Ich verwalte, Du verwaltest (oder warum ich froh bin dass Freitag ist)

Ich ahne womit in einer Verwaltung gefühlte 60% an Arbeitszeit(bescheiden geschätzt) eingespart werden könnten. Gefühlte 60% (manchmal auch mehr) an Zeit (und unzählige gerissene Geduldsfäden und verschwendetes Nervengewebe) gehen drauf wenn Aufgabe zu bewältigen, etwas zu tun, ein Problem zu lösen ist, nicht für die Bewältigung, die Tat oder die Lösung – sondern um die Frage wer dafür eigentlich zuständig wäre, etwas nicht getan hat und infolgedessen nun diese Aufgabe, die Frage oder das Problem steht oder welche Vorschrift dagegen spricht.

Und ich frage mich, woher kommt das. Sind es die Arbeitsjahre in einer Verwaltung gepaart mit Frustration weil die eigene Leistung nie wirklich anerkannt wurde (oder man sich nicht anerkannt fühlt)? Ist es profane Faulheit? Angst? Verunsicherung? Oder ein paar Jahre mehr solche Tage wie heute mit der Folge dass man sich irgendwann auch in der Haltung verschanzt, Hauptsache nicht ich.

Optimist oder Realist. Ich war ja mal optimistisch zu glauben, man könne eine Kultur einer Organisation verändern – gezielt verändern. Der Soziologe in mir sagt, Vergiss es. Organisationen haben ein ziemliches Beharrungsvermögen. Und Verwaltungen „leben“ genau von den Fragen, wer ist zuständig, wer hat (möglicherweise) einen Fehler gemacht und welche Vorschrift spricht dagegen. Denn wenn eine dieser Fragen mit Null beantwortet wird, also noch keine Zuständigkeit geregelt, niemand einen (nachweislichen) Fehler gemacht im Sinne eines Verstoßes oder es gibt nichts, was dagegen spricht (und das kann ja nun weißgott nicht sein), jubelt die Verwaltung. Man kann Zuständigkeiten regeln, eine neue Verfahrensvorschrift einführen (damit etwas da ist wogegen eventuell jemand verstoßen haben könnte) oder einen stichhaltigen Grund finden der dagegen spricht.

Ich freue mich auf Montag.

Reden ist …

Heut hab ich beschlossen, es gibt irgendwann mal ein Buch von und über Grußworte. Mit meiner Sammlung gehörter Grussworte selbstverständlich. Zum Hören -und vergleichen – habe ich ziemlich oft die Gelegenheit. Es gibt solche und solche und wie immer im Leben gibt es die Geschichte dahinter und davor oder zwischen den Zeilen.

Deshalb werde ich die auch sortieren. Nach den bewährten Känguru Rubriken geordnet. Witzig und nicht witzig. Und mit Kommentaren zum Hintergrund, der die Sortierung verstehen hilft.

Vielleicht bastle ich ja auch einen Ratgeber für Grußworte. Kam mir heute so in den Sinn. Der enthielte auch eine Warnung vor einem  Zuviel an Selbstlob und Selbstbezug. Das kann ins Auge gehen und eine gegenteilige Wirkung erzielen. Zuallererst steht immer die Frage, zu wem soll gesprochen werden. Ein Grußwort ist kein Selbstgespräch.

Ich musst ja

so abstimmen. So äußerte sich mal eine Stadträtin vor nicht allzu langer Zeit in einer nicht allzu fernen Stadt in einem nicht allzu großen Tale an einem nicht allzu kleinen Fluss. Ein trauriger Versuch der Rechtfertigung. Ich musste ja…. oder du kennst doch die Fraktion/Partei/Kreisverband. Lässt sich beliebig austauschen. Keine Ahnung wie oft ich diesen Satz in verschiedensten Variationen schon gehört habe, hören musste.

Halten wir mal fest: niemand, aber auch niemand ist in diesem Land gezwungen, sich gegen seine Überzeugung zu verhalten oder anders abzustimmen. Niemand in diesem Land ist gezwungen die Klappe zu halten wenn jemand, egal ob Fraktionsmitglied, Parteivorsitzender oder ähnliches ein Verhalten an den Tag legt, was nennen wir es mal problematisch ist. Theoretisch. Praktisch ist es aber so, dass in Parteien und Fraktionen recht machtvolle Mechanismen existieren. Die führen nicht nur zu dem absurd erscheinenden beschriebenen Phänomen, sonder auch dazu dass das Vertrauen in „die Politik“ sinkt.

