Kommonstrieren oder Demmunizieren.

Stellen Sie sich eine Dame mittleren Alters auf dem Altmarkt vor, die da ruft: „Ich hoffe, dass mein Mann das Paket von der Post holt, welches DHL nicht beim Nachbarn abgegeben hat.“

Stellen Sie sich vor, sie stehen morgens an der Haltestelle und an einer der noch verbliebenen Litfassäulen klebt ein Plakat, auf dem handschriftlich steht: Bitte aus dem Aldi mitbringen: Milch, Butter, Öl, Joghurt (fettarm) und eine Packung Dominosteine und die Gummistiefel aus der Werbung.

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen guten Bekannten und sehen, wie er,  sagen wir mal auf der Prager Straße stehend, sich über sie beschwert. Bei allen, die ihm zuhören wollen – und auch bei denen, die nicht zuhören wollen.

Klingt das alles absurd? Gelebte Praxis demonstrativer Kommunikation zum Zwecke der Generierung von Aufmerksamkeits- und Zustimmungswerten im politischen Raum.

Beispiele?

  • Pressemitteilung: Fraktionschef XY fordert den Oberbürgermeister auf ..
  • Pressemitteilung: XY erwartet von ZV dass künftig …
  • Facebook

Irgendwann mal lasse ich mir dafür eine schön wissenschaftlich klingende Definition einfallen.

Politische Bildung. Gefordert als Heilmittel gegen gesellschaftliche Verwerfungen unserer Zeit. Aber worüber reden wir?

Wikipedia sagt: „Ihr Ziel ist, Zusammenhänge im politischen Geschehen zu erkennen, Toleranz und Kritikfähigkeit zu vermitteln und zu stärken, damit zur Herausbildung und Weiterentwicklung von aktiver Bürgerschaft, gesellschaftlicher Partizipation und politischer Beteiligung beizutragen.“

Das BMI sagt: Die Politische Bildung hat folgende Ziele:

  • Sie soll Bürgerinnen und Bürgern Wissen und Kompetenzen vermitteln, mit denen sie sich ein eigenes Urteil bilden und selbstbestimmt Entscheidungen fällen können.
  • Sie soll Bürgerinnen und Bürger dazu befähigen, die eigene Situation zu reflektieren, Selbstverantwortung und Verantwortlichkeit für die Gesellschaft zu erkennen, zu übernehmen und gestaltend auf Prozesse einzuwirken.

Soweit so gut. Was aber heißt es konkret. Analysieren wir mal den Bildungsbedarf.

– Wissen
– Kompetenzen
– Erkennen von Zusammenhängen
– Urteilsfähigkeit
– Entscheidungsfähigkeit
– Reflektionsfähigkeit
– Kritikfähigkeit
– Toleranz
– Gemeinsinn
– Verantwortungsgefühl
– Eigenverantwortung
– Gestaltungswillen
– Gemeinsinn

Das meiste davon sind soziale Kompetenzen. Kompetenzen, die immer zum Tragen kommen – oder eben auch nicht.  Eine Frage der – Verzeihung für dieses altertümlich-konservative Wort – Erziehung.
Wissenserwerb über gesellschaftliche Zusammenhänge. Da reden wir über Mechanismen von Macht, da reden wir über das, was Parteien ausmacht und was nicht, da reden wir über Medienwirkung, über Psychologie.  Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, die eine eigene Urteilsfähigkeit erlauben – das heißt: Aufklärung. Die Entzauberung der Welt. Das bedeutet, aufzuzeigen, wie Machtstrukturen, Machterreichung und Machterhalt in der Politik funktionieren. Sichtbar zu machen wie viel Macht jemand hat – oder nicht hat. Zu beleuchten, wie politische Rhethorik funktioniert. Und wie man Massen begeistert und mobilisiert. Warum sich erwachsene Parteimitglieder manchmal verhalten wie Groupies im Teenageralter. Das bedeutet aufzuzeigen, wie realistisch solche Schlagworte wie Chancengerechtigkeit in der bestehenden Gesellschaft sind. Dass sich durch die steigende Anzahl von Abitur- oder Hochschulabschlüssen nicht das Verhältnis zwischen gut und weniger gut bezahlten Arbeitsplätze ändert. Welche Abhängigkeiten und Zusammenhänge in einer globalisierten Welt bestehen. Und dass es nicht eine imaginäre ungebildete Unterschicht ist, die der politischen Bildung bedarf, im Gegenteil.

