrigkeit wird vorgeworfen und Herzlosigkeit. Worum geht es? Um die Rückerstattung der Elternbeiträge bei Streiks in den Kitas.

Streik in Kitas, also gestreikt wird meines Wissens nur dann wenn es eine Notwendigkeit gibt, also die Erzieher beispielsweise auf ihre Arbeitsbedingungen – ihren Verdienst oder den Personalschlüssel – aufmerksam machen wollen. Die Ressourcen dafür sind öffentliche Gelder – also Steuergelder. Die sich, ganz platt gesagt, auch aus ihren eigenen Steuern und den Steuern der Eltern finanzieren.

Wird gestreikt, zahlt nicht der Arbeitgeber den Verdienst (in dem Falle die Kommune) sondern die so genannte Streikkasse. Diese wird gespeist aus den Mitgliedsbeiträgen der Gewerkschaftsmitglieder. Die Erzieher zahlen also – ganz verkürzt – den Streik selbst.

Nun erhalten in dem Falle logischerweise – ein Streik muss ja bemerkbar sein – nicht die vereinbarte Betreuungsleistung. Sie zahlen also Elternbeiträge und erhalten keine Gegenleistung. Das sorgt verständlicherweise für Ärger. Der Arbeitgeber – die Kommune – muss für die Streiktage kein Gehalt zahlen, das Geld (öffentliche Gelder, wir reden hier nicht über ein Wirtschaftsunternehmen) verbleibt also bei der Kommune. Es verbleibt also im Haushalt der gesamten Stadt ( dazu gehören auch die Eltern, Erzieher, Kinder) denn die ist der Eigentümer. Keine Verwaltung, kein Rathaus, kein Finanzbürgermeister. Ob die Formulierung „die Stadt spart Geld“ angemessen ist?

Jetzt gibt es die Forderung der Rückerstattung der Elternbeiträge – auch für Geringverdiener, die keine Elternbeiträge zahlen. Immer wieder geäußertes Argument: der Streik soll „der Stadt“ weh tun und nicht den Eltern. Nun – wer aber ist „die Stadt“, dieses beliebte Feindbild? Was ist mit einem weit gehenden Beschluss zur Rückerstattung der Elternbeiträge gewonnen?

Wenn man böse ist – und das wollte ich ja wie eingangs gedroht auch sein – dann heißt das jetzt erstens:

die Erzieher zahlen für ihren Streik doppelt. Sie zahlen Steuern und sie zahlen in die Streikkasse. Die Elternbeiträge haben nebenbei gesagt nur mittelbar etwas mit dem Verdienst der Erzieher zu tun. Erzieher von städtischen Kindergärten werden nach Tarifvertrag TVÖD bezahlt und die Verhandlungen finden nicht auf städtischer Ebene statt.

Und Zweitens:

Die Streiks tun weniger weh. Die Eltern bekommen ja das Geld zurück (und dann ist alles gut?!) „Der Stadt“ tun die Rückerstattungen und damit die Streiks deshalb nicht mehr weh. Es gibt nämlich nicht „die Stadt“ als Wirtschaftsunternehmen, als Konzern.  Die städtischen Mitarbeiter sind im öffentlichen Dienst, werden nach Tarif bezahlt, der städtische Haushalt speist sich aus Steuereinnahmen, Zuschüssen und anderen Einnahmen und wenn eine Stadt Gewinn macht, dann hat keine Einzelperson, kein Bürgermeister, kein Kämmerer etwas davon. Sondern dann wird das Geld für Dinge ausgegeben, die der Stadt, das sind etwas mehr als eine halbe Million Einwohner, zugute kommen. Und über jede Geldausgabe entscheidet der Stadtrat.

Vielleicht wäre es insgesamt sinnvoller, sich über Protestformen Gedanken zu machen, die da treffen wo getroffen werden muss. Und vielleicht wird irgendwann mal deutlich dass dieses von Kommunalpolitikern immer wieder aufgerufene Feindbild „die Stadt“ billigster Populismus ist. Eigentlich sollten Erzieher und Eltern sich doch solidarisch verhalten. Eigentlich ist doch die Beitragsrückerstattung nicht das Problem, sondern die Streiks. Die eine Ursache haben – und DIE ist das Problem!

Die Elternbetriagsrückerstattungskooperationskräche sind hier nicht hilfreich. Sie ändern nichts am Problem der Elternbeiträge und sie ändern nichts am Problem der Landeszuschüsse und nichts an Tarifverträgen. Und die sind doch das eigentliche Problem. Alles andere ist Wahlkampfrauschen.