„Die da oben“ sind übrigens auch ein typisches Feindbild innerhalb der Politik. Für eine Stadtratsfraktion ist das der Kreisverband oder die Landespartei oder die Vorstände. Für einen Ortsverband der Kreisvorstand und ganz manchmal führt die Tatsache, dass aus Angst vor Ansehensverlust oder Machtverlust oder sonstigen Dingen Konflikte ignoriert, umgangen und nicht geklärt werden dazu, dass sich die einen sich um nichts streiten und lächerlich machen und sich bei den anderen eine hässliche Gesinnungsfratze zeigt. Helfen tut das niemanden, es trägt nur dazu bei dass die, die am wenigsten Lösungen und Ideen für eine gute Zikunft haben, weiter erfolgreich  den Rattenfänger von Hameln spielen.

So geht sächsisch. Theater a la Dürrenmatt.

Vor ein paar Jahren hatte ich eine Petition gestartet. Umweltschule erhalten. Es gelang, gemeinsam mit vielen anderen, davon zeugt noch eine kleine Astscheibe, die ich als Dankeschön bekam.

Heute lese ich, sie ist wieder gefährdet weil der Bildungsagentur das Konzept nicht gefällt. Kann ja sein, dass das Konzept einer Schule Verbesserungen nötig hat. Nötige Verbesserungen. Welche Probleme die Bildungsagentur sieht weiß ich nicht, ist mir aber auch ziemlich egal, denn ich lese heute dass der Unterricht an einer Schule mit öffentlichem Träger, da muss das Konzept, weil staatlich, nicht hinterfragt werden, nicht abgesichert werden kann und Eltern einspringen. Ich kenne auch da die Gegebenheiten nicht, aber wenn es so ist, gleicht die sächsische Bildungspolitik momentan einem Stück von Dürrenmatt. In guter Erinnerung ist mir noch das Zitat eines sächsischen MDL: Neulehrer, Verzeihung Quereinsteiger, sorgen für Vielfalt an sächsischen Schulen. Welch tiefgründiges Zitat…

So lange es Sachsen nicht hinbekommt, an allen Schulen den Unterricht so mit ausgebildeten Lehrern abzusichern dass weder Schüler noch Lehrer unter Stress leiden (Lehrer werden nicht ohne Grund lanzeitkrank und da meine Eltern zu den Verschleißobjekten dieses Systems gehören weiß ich wovon ich da rede) ist Kritik oder Zweifel an Konzepten freier Schulen ziemlich unglaubwürdig.

Der Rücktritt von der Landesschulbehörde war nur eine weitere Episode. Wenn im SMK Zeit ist, soviel Polimik sei mir bitte gestattet, sich solche Dinge auszudenken, dann hat Sachsen noch Reserven.  Sicher könnte man aufgrund des Beamtenrechts ein Lehramtspraktikum für die betreffenden Denker im SMK realisieren.

Werden wir wieder seriös. Es passt einfach nicht zusammen. Man kann nicht guten Gewissens ein Schulkonzept für nicht genehmigungsfähig erklären und an anderer Stelle die Unterrichterrichtsversorgung nicht oder nur notdürftig absichern. Anders gesagt: Wenn der Unterricht qualitativ nicht schlechter ist und nicht weniger Lernerfolg garantiert als bei Quereinsteigern, dann darf die NUS weitermachen.  Dass das so ist, davon darf man ausgehen.

Allergien

Sehr oft denke ich über meine Stadt nach. Sehr oft denke ich darüber nach, warum sich die Dinge so entwickelt haben, warum Dresden so viele Gesichter hat – ein paar davon sind verdammt hässlich.  Und frage mich, wie konnte es dazu kommen. Wie konnte es überhaupt zu irgendwas kommen. Und was ist es, was ist irgendwas. Mir sind all die lauten Erklärungen und Zuschreibungen einfach zu einfach. Ich glaube man macht es sich zu einfach. Viel zu oft.

Sachsen ist braun, der Osten tendiert zum rechten Gedankengut … und weiter? Ich glaube die Blindheit auf dem rechten Auge ist weiter verbreitet. Viel weiter. Nicht nur im Osten. Aber es lenkt eben so schön ab. Auch von den Problemen, die man angehen müsste. Das Gesichtsfeld ist viel mehr eingeschränkt als nur rechts. Oder anders gesagt: Es gibt, davon bin ich jedenfalls mittlerweile überzeugt, noch zwei blinde Flecken, die sind aber nicht ganz so einfach zu erkennen und noch weniger zu beseitigen. Der eine blinde Fleck betrifft das Thema Integration. Ein viel gebrauchtes Wort. Integration. Ab wann gibt es sie eigentlich nochmal genau?

