„Staatsversagen im Denken“

Gelesen in der Wiener Zeitung:

“Am deutlichsten wird diese Haltung der konsequenten Unentschlossenheit, wenn es um unser Verhältnis zum Staat geht, fungiert er doch als Albtraum und Erlöser in Personalunion. Dieselben Personen, die die Freiheitsrechte des Einzelnen durch Überwachung, überbordende Bürokratie und eine tendenziell übergriffige Politik gefährdet sehen, wenden sich fordernd an eben diesen Staat, wenn es um den Weg zu einem glücklicheren, besseren oder gerechteren Leben geht. Jede dieser beiden Positionen ist, für sich genommen, wenigstens in sich schlüssig; gemeinsam vorgetragen sind sie allerdings aufgrund ihrer logischen Inkompatibilität nur schwer ernstzunehmen.

Der Grund dafür liegt mit großer Wahrscheinlichkeit darin, dass Parteipolitik unser Denken über den Staat bestimmt. Oder anders ausgedrückt: Sind die „Richtigen“ am Ruder, kann der Staat gar nicht mächtig genug sein; befördern die Unwägbarkeiten der Demokratie die „Falschen“ an die Regierung, verwandelt sich dieser eben noch wohlwollende Staat in Windeseile in sein Gegenteil.

Dass dieser Staat und seine Institutionen unabhängig und losgelöst von seinen Parteien gedacht werden muss und nicht umgekehrt die Parteien die Natur des Staats bestimmen, diese Erkenntnis ist in diesem Land nach wie vor ein radikales Minderheitenprogramm. Auch diese ernüchternde Erkenntnis gehört zur demnächst hundertjährigen Bilanz unserer Republik. Wir erleben ein Staatsversagen im politischen Denken.“

http://www.wienerzeitung.at

Ein nachdenkenswerter Artikel. Aber die entscheidende Frage ist: kann ein Staat losgelöst von Parteien gedacht werden? Kann nicht immer jede Form der (De)Regulation missbraucht werden? Nicht zu vergessen: es geht immer um Macht. Oder positiver formuliert: um unterschiedliche Interessen, die es durchzusetzen gilt.

Das im Artikel benannte Problem scheint mir aber kein spezifisch österreichisches. Ich kenne das Thema auch aus Dresden. Sehr konkret.

Auf den Spuren des Känguru

oder auch  Die „wer braucht so eine Schwebebahn-Tour“ .  Vorab: es war schon ziemlich ambitioniert, die Schwebebahn zum Füssener Jöchle links liegen zu lassen und den Aufstieg zur Großen Schlicke auf eigenen Beinen zu leisten. Das Blöde ist nämlich, die Planung einer fitness- und kniefreundlichen Wanderung (heißt: Berg selbst hochlaufen, aber runter fahren) unterliegt einer gravierenden Einschränkung. Die letzte Bahn fährt zwischen 16 Uhr und 16.30, noch früh am Tage und so ist man während der Tour unter Umständen nur am auf die Uhr schauen. Wenn dann noch der wochenendliche Stau auf den Bergpfaden hinzukommt, wird es Mist. Das Känguru hätte sich ne Schnapspraline eingeworfen und gemeint: Abfahrtszeiten …  das sind doch bürgerliche Zwänge. Also stellten wir uns gegen das System und es kam also wie es kommen musste und absehbar war, runterwärts auf der Wiese auf dem kürzesten Weg unterhalb der Bahn. Ankunft punktgenau zum Ende der Dämmerung. Fazit: Seilbahnen braucht kein Mensch und Skipisten auch nicht, die sehen den größten Teil des Jahres einfach nur fürchterlich aus. Aber inmitten von Gemsen (deren Anblick man vorher versuchte beweiskräftig mit der Kamera festzuhalten) den Berg runterzulaufen, hatte auch was. Allerdings … dieses Kichern …

Der unterschätzte Berg

ein 2000er , dem man die Höhe gar nicht ansieht, der völlig zu unrecht immer im Schatten des außer bei Schnee und Regen und Eis überfüllten Aggenstein steht und für dessen Besteigung man windfest sein sollte, aber eine wunderschöne Aussicht bietet.

Zum Einstieg: Gimpelhaus, Sabachjoch und Schneetalalm

das Haus, was auf den ersten Blick am Berg klebt, einem Joch, dessen Ausblick durch einen Berg verstellt ist,  und die einzige Alm mit Salat, dem besten Pflaumenkuchen, der am wenigsten verdünnten Johannisbeerschorle, einer singenden Wirtin und einer Bedienung, die im Winter auf Weltreise geht.

Der Faire Berg

Die faire Tour. Ein wenig Ironie muss sein. Gehört aber auch zur Kategorie „zweiter Blick“. Im Oktober blieb der Weg zum Gipfel durchs Eis und frühen Schnee verwehrt. Im Mai war er frei. Ich nenne ihn übrigens den fairen Berg. Der Aggenstein. Nach diesem Berg ist ein Käse bekannt. Manchmal gibts den auch im Kaufland in Dresden.  Ein feinwürziger Käse, aus echter Heumilch, hergestellt von der Käserei Biedermann im Tannheimer Tal. Das Heu für die Kühe welche dann die Milch für den Käse geben, wächst auf den Wiesen im Tannheimer Tal und die Kühe wohnen da auch. Fair trade 3.0 sozusagen.

Und weil die Kühe nur Heu fressen und kein Silofutter – deswegen Heumilch – muss man als ganz besonders vorsichtig sein beim Überqueren der Wiesen. Als Veganer. Die Tiere sind sensibel und erkennen  jeden Nahrungskonkurrenten. Und sie können schon sehr anklagend drein schauen. Ein Futterneider, der die eigene Leistung nicht zu würdigen weiss. Kein Veggi geht da ohne schlechtes Gewissen weg.

Der Aggensteinaufstieg ist übrigens eine sehr schöne Tour.

Nicht ganz einfach, schwindelfrei sollte man sein und halbwegs trittsicher. Aber die größte Gefahr ist nicht die Höhe und die Seilsicherung. Es ist die menschliche Unvernunft. Man ist in den Bergen nicht allein und darauf muss man sich einstellen. Gegenseitige Rücksichtnahme ist da vonnöten. Wie immer im Leben.

 

Aussichten

Urlaub. Zum zweiten Mal am selben Ort. Ich erinnere mich an ein Gespräch in dem sich mein Gesprächspartner recht abfällig über einen gemeinsamen Kollegen äußerte, weil der mit seiner Familie immer im selben Land und auf dieselbe Weise Urlaub macht. Der Gesprächspartner gehört zu der Kategorie Mensch, die Urlaubsorte sammeln und auf einer Weltkarte dann abhaken. Kann man so machen. Urlaub als Statussymbol, als Sammlerstück, ein Hasten durch die Welt ohne sie wirklich kennen zu lernen. Es kommt allerdings drauf an was Urlaub sein soll. Ablenkung und Flucht vor sich selbst oder eine Chance, wieder zu sich selbst zu finden. Man muss nicht jahrelang an den selben Ort fahren. Aber Urlaubsorte sind Zufluchtsorte wenn der Alltag einen zu überrennen droht. Zufluchtsorte brauchen aber ein wenig Stabilität. Sie bleiben dadurch auch länger erhalten und im Gedächtnis – ohne Souveniers. Und manchmal, manchmal eröffnet diese Stabilitöt völlig neue Perspektiven. Man lernt die Welt nicht kennen wenn man durch sie hindurch hastet.

Ein Beispiel? Gerne. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. (Oktober 2016)

Und hier der zweite Blick. Im Mai 2017.