Politisierte Bildung ist unbequem.  Es könnte sein, dass es nicht mehr so einfach ist, Feindbilder aufzubauen. Es könnte sein, dass viel mehr Privilegien hinterfragt werden, es könnte sein, dass es nicht mehr so einfach ist, einen Schuldigen für Unzufriedenheit zu finden – und nicht mehr so einfach ist, auf irgendeinen Entscheidungsträger einzuprügeln – weil deutlich wurde dass die gewünschten Entscheidungen gar nicht vom vermeintlichen Träger getroffen werden können. Es könnte sein, dass einiges durcheinander gerät. Auch das eigene Weltbild.

 

Blödes Facebook

Ich musste heute morgen ein wenig schmunzeln. Die Abwesenheit innerparteilicher Demokratie wird beklagt. Da beschwert sich die Sachsen-CDU über die Bundes-CDU. Parteitag zur Wahlauswertung abgesagt. Verschoben. Das ist schon fast Realsatire. Am Tag des Erscheinens des Sachsen-Monitor

Nicht dass die Kritik nicht verständlich wäre. Allerdings – öffentlich geäußerte Kritik ohne direkten Ansprechpartner hat einen anderen Zweck. Da geht’s um Zuspruch und Zustimmung.  Man könnte es auch für ein strategisch kluges Ablenkungsmanöver halten, der Aufbau eines gemeinsamen Feindbildes und die Stilisierung einer Opferrolle bringt schon mal Zustimmung und Solidarität. Und lenkt so schön ab. Wie wäre es aber damit, mal vor der eigenen Haustüre zu kehren? Was ist mit der politischen Stimmungslage in Sachsen? Was ist mit der Stimmungslage der Bevölkerung, den Fragen, die in Sachsen nicht geklärt sind? Lehrermangel. Ausbluten der Region. Zukunftsängste. Das Ergebnis der Bundestagswahl hat auch etwas mit der sächsischen CDU zu tun. Der vorwurfsvolle Blick nach Berlin hilft da nicht.

Stellen wir uns mal vor, ein Mitglied einer nicht kleinen Dresdner Stadtratsfraktion würde sich auf den Altmarkt stellen und lauthals beklagen, dass der Finanzminister den vom Ministerpräsidenten extra zum Zwecke der Behebung ursächlich auch in der Finanzierung bedingten Probleme des sächsischen Bildungssystems ernannten Kultusminister nicht unterstützt. Sowas ähnliches hat es mal gegeben. Kam damals nicht gut an. Wäre aber wenigstens inhaltlich begründet und konkret.

The Others

Nein, nicht der Film mit Nicole Kidman – obwohl er schon etwas mit dem Thema zu tun hat. Geht es doch um eine Mutter mit ihren beiden Kindern, die, in einer Villa irgendwo im englischen Nichts wohnend – sich auf einmal von bösen Geistern umgeben sieht. Nichts davon ahnend, dass sie selbst einer ist. Ein Geist.

Die Anderen und ich.  Ich bin ich und nicht die Anderen. Das lernt ein Kind sehr früh und das ist auch etwas völlig normales und lebensnotwendiges. Selbs-Bewusstsein hat etwas damit zu tun, sich selbst als etwas und jemanden in der Unterscheidung von der Umwelt und von eben „den anderen“ zu erkennen. ABER: noch bevor sich ein Kind sich selbst bewusst wird, ist es schon jemand. Merkmale machen uns für „die Anderen“ auch zu „Jemandem“.  Blaues Bändchen, rotes Bändchen. Hautfarbe. Aussehen. Eltern.  Fanschal. Herkunft. Religion. Politische Überzeugung.