Vielleicht liegt eine Ursache, dass es jetzt so ist wie es ist, genau darin, in diesem blinden Fleck.  Vielleicht fehlt uns der verklärungsfreie, ehrliche und vorurteilsfreie Blick auf die eigene Geschichte – und das ist der andere blinde Fleck. In Ost wie in West. Und auf die Zeit nach der Wiedervereinigung. Hat da Integration stattgefunden? Integration wie sie heute verstanden werden will? Ich glaube, da gibt es noch einiges aufzuarbeiten. Und nicht nur mit dem Blick der Politikwissenschaften. Sondern mit dem Blick auf die Sozialgeschichte. Ich habe allerdings meine Zweifel, dass es eine solche Aufarbeitung geben wird, zumindest in absehbarer Zeit. Sie wäre zu unangenehm.

Als politisch aktiver Mensch, der sich lang, vielleicht ein bisschen zu lang für den perfekten Lebenslauf, mit  Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Bildungswissenschaft befasst hat, ist es immer weniger einfach, das Glas herumzudrehen. Weil es eben alles nicht so einfach ist, weil es keine einfachen Lösungen gibt. Aber jeder sie verspricht.

Wenn  Menschen das Gefühl haben,  die eigene Geschichte nimmt, Ihnen nimmt worauf sie stolz waren, oder Menschen das Gefühl haben, es wird ihnen ihre Geschichte genommen, dann können sie gar nicht offen sein für Neues, haben das Vertrauen verloren. Vielleicht fühlt sich ein Teil der Menschen seiner Geschichte oder seines Lebenswerkes oder wie auch immer beraubt, weil alles so „falsch“ gewesen ist.

Oder umsonst.  Menschen sind unterschiedlich. Das ist so und das wissen wir – Differenzierung wird ja in der Bildungspolitik gefordert. Der Einzelne zählt, weil eben jeder Mensch anders ist. Erwachsene übrigens auch. Auch Erwachsene möchten ernstgenommen werden. Wertgeschätzt werden. Auf etwas stolz sein können. Unzufriedenheit, Neid, Konkurrenzdenken, auch diese  Eigenschaften sind – leider – menschlich. Und wenn wir ehrlich wären nutzen wir heute doch auch. Manchmal sind sie sogar gefordert – im Job, manchmal werden sie befördert – weil das die Auflage erhöht. Unlösbare Widersprüche?

Wir sehen immer nur die Extreme. Und nicht das, was darunter ist. Menschenfeindlichkeit – die Feindlichkeit gegenüber Menschen, die nicht meinem Status, meiner Einstellung, meinen Auffassungen, meinen Haltungen entsprechen – die ist viel viel weiter verbreitet als wir das wahrhaben wollen. Sie beginnt mit Missachtung. In der politischen Rhetorik spielt die eine nicht unmaßgebliche Rolle. Und nun?

Gestern las ich: „Eine Allergie gegen moralische Selbstüberhöhung“. Besser hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können. Und eine Pseudo-Allergie gegen einfache Lösungen (weil es die nicht gibt).

 

Wir wollen doch gar nicht alles wissen

was wir vorgeben wissen zu wollen…

Wieso ist das so? Oder wieso ist das immer wieder so? Eine oft gestellte Frage, sehr gern politisches oder das Handeln von Verwaltungen oder das – auch eine gern in Anspruch genommene Verallgemeinerung – von „denen da oben“ betreffend. Die da oben kommt übrigens auch immer auf die Sichtweise an.  „Die da oben“ gibt’s auch für die, die zu „denen da oben“ aus anderer Perspektive gehöre würden. Das schweift aber jetzt ab. Kommen wir später darauf zurück.

Also: warum ist das so? Nehmen wir uns en schönes weil häufiges Beispiel vor. Die öffentliche Hand baut und das wird immer viel teurer. Eine einfache Frage? Mitnichten. Es ist eine sehr komplexe Frage, genauer gesagt ein Fragenkomplex und es ist ziemlich lästig, diesen Komplex auseinanderzunehmen. Lästig auch deshalb, weil unangenehme Fragen dabei sind.  wir uns da stellen müssen.  Nächster Haken: wer stellt die Frage und mit welcher Intention? Nicht immer geht es bei Fragen um die Erweiterung der eigenen Erkenntnis. Manchmal sind Fragen auch Instrumente. Es kommt immer darauf an, wer was wann warum fragt.

