Vom Thorwald nach Hitzerstadt

Ein verlängertes Himmelfahrt-Wochenende UND schönes Wetter. Gewarnt von den Überlaufberichten des Himmelfahrtstages haben wir eine etwas entlegenere Runde gesucht – und das erfolgreich.

Wieder halb-öko mit dem Auto bis zum Bahnhof Bad-Schandau und dann mit dem Bus weiter. Eine schöne Runde die auch ein wenig auf die kommenden „richtigen“ Höhenmeter vorbereiten soll.

Vom Thorwald nach Hitzerstadt. Mit letzterem gemeint ist Schmilka. Der Pflaumenkuchen ist zwar lecker, die Lobreden auf den Investor laut, die Angebote sehr Bio und ansprechend. Aber es gibt in Schmilka eben auch nicht mehr viel anderes.

Das beste kommt übrigens immer zum Schluss: In der Mühlenbäckerei – wir warteten auf den Rhabarberkuchen, fragte eine junge Dame, ob es „irgendwas Veganes“ gäbe. Nimm Dir einfach nächstens einen Apfel mit, Mädel.

Auswärts

Himmelfahrt und Wandern ist hinsichtlich der Tourenauswahl nicht ganz so einfach. Die Sächsische Schweiz wird da regelmäßig überrollt und Wanderungen sind da eher gefühlt gleichzusetzen einem sonnabendlichen Stadtbummel auf der Prager Straße. Also: Altenberg. Wanderung würde ich es nicht unbedingt nennen, eher ein straffer Spaziergang. Aber kann mal auch mal machen. Nur – Der Lugstein hat nicht mehr viel mit Natur zu tun. Aber wenigstens weiß ich jetzt wieder wo der Startpunkt einer sehr speziellen Skitour zum Mückentürmchen war. Eine Skitour sollte es zumindest werden. Mit drei Kollegen – ein Büroausflug. Vor zwei Jahren. Die Ski aus dem Auto ausgeladen (meine Ski samt Schuhe bestimmt 25 Jahre auf dem Buckel), Schuhe angezogen und im Moment des Einspannens in die Skibindung brachen die Schnäbel der Schuhe ab. Da hatte ich die Wahl zwischen Totalblamage (Warten im Auto oder der Bitte um kompletten Tourabbruch) oder – was ich dann auch tat, das ganze mit Humor zu nehmen und zu laufen (um mich nicht als „Mädchen“ zu erweisen). 11 Kilometer Skifahrern hinterherstapfen. Gefroren habe ich da jedenfalls nicht.

Heute waren es 12 Kilometer in der Sonne.

Kühe und Affen

Eine größere Runde durch die Sächsische Schweiz mit ein paar Höhenmetern und schöner Aussicht.  Mit Auto oder Bahn bis zum Bahnhof Bad Schandau. Dann weiter mit dem Bus in Kirnitzschtal. Ende der Wanderung in St. Hitzeringen- früher hieß der Ort mal Schmilka. Und von da aus mit Bus und  Fähre zurück nach Bad Schandau zum Bahnhof.

Empfehlenswert ist ein früher Start um auf dem Carolafelsen noch einen Sitzplatz für eine Pause zu ergattern. Highlight am Ende der Tour ist Schmilkas neueste Errungenschaft: Das Geländerfragmentarium.

Auf den Spuren des Känguru

oder auch  Die „wer braucht so eine Schwebebahn-Tour“ .  Vorab: es war schon ziemlich ambitioniert, die Schwebebahn zum Füssener Jöchle links liegen zu lassen und den Aufstieg zur Großen Schlicke auf eigenen Beinen zu leisten. Das Blöde ist nämlich, die Planung einer fitness- und kniefreundlichen Wanderung (heißt: Berg selbst hochlaufen, aber runter fahren) unterliegt einer gravierenden Einschränkung. Die letzte Bahn fährt zwischen 16 Uhr und 16.30, noch früh am Tage und so ist man während der Tour unter Umständen nur am auf die Uhr schauen. Wenn dann noch der wochenendliche Stau auf den Bergpfaden hinzukommt, wird es Mist. Das Känguru hätte sich ne Schnapspraline eingeworfen und gemeint: Abfahrtszeiten …  das sind doch bürgerliche Zwänge. Also stellten wir uns gegen das System und es kam also wie es kommen musste und absehbar war, runterwärts auf der Wiese auf dem kürzesten Weg unterhalb der Bahn. Ankunft punktgenau zum Ende der Dämmerung. Fazit: Seilbahnen braucht kein Mensch und Skipisten auch nicht, die sehen den größten Teil des Jahres einfach nur fürchterlich aus. Aber inmitten von Gemsen (deren Anblick man vorher versuchte beweiskräftig mit der Kamera festzuhalten) den Berg runterzulaufen, hatte auch was. Allerdings … dieses Kichern …

Der unterschätzte Berg

ein 2000er , dem man die Höhe gar nicht ansieht, der völlig zu unrecht immer im Schatten des außer bei Schnee und Regen und Eis überfüllten Aggenstein steht und für dessen Besteigung man windfest sein sollte, aber eine wunderschöne Aussicht bietet.

Zum Einstieg: Gimpelhaus, Sabachjoch und Schneetalalm

das Haus, was auf den ersten Blick am Berg klebt, einem Joch, dessen Ausblick durch einen Berg verstellt ist,  und die einzige Alm mit Salat, dem besten Pflaumenkuchen, der am wenigsten verdünnten Johannisbeerschorle, einer singenden Wirtin und einer Bedienung, die im Winter auf Weltreise geht.

Der Faire Berg

Die faire Tour. Ein wenig Ironie muss sein. Gehört aber auch zur Kategorie „zweiter Blick“. Im Oktober blieb der Weg zum Gipfel durchs Eis und frühen Schnee verwehrt. Im Mai war er frei. Ich nenne ihn übrigens den fairen Berg. Der Aggenstein. Nach diesem Berg ist ein Käse bekannt. Manchmal gibts den auch im Kaufland in Dresden.  Ein feinwürziger Käse, aus echter Heumilch, hergestellt von der Käserei Biedermann im Tannheimer Tal. Das Heu für die Kühe welche dann die Milch für den Käse geben, wächst auf den Wiesen im Tannheimer Tal und die Kühe wohnen da auch. Fair trade 3.0 sozusagen.

Und weil die Kühe nur Heu fressen und kein Silofutter – deswegen Heumilch – muss man als ganz besonders vorsichtig sein beim Überqueren der Wiesen. Als Veganer. Die Tiere sind sensibel und erkennen  jeden Nahrungskonkurrenten. Und sie können schon sehr anklagend drein schauen. Ein Futterneider, der die eigene Leistung nicht zu würdigen weiss. Kein Veggi geht da ohne schlechtes Gewissen weg.

Der Aggensteinaufstieg ist übrigens eine sehr schöne Tour.

Nicht ganz einfach, schwindelfrei sollte man sein und halbwegs trittsicher. Aber die größte Gefahr ist nicht die Höhe und die Seilsicherung. Es ist die menschliche Unvernunft. Man ist in den Bergen nicht allein und darauf muss man sich einstellen. Gegenseitige Rücksichtnahme ist da vonnöten. Wie immer im Leben.