Othering – die anderen sind nicht wie wir – und deshalb machen oder denken sie falsch, sind weniger wert, blöd, müssen bekämpft werden. Der Begriff steht im engen Zusammenhang mit Forschung zu Rassismus und Gruppenbezogener Fremdenfeindlichkeit. Und ich frage mich manchmal, ob wir nicht viel weiter „unten“ anfangen sollten wenn wir über gesellschaftlichen  Zusammenhalt reden.  Und dabei auch einmal das eine oder andere Tabu brechen. Neuordnung bringt immer erst einmal Unordnung mit sich. Auch im Denken, aber ich glaube, das ist notwendig,. Schauen wir mal nach Dresden: Wenn die einen Dresdner über die anderen Dresdner reden. Es gibt viele Linien in dieser Stadt die als Cathegory of Othering dienen können. Brücke. Fußball. Bienen. Architektur. Die Höhe des Wohnortes über dem Meeresspiegel (innerstädtisch liegen Welten dazwischen). Oder auch Bildungsgrad. Auch Eliten sind nicht frei von diesen Dingen. Othering ist kein Privileg einer imaginären Unterschicht, nicht das Merkmal der ungebildeten, im Gegenteil. Das Herabblicken auf Andere grundsätzlich. Sich für Besser halten weil … Das ist Othering. Leider ist dass dem Menschen so verinnerlicht, dass er sich gar nicht bewusst ist, auf andere herabzublicken (oder andere gar nicht erst wahrzunehmen.) Ich habe meine Zweifel dass es jemals gelingt, daran etwas grundlegend zu ändern. Denn schon in der Überzeugung, etwas richtig zu machen liegt die Gefahr – denn „die Anderen“ – die machen ja was falsch.

 

Verzeihung. Ich habe mich verwählt.

Sorry für den Aufwand. Wir hatten gedacht, Sie sind aufs Regieren vorbereitet. Wir hatten gedacht, Ihr Ziel sei das Regieren. Wir dachten, Sie wüssten, dass Kompromisse zur Politik gehören. Wir dachten, Sie wüssten, dass wir wissen, dass Wahlprogramme nie vollumfänglich umgesetzt werden können und Kompromisse notwendig sind. Wir wussten nicht, dass wir strategisch wählen sollten. Sonst hätten wir um eine Verlängerung der Beratungsfrist gebeten mit unseren Mitwählern. Wir wussten nicht, dass Sie von uns eine Koalitionswahl erwartet haben. Wir waren so einfältig, die Partei zu wählen von der wir glauben, dass sie für dieses Land Verantwortung übernehmen soll und in der Lage ist. Wir dachten, Sie nähmen uns ernst. Und sich selber und unsere Demokratie auch.  Wir haben nicht vorausgesehen, dass Sie auf andere Mehrheiten nicht vorbereitet waren. Wir haben uns verwählt. Sorry für die Umstände. Wir werden uns beim nächsten Mal zusammenreissen und Ihnen gern das richtige Wahlergebnis liefern. Wenn Sie uns bitte vorher sagen, welches!

Ironie aus. Mittlerweile ist man ja fast geneigt, auf Neuwahlen zu hoffen in Vorfreude auf die – entschuldigung – dämlichen Gesichter hinterher wenn sich heraustellt, das Ergebnis ist nicht viel anders. Und das wird wohl so sein. Spinnen wir doch mal, es gäbe eine Neuwahl. Da hilft der Blick aufs Wahlergebnis von September:

Wahlbeteiligung von 76,2 Prozent (2013: 71,5 Prozent)

CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,8 % (2013: 34,1 %)
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 20,5 % (2013: 25,7 %)
AfD Alternative für Deutschland 12,6 % (2013: 4,7 %)
FDP Freie Demokratische Partei 10,7 % (2013: 4,8 %)
DIE LINKE DIE LINKE 9,2 % (2013: 8,6 %)
GRÜNE BÜNDNIS 90/GRÜNE 8,9 % (2013: 8,4 %)
CSU Christlich-Soziale Union in Bayern e.V 6,2 % (2013: 7,4 %)
Sonstige 5,0 % (2013: 6,2 %)

An der fehlenden Wahlbeteiligung lag es also erst einmal nicht. Um zur Wahl zu gehen, braucht es eine Motivation. Die war offenbar da. Die Gewählten einigen sich nicht, der Wähler muss nochmal ran. Signal an Wähler: „Es lag an Euch.“ Da fragt sich vielleicht ein Teil der Wähler: Nochmal? Wozu? Man kann sicherlich mal recherchieren wie die Beteiligung bei Neuwahlen oder zweiten Wahlgängen so in der Regel ist.