Eine Lösung? Nun, für 10 Euro am Tage bekommt man keinen Babysitter. Man könnte aber für den Fall der Streiks über die Stadt verteilt so genannte Streikkitas einrichten. Die dann die Betreuung im Fall der Fälle gewährleisten (finanziert aus den „gesparten“ Mitteln) – darum geht es ja bei den Eltern, es geht ja nicht darum Geld zu sparen (Elternbeiträge) sondern es geht doch darum dass das Kind betreut werden muss. Moment – das wäre Streikbruch, bei Gewerkschaften verpönt… Wie wäre es wenn Eltern für eine vernünftige Personalausstattung und einen vernünftigen Verdienst auf die Straße gehen? Wie wäre es wenn der Stadtrat Beitragsfreiheit beschließt? Mit allen Konsequenzen natürlich?

Kindertagesstätten sind keine Dienstleistungseinrichtungen sondern wir reden hier über Bildung. Eltern sind keine Dienstleistungskunden und Kinder schon gar nicht. Dieser Ansatz hat aber Konsequenzen und zwar weit reichende.

Der Ossi – ein Wutbürger?

Es gibt so viele Erklärungsversuche. Viele allerdings vorurteilsbehaftet und das ist ein Problem. Verhalten zu verstehen setzt Vorurteilsfreiheit voraus und die gibt es nicht. Es ist zuviel Politik im Spiel und zu viel Ideologie.

Der Ossi – ein Wutbürger? Wie wäre es mit der These, dass der Ossi schon immer ein Wutbürger war, nur dass sich diese Wut jetzt in einer Weise offenbart, die vor einigen Jahren noch nicht offenbar wurde? Was ist damit gemeint.

Fangen wir mal mit der Bezeichnung Deutsche Demokratische Republik an. Die Bezeichnung war eine Farce. Der Staat war weder demokratisch noch im Wortsinn eine Republik. Und „deutsch“ hatte nach dem Nationalsozialismus die Assoziation nationalistisch in sich. Die DDR war eine Diktatur mit allen Folgen für die Bevölkerung. Psychologischen Folgen. Wie viele der DDR-Bürger haben sich mit „ihrem“ Staat den wirklich identifiziert? Opportunismus – und den gibt es heute so wie es ihn damals gab, mag man moralisch verdammen, dennoch gibt es ihn, aber Opportunismus bedeutet weder Identifikation noch Loyalität. Man hat sich arrangiert. So wie sich Menschen immer arrangieren und versuchen ihr Leben so gut wie möglich zu leben. Wer hier Luft zieht – verstehen, nicht Verständnis haben!

Der „gelernte DDR-Bürger“ wusste, dass die Staats- und Parteiführung nicht immer recht hatte auch wenn es Lieder gab, die genau das besangen. Dass es nicht die besten aller Menschen waren und dass sie sich ein anderes insbesondere materiell besseres leben erlaubten als die Menschen, die sie diktierten.  Misstrauen gegen „die da oben“, gegen den Staat, gegen Parteien, das haben die Menschen in der DDR gelernt. Durch eigenes Erleben, durch die Eltern, die Schule, Bekannte, Freunde.  Hinzu kommt noch die Nachkriegsgeschichte, die ganze Thematik kalter Krieg zwischen Ost und West.

Diktatur, das heißt, denn Menschen wird vorgeschrieben, wie sie zu leben haben. Welcher Mensch lässt sich gern vorschreiben, wie er zu leben hat? Vor allem wenn die Vorbilder selbst nicht glaubwürdig sind. Unter diesen Verhältnissen zu leben prägt Menschen. Auch geprägt hat den Osten die Wahrnehmung des ganz und gar nicht paradiesischen Westens, wenngleich die Aussicht auf Bananen, Palmen und die Bild so viele verwirrt hat.  Dass der Kapitalismus nicht die erstrebenswerte aller Gesellschaftsordnungen ist, dieses diffuse Wissen gibt es durchaus.

Menschen sind Menschen. Sie brauchen für ihre Identität eine eigene Geschichte. Sie brauchen Anerkennung der Lebensleistung, sie brauchen Wertschätzung. Das alles wissen wir heute, besser gesagt propagieren es. Wir reden über Chancengerechtigkeit, Individualisierung, lehnen Diskriminierung ab, wollen integrieren, inkludieren.

