Stultorum plena sunt omnia – Ode an eine Verwaltung

Sorge für Gleichbehandlung. Aber mache gerade hier eine Ausnahme.

Modernisiere Dich. Aber verbrauche dafür weder Zeit noch Geld.

Entscheide. Aber triff keine Entscheidungen.

Nutze Deine Ermessensspielräume. Aber immer im Sinne aller.

Mache kurzen Prozess. Aber frage alle.

Setze Prioritäten. Aber priorisiere nicht denn alles ist wichtig.

 

Fortsetzung folgt.

 

Ach Kurt

Du hast es gewusst, so schoss es mir durch den Kopf bei der Tageslektüre der Presse und dem Nachdenken was manchmal so in dieser Stadt passiert. Kurt Tucholsky, nicht der der König. Aber ein König spielt auch dabei eine Rolle:

Das Königswort

Dies ergötzte hoch und niedrig:
Als der edle König Friedrich,
August weiland von ganz Sachsen,
tat zum Hals heraußer wachsen
seinem Volk, das ihn geliebt,
so es billigen Rotwein gibt –
als der König, sag ich, merkte,
wie der innre Feind sich stärkte,
blickt er über die Heiducken,
und man hört ihn leise schlucken..
Und er murmelt durch die Zähne:
»Macht euch euern Dreck alleene!«

Welch ein Königswort! Wahrhaftig,
so wie er – so voll und saftig
ist sonst keiner weggegangen.
Wenn doch heute in der langen
langen Reihe unsrer Kleber,
Wichtigmacher, Ämterstreber,
einer in der langen Kette
nur so viel Courage hätte,
trotz der Ehre und Moneten
schnell gebührend abzutreten!
O, wie ich sein Wort ersehne:
»Macht euch euern Dreck alleene!«

Edler König! Du warst weise!
Du verschwandest still und leise
in das nahrhafte Zivil.
Das hat Charme, und das hat Stil.
Aber, aber unsereiner!
Sieh, uns pensioniert ja keiner!
Und wir treten mit Gefühle
Tag für Tag die Tretemühle.
Ach, wie gern, in filzenen Schuhen
wollten wir gemächlich ruhen,
sprechend: »In exilio bene!
Macht euch euern Dreck alleene!«

Kaspar Hauser
Die Weltbühne, 24.04.1919, Nr. 18, S. 483, wieder in: Fromme Gesänge,

Über Klassen

„Wenn vom Klassenkampf die Rede ist, denkt man niemals an seine ganz alltäglichen Formen, an die rücksichtslose gegenseitige Verächtlichmachung, an die Arroganz, an die erdrückenden Prahlereien mit dem Erfolg der Kinder, mit den Ferien, mit den Autos oder anderen Prestigeobjekten, an verletzende Gleichgültigkeit, an Beleidigungen und so weiter.

Das Leben ändern, das müsste heißen, die vielen kleinen Nichtigkeiten zu ändern, die das Leben der Leute ausmachen und die heute gänzlich als Privatangelegenheiten angesehen und dem Geschwätz der Moralisten überlassen werden.“

Pierre Bourdieu, Die verborgenen Mechanismen der Macht.

Über Macht.

„Die symbolische Macht ist eine Macht, die in dem Maße existiert, wie es ihr gelingt, sich anerkennen zu lassen, sich Anerkennung zu schaffen; d.h. eine (ökonomische, politische, kulturelle oder andere )Macht, die die Macht hat, sich in ihrer Wahrheit als Macht, als Gewalt, als Willkür verkennen zu lassen.“

Pierre Bourdieu. Die verborgenen Mechanismen der Macht.

Wertschätzung

Soziale Wertschätzung.  Meint die Bewertung von Eigenschaften und Fähigkeiten einer Person innerhalb des kulturellen Selbstverständnisses einer Gesellschaft. Honneths Theorie der Anerkennung und die Relevanz von Achtung und Wertschätzung  für die pädagogische Praxis ist mittlerweile fester Bestandteil in den bildungs- und erziehungswissenschaftlichen Debatten.

Dachte ich.

In der Bildungspolitik nicht. Jedenfalls nicht in Dresden.

Zum Nachlesen:

Honneth, A. (2016). Kampf um Anerkennung: Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte ; mit einem neuen Nachwort (9. Auflage). Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft: Vol. 1129. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Helsper, W., Sandring, S., & Wiezorek, C. (2005). Anerkennung in pädagogischen Beziehungen. Ein Problemaufriss. In W. Heitmeyer & P. Imbusch (Eds.), Analysen zu gesellschaftlicher Integration und Desintegration. Integrationspotenziale einer modernen Gesellschaft (pp. 179–206). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

 

 

Aufklärungsministerium

Ein Heimatministerium. Das klingt entweder rückständig nach Traditionsmief, Oktoberfestbier und Folklore, also Kölnisch Wasser, oder es klingt nach Heimatschutz als Behörde, so wie es der „andere“ große Bruder uns vormacht. Nicht fortschrittlich jedenfalls und es klingt nach ziemlicher Konfusität in der Regierungsbildung. Es tut nie gut wenn man kopflos das Würfelspiel „Such dir mal ne Aufgabe“ spielt und einfach mal Ressorts festlegt ohne Plan und Struktur dahinter.

Aber: wäre ein Digitalministerium mehr Plan und mehr Struktur? Digitalisierung wird drastisch unsere Welt verändern! Wir müssen uns fit machen für die Digitalisierung! Digitalisierung, die große Herausforderung! Oooookkkkkkaaaaaaayyyyy … also überrollt uns die Digitalisierung wie eine Naturkatastrophe, wie Klimawandel oder Grippewelle oder wie Götter, die es zu beruhigen gilt? Manchmal, aber nur manchmal, verwechseln wir Strategie und Ziel. Mittel und Zweck. Bock und Gärtner. Digitalisierung passiert doch nur weil Menschen das wollen. Sie ist keine übernatürliche fremde Macht, die uns einfach so überkommt und der wir uns stellen müssen. Umgekehrt wäre der Schuh richtig angezogen. Zu fragen, wo brauchen wir Digitalisierung und wann und warum. Und wie wollen wir sie gestalten, wann wollen wir sie überhaupt. Unbequem. Aber in jedem Falle besser. Allerdings möglicherweise mit der Frage diverser anderer Entwicklungen verbunden. Und dann nähern wir uns nämlich langsam der Frage, ob wir mal eine neue Aufklärung bräuchten. Raus aus der Selbstsklaverei. Ob Globalisierung, Digitalisierung … es werden Entwicklungen so verkauft (!) als ob sie Naturgewalten wären, von uns nicht beherrschbar. Die Entmachtung des Menschen durch sich selbst. Cui bono. Und wenn man sich darüber im Klaren ist, wem nützt es, wem soll es nützen, dann ist man schon einen ganzen Schritt weiter.

Digitalisierung braucht kein eigenes Ministerium. Vielleicht brauchen wir vielmehr mal ein Menschenministerium. Welches sich der Frage widmet, Wozu das alles? Ein Ministerium für Aufklärung.

Frieden

Manchmal wird man gezwungen, die Dinge mit ein wenig Abstand zu betrachten. Und so sehe ich den 13.2. etwas unverhofft als Zuschauer. Wie oft lese ich „Frieden“. „Gedenken“. „Nie wieder Krieg“. Und frage mich, wie oft spielt der Gedanke an Frieden, der Wunsch nach Frieden an den restlichen Tagen des Jahres eine Rolle und wie ernst ist es uns damit?