Die kurze Zeit für Neuwahlen lässt weder Zeit für neue Wahl- oder Parteiprogramme (größere Änderungen würde sowieso keiner glauben) oder langwierige Kandidatensuchen und -aufstellungen.. Es ändern sich also werder Inhalte noch Personen. Kein Anlass, die Wahlentscheidung, die man im September getroffen hat als Wähler dieser Parteien, ein paar Wochen später anders zu treffen.

These 1: Die Wahlbeteiligung geht runter.

Ein schlechteres Wahlergebnis im Vergleich zu 2013 hatte die SPD und die CDU. Interpretiert mit „Groko abgewählt, Wähler will andere Mehrheiten.“ Nun, die sind da, genützt hat es nichts. Zwar hat die FDP hinzu gewonnen – aber auch mit einem Wahlkampf der die „Macherpartei“ verkauft hat. Nicht die Ideologen. Und nun sagt die FDP: Uns sind Überzeugungen wichtig. Das wird vielleicht beim einen oder anderen Wechswähler die Frage aufwerfen, wähle ich die FDP nochmal? Oder zeigen sie sich solidarisch und gehen zurück zu Grünen und CDU und SPD.

These 2: Verlierer bei einer Neuwahl ist die FDP

Die anderen Verhandlungspartner haben sich auch bewegt. Und das in Größenordnungen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Erfolgsfall Einigung für Nachfragen und Ärger auf Mitgliederversammlungen gesorgt hätten. Darauf schaut keiner mehr, es werden sich die Reihen schließen. Bei SPD; Grünen und der CDU (und hier wird vielleicht sogar der eine oder andere Streit begraben).

These 3: CDU, SPD und Grüne werden gewinnen (allerdings nicht so dass es neue „klare“ Mehrheiten gibt. Auch nicht für RRG.

These 4: Die Linke hat ihre Wählerschaft, mehr kann sie nicht mobilisieren, Protestwähler hat sie schon verloren, dazu werden auch die offen ausgetragenen innerparteilichen Querelen und Richtungsstreits beitragen.

Und die AFD? Da neige ich fast zu einer ganz gewagten These, für die es sich fast richtig lohnt, auf Neuwahlen zu hoffen. Die Wählerschaft der AFD setzt sich zusammen aus „Überzeugungstätern“ und aus Unzufriedenen und Protestwählern, die es „denen da oben“ endlich mal zeigen wollen. Nun hat die AFD insbesondere im Osten bewiesen, wie sehr sie ganz genau die Machtspielchen spielt, die sie anderen vorwirft. Eine Frauke Petry zieht nicht mehr. In Dresden werden die Direktwahlkreise nicht mehr so knapp ausgehen.

Was wäre wenn die AFD Protestwähler verliert und nur noch der rechte harte Wählerkern verbleibt? Wäre dann der Osten immer noch blauer?

Es bleibt spannend. Und – sorry für die Umstände. Ein Wähler.

Spannende Zeiten …

Abbruch der Verhandlungen. Das Statement ist lang und ausführlich, der Kern des Pudels liegt wohl in den folgenden Sätzen: „Es hat sich gezeigt, dass die vier Gesprächspartner keine gemeinsame Vorstellung von der Modernisierung unseres Landes und vor allen Dingen keine gemeinsame Vertrauensbasis entwickeln konnten. Eine Vertrauensbasis und eine gemeinsam geteilte Idee, sie wären aber die Voraussetzung für stabiles Regieren. “ http://www.spiegel.de/politik/deutschland/christian-lindner-zum-ende-der-jamaika-verhandlungen-erklaerung-im-wortlaut-a-1179251.html