Fangen wir aber einmal an, den Fragenkomplex, warum es immer so zu scheint, dass wenn die öffentlich Hand baut, es immer teurer wird, es immer gute Gründe und viele Erklärungen aber nie eine wirkliche (!) Antwort gibt, eine Antwort im Sinne der Vermeidung dieser Phänomene. Darum geht es ja eigentlich Oder?

Fange wir also einmal an, den Fragenkomplex auseinanderzunehmen dergestalt, dass Antworten gegeben werden könnten um diese dann als – nennen wirs mal Handlungsempfehlungen oder Achtungszeichen oder Marker zu nehmen um beim nächsten Mal es besser zu machen und daraus zu lernen. Das ist nämlich ein Dilemma – geht es denn darum aus einer weniger gut gelaufenen Sache darum, daraus zu lernen oder geht es darum jemanden zu finden, der einfach mal schuldig ist? (Vorsicht: Es gibt durchaus auch Fehler oder Fehlentwicklungen verursachendes, mindestens aber beförderndes Verhalten. Die Betreffenden aber empfinden das meist nicht so und fühlen sich zu unrecht kritisiert, hinterfragt und wehren sich mit dem Wechsel in eine Art Opferrolle. )

Um mit dem Auseinandernehmen des Fragenkomplexes zu beginnen, legen wir also los: Wer ist die öffentliche Hand, was baut sie da, wann, für wen und warum genau  und wer hat es entschieden und was wurde wann von wem entschieden und was wird überhaupt teurer und im Vergleich zu was?  Man wird sehen, so einfach ist das alles nicht, vor allem ist es nicht so einfach wie es gern dargestellt wird.  Um es vorab zu nehmen, Mehrkosten bei Bauvorhaben durch die öffentliche Hand sind weder gottgegeben noch ein unvermeidbares Übel unserer Zeit.

Wenn „die öffentliche Hand“ irgendetwas tut, dann tut sie es nicht aus Spaß an der Freude, sondern weil dafür ein „öffentliches Interesse“ besteht. Und nun kommt es darauf an, wer das ist, die „Öffentlichkeit“. Manchmal sind es nämlich Teilöffentlichkeiten und je nachdem wer das gerade ist und wie die politische Wichtung dieser Teilöffentlichkeiten aussieht, sind die Schwierigkeitsgrade, die entsprechenden Entscheidungen herbeizuführen, die nötig sind, damit überhaupt gebaut wird, unterschiedlich. Apropos Interessenslagen: Die Bösen sind grundsätzlich und immer die Finanzer – und zwar in Verwaltung UND Politik. Eigentlich könnten sie dazu eine Solidargemeinschaft gründen, das sind die, die immer nein sagen. Weil – und das wissen sie ganz genau, man jeden Euro nur einmal ausgeben kann, die Verteilungskämpfe aber manchmal recht heftig geführt werden und jeder irgendwie den Eindruck hat, öffentliche Kassen seien ein Fass ohne Boden was einen unerschöpflichen Geldfluss gewährleistet. Und dieser Eindruck oder diese Haltung findet sich eben auch bei denjenigen wieder, die mit öffentlichen  Bauprojekten zu tun haben oder betraut sind. Ist leider ne Tatsache. Da muss der Bauherr (also die Kommune oder das Land oder der Bund, wer auch immer baut) eben nochmal Geld in die Hand nehmen (auch wenn die eigentlich geplante Summe schon weit überschritten ist). Manchmal ist die Selbstverständlichkeit, mit der gefordert wird, das Geld müsse dann einfach da sein, erschreckend.

Es bleibt festzuhalten, einerseits entsteht der Eindruck unerschöpflicher und immerwährend sprudelnder Kassen, andererseits ist nie genug Geld da für (Schulen, Kitas, Fusswege, Spielplätze, Parkbänke und und und) und wenn es ausgegeben wird, wird’s immer teurer. Ein Dilemma. Man könnte nun beginnen das Thema Finanzen und Geldverteilung. Man könnte im Grunde viel viel mehr Fragen stellen was den Umgang mit öffentlichen Geldern angeht. Aber das ist so ein bisschen wie Mond anbellen und nein – daran werden auch Wahlentscheidungen nichts ändern.