Das hat nach der Wende alles nicht stattgefunden. (Achtung, wer hier Luft zieht und zu, „ja aber“ ansetzt, es geht um das Verstehen und man muss erst Verstehen um vielleicht Ideen zu entwickeln was man tun kann um eine Entwicklung zu ändern). Viele haben sich eine bessere Welt nach der Wende versprochen, was auch immer das für den Einzelnen bedeutete. Für die Einen war es die Freiheit des Geistes, für den Anderen die Freiheit des Reisens oder der Berufswahl. Viele Träume und Wünsche haben sich erfüllt. Viele, sehr viele jedoch nicht und den Ossi unterscheidet vom Wesse etwas Gravierendes: Die Anerkennung der Lebensleistung. Was von der DDR ist noch übrig, anerkennenswert? Ich meine jetzt nicht die politische Seite sondern das was Menschen mit ihrer Arbeit geschaffen haben.  Bestenfalls trifft man das alles in eher lächerlichen Museen. Erinnern wir uns an den Ausverkauf durch die Treuhand. An „Buschzulagen“ und ähnliches. Das hat Nachwirkungen hinterlassen.

Es hat keine Integration stattgefunden. Das ist meine persönliche Diagnose. Und dass sie nicht stattgefunden hat, fällt uns heute auf die Füße. „Die da oben“, denen man nicht vertrauen kann, sind „die da oben geblieben“. Und sie sind es tatsächlich, denn Macht macht etwas mit Menschen und nicht jeder der langjährig in der Politik von sich behauptet hat das Beste zu wollen und durchzusetzen oder was sonst auch immer auf Wahlplakaten steht, hat das tatsächlich getan. In Sachsen vielleicht ganz besonders. Fakt ist leider dass Politiker nach einer gewissen Zeit zur Selbstgefälligkeit neigen. Und dass auch in der Politik Machtmechanismen eine Rolle spielen. Die dann dazu führen, dass Versprechen nicht eingehalten werden, Interessen nicht durchgesetzt, entgegen der eigenen Überzeugung abgestimmt. Der Vertrauensverlust ist ein Fakt – er ist nicht nur nicht neu sondern eine Bestätigung dessen, was „man schon immer wusste“.

Der Irrtum liegt jedoch darin dass es eine AFD anders oder besser machen könnte oder würde. Das zu erkennen könnten die etablierten Parteien helfen, dazu bedürfe es aber zuallererst Selbstkritik. Was NICHT hilft ist belehren. Dagegen ist „der Ossi“ allergisch, er ist genug belehrt worden. Und genug lächerlich gemacht. Da haben leider die Medien – denken wir mal an die Heute-Show – auch ne Aktie dran. Der bisschen minderbemittelte sächselnde Ossi mit dem Dederonbeutel, eine so beliebte Satirefigur.

Wut. Warum so viel Wut. Wut ist nicht rational und die wenigsten Menschen sind rational. Es gibt nun auch das Ding was sich Psyche nennt, trotz Politikwissenschaft. Wut kanalisierte sich früher anders. Da war es wichtig, irgendwelche Ersatzteile zu organisieren. Da gab es die eingeschworene Gemeinschaft mit Freunden, Arbeitskollegen, Familie, die das Wissen einte, dass, was in der Zeitung steht, kann man nicht für bare Münze nehmen. Da gab es Netzwerke um sich gegenseitig zu helfen. Es gab ein diffus-klares Feindbild. Staat, Stasi, Medien, Partei. Eben „die da oben“.

Das ist keine wissenschaftliche Analyse. Überlegungen zu Hypothesen vielleicht. Was würde nun helfen? Wenn wir mal über Integration reden und zwar nicht ideologisierend. Wenn wir versuchen würden zu verstehen. Verstehen heißt nicht, Verständnis zu haben oder alles gut zu heißen oder zu tolerieren. Verstehen ist aber notwendig, auch zu verstehen, was Integration heißt. Integration heißt nicht Eingliederung einer homogenen Gruppe in eine andere homogene Gruppe. Gesellschaft ist nichts statisches und Integration ist ein permanenter Prozess. Dazu gehört auch ein Geschichtsbewusstsein. Und unsere Geschichte sollten wir nochmal aufarbeiten. Und dringendst politische Bildung betreiben. Das meint, Kindern und Jugendlichen zu zeigen was Parteien sind, was Machtstrukturen in der Politik sind, wie Menschen von Machtstrukturen beeinflusst werden können. Nicht um Misstrauen zu schüren. Sondern weil das Verstehen von Verhältnissen und Mechanismen hilft, mit ihnen zu arbeiten und sie besser zu machen.