  • keine gemeinsame Vorstellung
  • keine Vertrauensbasis

Das trifft wohl nicht nur auf die verhinderten Koalitonäre zu sondern ist symptomatisch für Deutsche Zustände 2017. Es gibt kein Vertrauen mehr und es gibt keine gemeinsame Vorstellung davon, wie dieses unser Land aussehen soll. Wir können darauf warten auf inflationäre Kommentierungen und Schuldzuweisungen. Es wird sich alles auf die FDP einschießen. Es lenkt aber ab von Grundproblem. Die Verhandlungen waren begleitet oder dominiert von ganz anderen Themen, die nichts mit der Entwicklung einer gemeinsamen Vorstellung zu tun hatten sondern eher mit innerparteilichen Machtkämpfen. Und natürlich stehen – das ist vielleicht ein Unterschied zu früheren Verhandlungen – die Verhandler unter einem stärkeren Erwartungsdruck der Parteibasis. Irgendwann müssen sich Verhandler auch gegenseitig die Frage gefallen lassen, wie viel Wert hat Dein Wort eigenlich – wenn zum Beispiel öffentlich dann eine gerade geäußerte Option wieder verrissen wird.

Sei es drum. Ein schwarzer Montag. Weiter bringt das nicht und ich verstehe weder die FDPler, die jetzt in Jubel ausbrechen noch verstehe ich eine Frau Kipping, die nichts anderes zu tun hat als nächtens das Ende der Merkel-Ära zu prophezeien. Irgendwas hat die Katja da nicht verstanden. Es gibt nämlich keine „schweigende linke Mehrheit“ in diesem Land. Mag sein dass sie meint, ein Großteil der CDU-Wähler hat wegen Frau Merkel das Kreuz da gesetzt. Kann gut sein, aber die werden kaum  – spielen wir mal gedanklich das Szenario durch, Frau Merkel tritt ab – bei der nächsten Wahl die Linke wählen. Ein bisschen Sozialpsychologie und weniger Ideologie ist hilfreich. Und ein wenig Logik. Warum? Ganz einfach:

1. Die Wahlbeteiligung war hoch.

2. haben wir nun gehört, die Positionen schon innerhalb Jamaika zu weit auseinander für Kompromisse

Man kann davon ausgehen, dass die Linke noch weiter weg ist von diesen Inhalten. Wieso also sollten Wähler nun auf einmal so viel anders wählen? Es ist ja nun  nicht so, dass in der Wahlkabine ein Farbenwürfel liegt, die Wähler wählen ja die Inhalte! (Oder?)

Neuwahlen. So schnell geht das nicht und wie schon einmal die Frage wieder: Was, glauben die Neuwahl-Forderer – sollen Neuwahlen bringen?  Es müssten sich doch die Mehrheiten merklich ändern. Dass es da Hoffnungen gibt ist zwar vorstellbar, aber wie realistisch sind sie denn? Wenn die Sondierungen etwas gebracht haben, dann einen neuerlichen Vertrauensverlust. Warum soll der Wähler noch wählen gehen? Glaubt ernsthaft jemand, dass bei der doch hohen Wahlbeteiligung eine größere Wählerwanderung stattfindet und wenn ja woher und wohin? Oder das Nichtwähler auf einmal zur Urne schreiten? Die, die bisher von keiner der Parteien erreicht wurden? Das ist naiv. Und unsinnig, „Angst vor Neuwahlen“ denjenigen vorzuwerfen, die den Abbruch der Sondierungen kritisieren, wie Frau Beer es tut.

Am weitesten scheinen sich die Grünen bewegt zu haben. Und vermutlich werden – da ja die FDP sich aus dem Spiel ausgeklinkt hat, die Mitglieder ihnen das goutieren und die Aufregung über „atmende Deckel“ vergessen. Die SPD steckt noch voll in  der Selbstfindungstherapie. Die Linke hat den Streit der Königinnen noch nicht beendet. Und die CDU-CSU? Es passieren so viele schräge Sachen in letzter Zeit, vielleicht stellen sie ja Herrn Söder als Kanzlerkandidaten auf. Dann übernimmt Frau Aigner Bayern. An Wahlergebnissen aber dürfte es kaum etwas ändern.