Öffentliche Bauprojekte, Schulen, Kitas, Straßen, Brücken, Paläste und andere Werke haben einen Zweck. Einen ganz konkreten, die Nutzung betreffenden. Sie haben aber auch eine Wirkung. Gibt es sie, gibt es sie ausreichend und in gutem Zustand, sind sie ein Symbol für den Wohlstand einer Gemeinde, einer Stadt, einer Kommune, eines Bundeslandes. Nicht erst seit heute, waren sie schon immer – nehmen wir nur mal die alten Ägypter. Kleinere Pyramiden hättens auch getan.

Wenn etwas wichtig ist und von guter Qualität – dann wird es teuer, muss es teuer sein. Viel Geld, hoher Preis = das ist etwas Besonderes, das MUSS einfach gut sein. Stimmt überhaupt nicht, aber so sind wir Menschen nun (manchmal). Und es ist ja auch nicht falsch – Geiz ist Geil ist manchmal schlicht und ergreifend Ausbeutung. Der Preis einer Sache gibt nicht den Wert einer Sache wieder. Eine Binsenweisheit, aber gar nicht so einfach. Der Preis wird aber – um auf das Thema öffentliche Gelder zurückzukommen, gar nicht immer hinterfragt. Im Gegenteil.  Wer nach den Kosten fragt, macht sich erst mal immer irgendwo bei irgendwem unbeliebt. Die Frage ist, bei wem und wie groß ist die Unterstützung, dennoch eine kritische Haltung beizubehalten.  Ein erster Ansatz übrigens.

Bei Bauprojekten reden immer viele Menschen, insbesondere Fachleute mit. Und nicht immer sind es die Nutzer mit ihren (verständlichen) Wünschen. Wer sich ein Haus baut oder gebaut bekommt, vielleicht auch eine ganze Weile darauf warten musste, möchte es schön und gut. Was darunter zu verstehen ist, das ist höchst unterschiedlich. Man kann zum Beispiel trefflich über Schulen philosophieren. Oder über Kulturhäuser und der gleichen. Es reden aber nicht nur die Nutzer mit, ein paar andere Leute auch. Stadtentwickler, Architekten, Denkmalschützer und so weiter. Kann man nicht hier noch und kann man nicht da noch und so wäre es doch besser. Abgesehen von den Themen die ohnehin immer aufploppen, da hat mal eine Firma ein sehr niedriges Gebot abgegeben, man freut sich, die Prognose sieht gut aus, denkt, fein, da kann man dort ein bisschen mehr und am Ende stimmte dieses niedrige Gebot nicht und der Kostenplan knallt auseinander.

Nun, an irgend einer Stelle hatte ich mal was dazu geschrieben, wie gesichert Baukostenprognosen sind, die die Grundlage für Entscheidungen liefern. Und oft genug sind sie nicht so sicher wie man das gern hätte oder hinterher vorgibt es gern gehabt hätten zu wollen. Aber – das ist eben NICHT der einzige Grund, auch nicht die Hauptursache, auch wenn das gern behauptet wird. Natürlich sind Baukosten oder Kostenprognosen IMMER ein politisches Instrument. Aber im Laufe eines Planungs- und Baufortschritts werden Kostenplanungen immer konkreter und es gibt erst sehr spät diesen Point of no return. Jetzt können wir nicht mehr anders oder nicht mehr zurück, das ist tatsächlich kurz vorm Ende. Aber wer sagt, dass etwas zu entscheiden ist, wer entscheidet dann? Es bleibt kompliziert. Viele Beteiligte. Viele Interessenslagen, die alle ihre Berechtigung haben und die zu bedienen sind. Viele Menschen, die lieber ja als nein sagen. Und dann nützen alle Kontrollinstrumente nichts, wenn sie nicht genutzt werden von denen, die die Verantwortung dafür tragen. Projektsteuerung erfordert aber genau das. So wie Ursachenforschung nach Verantwortungen fragen muss, ohne dass es eine Bauernopfersuche ist. Anders geht es nicht, anders bleibt es beim Schema F. Mehrkosten – Aufschrei -Bau fertig – alle freuen sich – Alles gut. Bis zum nächsten Mal.

 

Experten in der Zeitung

„Den Eltern wird eingeredet , dass für ihr Kind auf der Oberschule nicht mehr alle Lebenschancen offen sind . Das ist eine Fehleinschätzung . Dieses Land lebt von Facharbeitern . Der Bedarf wächst auch mit dem wachsenden Dienstleistungsbereich . Ein Oberschulabschluss ist nichts , womit man gesellschaftlich absteigt . Es bleiben alle Wege offen , auch der Übergang zur Universität.“

Dieses Zitat aus einem Interview mit einer Stadträtin ist ein solches Sammelsurium an Unfug, der sich auch noch widerspricht und deshalb auseinandergenommen gehört. Im betreffenden Artikel steht davon noch mehr, aber ich belasse es erstmal dabei.