 

So rassistisch und sexistisch äußern sich Profs an deutschen Unis

So rassistisch und sexistisch äußern sich Profs an deutschen Unis

Aufschrei. Aufschrei? Woher kommt eigentlich der Glaube, die Überzeugung, Erwartung, Hoffnung, dass Professoren an Universitäten anders sind als der Rest der Welt? Wer glaubt, dass Bildungsnähe, wirtschaftliche Absicherung, die Ermangelung von Existenzängsten aufgrund eines ziemlich komfortablen sozialen Status die Menschen „besser“ macht – der hat irgendwas nicht ganz verstanden. Und Heitmeyer nicht gelesen.  Dieser Irrglaube ist nicht nur naiv, er ist gefährlich. Verdammt gefährlich. „Wir sprechen in dem Zusammenhang von einer „rohen Bürgerlichkeit“. Es ist die Verachtung derer, die sich selbst als Leistungsträger erheben wollen. “ Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-82995572.html

oder auch: „“Diese rohe Bürgerlichkeit lässt sich in ihrer Selbstgewissheit nicht stören: Die Würde bestimmter Menschen und die Gleichwertigkeit von Gruppen sind antastbar:“ http://www.deutschlandfunk.de/wo-sich-die-rohe-buergerlichkeit-zeigt.1310.de.html?dram:article_id=194532

10 Jahre hat Heitmeyer und seine Forschergruppe die „Deutschen Zustände“ untersucht. Die Befunde zeigen: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit grundsätzlich ist nicht das Privileg irgendeiner ungebildeten Unterschicht. Ganz und gar nicht.  Was sind die Deutschen Zustände? Lassen wir die Frage Herrn Heitmeyer selbst beantworten:  „Es war die größte und am längsten laufende Untersuchung zu dem, was wir gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nennen. Dabei geraten bestimmte Menschen allein aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit in den Fokus von Abwertung, Diskriminierung und Gewalt – unabhängig von ihrem individuellen Verhalten. Wir konnten langfristige Entwicklungen aufzeigen. Es wäre angesichts der heutigen Lage wichtig weiterzumachen. Ich hoffe daher, dass mein Nachfolger Andreas Zick die erforderliche Unterstützung erhält, um weiter arbeiten zu können. Das Ausmaß von Vorurteilen, Abwertungen, Diskriminierungen und Gewalt ist keine Naturkonstante, sondern abhängig von gesellschaftlichen Verhältnissen. Deshalb sind Langzeituntersuchungen so wichtig. Sie sind aber auch rar. Was für mich die Frage aufwirft, ob diese Gesellschaft – ob ihre Interessengruppen, Eliten, Medien und politischen Institutionen – das überhaupt wissen wollen. – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/24954352 ©2017

In diesem Zusammenhang – Integration. Was ist eigentlich Integration, auch hier liefert Herr Heitmeyer ein treffendes und klares Bild:

„In unserem Verständnis geht es erstens darum, ob jemand Zugang zu den Funktionssystemen wie z. B. Arbeit hat und dadurch Anerkennung erwerben und genießen kann. Zweitens stellt sich die Frage, ob man als Einzelner oder als Gruppe bei öffentlichen Angelegenheiten eine Stimme hat und wahrgenommen wird, denn dadurch entsteht moralische Anerkennung als Bürger. Drittens geht es um die Anerkennung der individuellen Integrität und die der eigenen Gruppe, um dadurch emotionale Anerkennung und Zugehörigkeit zum Gemeinwesen zu entwickeln. Unsere Untersuchungen zeigen sehr deutlich: Überall, wo es massive Anerkennungsdefizite gibt, kommt es zu Abwendungen oder Rückzügen. Wer sich in seinen Umgebungen nicht anerkannt fühlt, wendet sich jenen zu, in denen es Anerkennungsquellen gibt. Das können Gruppen sein, die gesellschaftlich nicht anerkannt sind. Der Einzelne findet dann wenigstens in dieser Gruppe seine Anerkennung – und sei es mit Gewalt. Eine solche Anerkennung ist dann immer noch mehr wert als gar keine. Man muss das immer betonen, und ich tue das seit Langem: Man darf den Begriff Integration nicht reservieren für Migranten und jetzt Flüchtlinge. Auch viele der sogenannten seit Generationen hier lebenden Deutschen sind nicht integriert, insbesondere was die Anerkennungsgefühle und –erfahrungen angeht.“– Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/24954352 ©2017