Lebenschancen

Es geht los mit „den Eltern wird eingeredet“. Warum das Passiv? Wer redet den Eltern ein und warum und sind Eltern so dämlich, dass sie sich überhaupt etwas einreden lassen würden? Und vor allem, warum sollte irgendwer den Eltern einreden (was ja in diesem Artikel etwas schlechtes zu sein scheint) dass das Beste fürs Kind nun einmal das Gymnasium ist. Reaktionäre Versuche der Volksbeeinflussung? Ganz bestimmt und morgen kommt der Weihnachtsmann, sagte mir gerade der Osterhase. Es wird also den Eltern eingeredet, an der Oberschule stünden den Kindern nicht mehr alle Lebenschancen offen. Liebe Expertin, keinem! Menschen! stehen jemals alle Lebenschancen offen. Leider ist Ullrich Beck verstorben und kann darauf nicht mehr antworten, so empfehle ich die Kenntnisse der Individualisierungsthese von Herrn Beck wieder aufzufrischen. Sollte man als Experte der Bildung ab und an.

Für Nichtexperten ganz verkürzt: Individualisierung ist die Herauslösung der Biographie des Einzelnen aus den früher sehr bestimmtenden sozialen Strukturen. Man blieb wo man geboren war, erlernte den Beruf des Vaters. Mobilität gab es früher eher selten, nicht lokal und nicht sozial. Heute kann theoretisch jeder (fast ) überall hin, auch sozial sind Aufstiege und Abstiege möglich, die so früher fast ausgeschlossen waren. Das ist etwas gutes. Klingt super, Jedem stehen alle Lebenschancen offen. Der Mensch ist der Gestalter seiner eigenen Biografie.

Ganz langsam lesen. Der Mensch. ist Gestalter. seiner eigenen Biografie. Das Aber dabei: er trägt damit aber auch alle Risiken. Das heißt, wer es nicht schafft, seine Lebenschancen zu nutzen, ist selbst schuld. Was heißt überhaupt Lebenschancen nutzen? Was versteht die Gesellschaft darunter, die Gesellschaft, die wachstumsgeprägt ist, in der das Mehr, das Wachsen, der Aufstieg zählt? Ein ziemlicher Druck also, oder?  Lebenschancen nutzen. Nichts anderes tun Eltern, die ihr Kind aufs Gymnasium schicken.  Kommen wir nochmal zum Vorwurf des Einredens, gegen wen auch immer er gerichtet ist. Ein Eigentor, so scheint es, dreht sich in der Bildungspolitik immer alles um Bildung als Schlüssel zur Zukunft, zu sozialem Aufstieg, zu Lebenschancen. Und dreht es sich doch immer irgendwie darum, dass alle Kinder barrierefrei aufs Gymnasium gehen können dürfen sollen. Kampf um Zugang zur Mittel- oder besser gesagt Oberschule? Wenn das Gymnasium denn doch nicht der richtige Weg ist? Fehlanzeige.

Bleiben wir aber einmal bei den Lebenschancen. Zwar kann die theoretisch jeder nutzen, aber ihre Anzahl hat sich nicht erhöht. Genauer gesagt die Türen zum Aufstieg sind nicht mehr geworden oder anders ausgedrückt: die Relationen sozialer Ungleicheit sind gleich geblieben. Nennt man auch Fahrstuhleffekt. Insgesamt sind die Lebensbedingungen verbessert, aber die Ungleichheiten sind noch immer da, nur einige Ebenen höher.

Jedem stehen alle Lebenschancen offen. Und damit steht jeder mit jedem um diese Lebenschancen – eben weil sie begrenzt sind, im Wettbewerb. Wer es nicht schafft, hat seine Chancen nicht genutzt. Zynismus? Ja. Natürlich.

Dieses Land lebt von …

Wir nähern uns der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Dieses Land lebt von Facharbeitern und braucht Dienstleister. Es kann nicht nur Wissenschaftler, Führungskräfte und Spitzenpolitiker geben. Welch eine Binsenweisheit. Im Übrigen ist dies auch die Ursache dafür, dass die Lebenschancen (was auch immer man darunter versteht) nicht unendlich sind sondern begrenzt. Eine differenzierte Gesellschaft braucht tatsächlich Dienstleister, Facharbeiter und Wissenschaftler. Letztere aber nicht in der Überzahl. Ist so. Und Schule hat die wichtige und leidige Funktion der Zuteilung. Oder Allokation. Ein ziemlich blöder Job. Denn gleichzeitig soll Schule ja helfen, Lebenschancen zu eröffnen und zu nutzen. Blöd dabei ist natürlich, wenn das Land zwar von Facharbeitern lebt und Dienstleister braucht, diese aber kaum oder nur eingeschränkt davon leben können.  Ein Wunder ist es nicht dass Eltern versuchen ihr Kind möglichst aufs Gymnasium zu schicken.  Und jeder Versuch, die Mittel- oder Oberschule aufzuwerten, war bisher doch nur halbherzig und unglaubwürdig.

Es bleiben alle Wege offen

auch der zur Universität. Warum denn das auf einmal? Kommt man mit dem Oberschulabschluss doch nicht so weit? Ist der Weg zur Uni also doch der Beste? Und nicht der Facharbeiterabschluss und dann auch die Ausübung des Berufes, den Deutschland zum leben braucht, oder ein Berufsleben als Dienstleister.

Zu guter Letzt noch die Frage des Abstiegs. Ganz sicher ist die Oberschule kein sozialer Abstieg. Nur wenn man die Einrichtung eines Gymnasiums in einem Stadtteil, der mit sozialem Abstieg gleich gesetzt wird, fordert und argumentiert, dass durch die Einrichtung des Gymnasiums sich in diesem Stadtteil irgend etwas verbessert, hat ein Problem mit der Logik.

Mir scheint, das ist ein typisches Politwahlkampfsprechzitat. Und darüber rege ich mich auf. Immer noch.

 

Widersprüche oder Zusammenhänge

Kürzlich gesehen in einem Ostseebad. Ein Urlaubsort, in dem zumindest in der Hochsaison Bäcker gut zu tun haben. Und ich meine nicht nur die Handwerksbäcker (die selten genug sind). Eine Bäckereifiliale muss schließen, weil man keine Verkäuferin fand. Nachwuchsmangel, Fachkräftemangel? Der Ruf tönt schon eine ganze Weile seit geraumer Zeit. Mich hätte ja interessiert, was der Arbeitsplatz den für Konditionen beinhaltete. Mindestlohn und 20 Stunden die Woche? Oder eine geringfügige Beschäftigung? Der Arbeitsplatz ist das eine. Den Lebensunterhalt davon bestreiten zu können UND davon leben (!) zu können ist das andere. Wir reden da natürlich über den Lohn. Wir reden aber auch über die Rahmenbedingungen am Lebensort. Wenn dieser eine Tourismushochburg ist, mögen die Bedingungen für Touristen sicher ideal sein. Für Einwohner sind sie es nicht immer. Wenn nur hochwertige und exklusive Ferienwohnungen gebaut werden, wenn  Einkaufsmöglichkeiten hauptsächlich tourismusorientiert sind, wenn am Lebensort kein Platz mehr ist. Nicht umsonst beginnen viele Regionen, über einen sanfteren Tourismus nachzudenken. Barcelona, Venedig, Alpendörfer. Zurück zum Bäcker. Mindestlohn, Arbeitszeit von 4:30 – 12:00 und ein weiter Arbeitsweg mit dem Bus. Wer greift da gerne zu?

Szenenwechsel.

Presseartikel über fehlenden Nachwuchs in Ausbildungsberufen, die im Dienstleistungssektor oder im Handwerk angesiedelt sind. Für die man nicht unbedingt ein Studium braucht. Deren Verdienstobergrenzen schnell erreicht sind. Schnell kommt der Ruf aus der Politik, da müssten sich die Arbeitgeber etwas einfallen lassen. Solche Rufe kommen gern und schnell aus der Politik, sind nur sinnfrei, weil Fordern eine der leichtesten Übungen ist, so man sich um das Umsetzen der Forderungen keine Platte machen muss.