Man kann sich jetzt also über die Professoren aufregen. Und morgen findet vielleicht jemand heraus, Studenten sind nicht besser. Oder aber – wir schauen mal auf die Deutschen Zustände und WOLLEN wissen. Und uns nicht nur empören. Das hilft nämlich ganz und gar nichts.
Vielleicht – aber nur vielleicht – helfen die momentanen Empörungswellen aber einmal darüber nachzudenken, ob unsere „Eliten“ wirklich welche sind. Eine Elite, die sich über andere erhebt. Gesamtgesellschaftlich gesehen schwierig.

 

Was solls?

Die DNN berichten heute über die „bedingte Einsatzbereitschaft“ des Kreiselternrats. Unsinnige Überschrift, aber das ist noch das geringste Problem. Bei Twitter ist die kurze Zusammenfassung „der Kreiselternrat hat sich beim Führungwechsel verheddert“ viel treffender. Es ist leider ein typischer Blasenartikel. Es fehlen die zum Verständnis nötigen Hintergrundinformationen – und die wären notwendig gewesen um das einzuordnen, was da als kompliziert oder turbulent bezeichnet wird und die zeigen – verheddern ist tatsächlich ein Volltreffer.

Worüber reden wir eigentlich beim Kreiselternrat (und das sind die Informationen, die die eine gute Recherche und ein sachlicher informativer Artikel hätte liefern müssen (wenigstens als „Kasten“). „Was solls?“ weiterlesen

Umfragen

„Haben Sie Zeit für ein paar Fragen?“ Telefonumfrage. Es geht: Um Medien. Mediennutzung, den öffentlich rechtlichen Rundfunk, Vetrauen und Glaubwürdigkeit. Vielleicht sollte man besser die Teilnahme an Umfragen ablehnen wenn man mal studiert hat, wie Sozialforschung funktioniert. MAn weiß bei jeder Frage was sie soll, wartet auf die Kontrollfragen …

Vertrauen. Wie viel Vertrauen habe ich in die Medien. In die privaten, in die öffentlich rechtlichen, ARD, ZDF, MDR, meine regionale Zeitung. in Instiutionen, in die öffentliche Verwaltung, zu Politikern.

Ich durfte mal den DNN-Fragebogen beantworten. Eine Frage war dabei die nach meinem Vorbild in der Politik. Ich habe sinngemäß gesagt, ich hätte keines – weil Politik immer etwas mit Macht zu tun hat und Menschen dafür anfällig sind.

Wie viel Vertrauen? Nun – nicht Vertrauen ist nicht gleich Misstrauen. Sondern: „Umfragen“ weiterlesen

Die schwarze Ampel

Jamaika. Kommt sie nun, diese Koalition oder kommt sie nicht. Münden die Sondierungen in einem Ergebnis oder münden sie nicht. Fakt ist, die Wahl hat Akteure zur Zusammenarbeit verdonnert, die normalerweise nicht zusammenpassen dürfen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Oder so. Zumindest klingt das in einigen Äußerungen mehr oder weniger promin- und kompetenter Parteivertreter so. In Koalitionen verlieren immer welche. Meistens die kleinen Partner. Um der Vernunft oder des Machterhalts willen – je nach dem – werden zuvor vehement vertretene Positionen verlassen, aufgegeben, man rückt von ihnen ab. Sich zu profilieren, klare Positionen zu vertreten, das erwartet man. So irgendwie. Nur manchmal nehmen die Wähler die Parteien in die Verantwortung. Jeder Wähler seine, das ist das blöde daran. Obwohl eigentlich klar sein müsste, in einer Demokratie muss es immer Kompromisse geben, weil es nicht „die eine einzig wahre Wahrheit“ gibt. Weil niemand immer nur Recht hat oder weiß was richtig ist. „Die schwarze Ampel“ weiterlesen