Politik. Schönes Stichwort. Bildungspolitik. Noch besser. Was ist den heute ein guter Bildungspolitiker. Als guter Bildungspolitiker verspricht man Chancengleichheit. Förderung für alle. Jeder kann gewissermaßen alles erreichen und mit einem entsprechenden Bildungssystem ist das auch möglich. Nun ist aber eine Gesellschaft ein ziemlich komplexes Ding. Stellen wir uns mal vor, alle würden studieren wollen, Informatiker werden. Oder Biologe. Oder Geschäftsführer. Wer stellt dann die Gerätschaften für die Labore her? Führt den Kalender des Geschäftsführers (und regelt seine sonstigen Angelegenheiten, ohne Assistenten sind Geschäftsführer meistens recht hilflos)? Wer putzt Labore und Schreibtische? Auch diese Aufgaben gibt es in einer Gesellschaft und wir sind darauf angewiesen, dass „jemand“ diese erfüllt. Besonders die, die keiner sieht (Putzen, Reparieren, anderen den Dreck wegräumen, pflegen, helfen) oder die, die man richtig sieht (Haarpracht, ordentliche Dächer). Leider leider haben Schulen eine Allokationsfunktion. Darunter versteht man die „Chancenzuteilungsfunktion“. Eine ziemlich miese Rolle. Sie muss die unangenehme Aufgabe erledigen, die unrealistischen Bilder, die Bildungspolitik malt, zu entzaubern. Was ist nun schlimm daran, wenn jemand nicht studiert und mit Herzblut Friseur, Bäcker, Fleischer, Reinigungskraft, Hotelfachfrau wird? Erst Mal nichts. Das Tragische ist, dass wir diese Berufe brauchen, das Renommee oder Prestige aber ein ziemlich mieses ist. Das fängt bei der Bezahlung an. Was ist Arbeit wert? Dazu zählt im Übrigen auch geistige Arbeit. Vergessen wir gerne mal. Es geht aber nicht immer nur ums Geld. Mir sagte mal eine Projektleiterin einer Baufirma : “ Wir Projektleiter sind es doch, die die Aufträge akquirieren, die den Bestand des Unternehmens sichern, das Geld verdienen.“ Die Projektmitarbeiter, Assistenten, Sekretäre, Hausmeister und so weiter also nicht. Der Witz bei dieser Aussage war zudem, es handelt sich um eine städtische GmbH. Nun gut. Wertschätzung? In selbiger Firma berichtete mir ein Hausmeister, es gäbe Kollegen höherer Hierarchiestufen, die würden nie zuerst grüßen. Wertschätzung! Kleinigkeiten im Alltag, Großigkeiten auf gesellschaftlicher Ebene. Wer verübelt es Jugendlichen, wenn  sie den Versprechungen folgen und den Bildern, die unsere auf Perfektion ausgerichtete Gesellschaft malt? Zum Job geht man frisch frisiert mit gebügeltem Hemd, morgens im Sonnenschein nach ausgiebigem Frühstück ins Büro. Hat studiert, ist Führungskraft. Oder wenigstens Fachkraft.  Die Jugendlichen zu verurteilen, ihnen mangelnden Leistungswillen zu unterstellen ist pure Ignoranz. (Übrigens … Bäcker und Fleischer sind in Zeiten des kohlehydratfreien veganen Antilaktoseismus auch einfach nicht mehr „in“.)

Apropos Wertschätzung: Wie halten wir es denn so mit den Schulen? Den Lehrern? Da schließt sich der Kreis zur Bildungspolitik. Wer Schulen permanent als rückständig und unbeweglich hinstellt, Lehrer zu den Trotteln der Nation macht, muss sich nicht wundern, wenn die Motivation den Bach runter geht. Abgesehen davon ist die Darstellung falsch. Es glaubt nur zunehmend jeder, mitreden zu können und zu wissen was gute Schule und gute Bildung ist. In der aktuellen Debatte geht es aber bei genauem Hinsehen gar nicht mehr um Wissen und Bildung. Sondern es wird Politik auf Schule projiziert. Als ob Schule ein Raumschiff wäre, losgelöst von gesellschaftlicher Realität. Mein Lieblingsthema ist Inklusion. Ich frage rhethorisch: Wie sieht ein Spielplatz aus, der barrierefrei, sicher, interkulturell ist, aber noch seinen eigentlichen Zweck erfüllt, körperliche Bewegung, die Entwicklung des Körpergefühls zu fördern und Physik am eigenen Leib zu erleben?

Es fällt schwer, als Bildungswissenschaftler und ehemaliger Bildungspolitiker ruhig zu bleiben. Ganz besonders dann, wenn Schulen und Lehrer als unbeweglich und nicht lernfähig hingestellt werden. Von Wissenschaftlern. Organisationen übrigens reagieren per se nicht immer ganz schnell. Das hat auch sein gutes. Großes Schiff und kleines Schiff. Das Große Schiff braucht länger zur Kursänderung. Wird aber auch nicht gleich von jeder Welle umgeworfen.