Fachkräftestrategie (Teil1*)

Lektüre der Ostseezeitung. Ein durchaus bemerkenswerter Beitrag, macht er doch die ganze Misere unserer Bildungs- und Wissensgesellschaft deutlich. Es fehlen Pflegekräfte. Nicht nur in MeckPomm, aber auch da. Erfreulicherweise hat man aber offenbar viele Abiturientinnen. (innen. Nicht Innen oder *innen, auch das ist bemerkenswert.)

Übersetzt in die Alltagssprache heißen die Überlegungen: die Mädels wollen, nachdem sie nun schon Abi gemacht haben, auch noch studieren, es fehlen aber Krankenschwestern – also erfinden wir mal einen Studiengang mit einem (dem 125.000.) Bachelorabschluss, mit dem man dann aber als Pfleger arbeitet. Denn es fehlen in erster Linie die Pflegekräfte. Nicht die Führungskräfte. Heißt aber dann unter Umständen, dass eben ein OBerschulabschluss (wollte man nicht die Oberschulen stärken?) für Pflegeberufe nicht mehr reicht. Andere Variante wäre eine weitere Differenzierung und Hierarchisierung der Pflegeberufe. Bessere Arbeitsbedingungen entstehen mit einer „Studierbarkeit“ nämlich NICHT.

Bildungsexpansion.

(Witzigerweise fand ich am selben Tag noch eine Werbung der Handwerkskammer. Sinngemäß: werde nicht der XXte Langzeitstudent, lerne lieber was Ordentliches.  Für junge Menschen dürfte das etwas verwirrend sein.)

Es soll mittlerweile Personalabteilungen geben, die den Überblick verloren haben, welche Bildungsabschlüsse mit welchen Inhalten und Befähigungen es mittlerweile so gibt. Bedeutet für die Absolventen, sie fallen durch die Auswertungsraster bei Ausschreibungen und haben so keine Chance auf einen Job, für den sie möglicherweile qualifiziert wären. Oder studieren etwas, wofür es kaum Einsatzmöglichkeiten gibt.

Es wäre eine Variante einer Fachkräftestrategie, dies mal zu sortieren. Allerdings – dementgegen steht die Tatsache, dass Bildung ein durchaus lohnenswerter Markt ist. Noch vernünftiger wäre es, nicht alle möglichen Berufe „studierbar“ zu machen, (das führt macht Universitäten dann nämlich noch weit mehr als bisher zur Berufsschule) sondern tatsächlich mal über ein Leistungsprinzip wenigstens nachzudenken. Die Frage, wer tatsächlich Leistung bringt und was Leistung eigentlich ist, ist eine durchaus interessante.

 

*Teil 1 in der Überschrift deshalb, weil es noch einige weitere Puzzleteile zu behandeln gilt.

„Gewinner“

wenn man das so bezeichnen kann – seit der Bundestagwahl, das sind zwei Parteien. Nicht die FDP.  Nicht die Linke. Nein, the winner is oder besser sind die Grünen und die AFD. Nur die beiden Parteien konnten an potentiellen Wählerstimmen oder öffentlicher Zustimmung profitieren. Und so sieht das grafisch aus:

Allerdings – kein Grund für Freudentänze zum Beispiel bei den sächsischen Grünen. So wie es jetzt aussieht, wird es für den nächsten Landtag knapp. Und das mag Gründe haben. Bundesweit profitieren die Grünen vom neuen Führungs-Duo. Und von dem Bundestagsabgeordneten, den man zu Beginn der Legislatur gerne mal versuchte, lächerlich zu machen. Anton Hofreiter.  Der smarte Christian hat seiner Partei keinen Gefallen getan, jedenfalls haben die Wähler den Ausstieg aus den Koalitionsverhandlungen nicht mit wachsender Zustimmung goutiert. Und danach blieb die FDP einfach nur blass und nicht ernsthaft wahrnehmbar. Sorry. Ist aber so.  Die Linke zerlegt sich selbst, der Streit der Königinnen ist schon einmal nicht gut ausgegangen.  Die SPD. Ja, was soll man da noch sagen. Sie hat sich verfahren. Und ist nicht in der komfortablen Position einer Opposition, draufhauen und mit dem Finger zeigen zu können. Besser wissen ist immer leicht. Besser machen schon weniger. Und die CDU/CSU beweist, dass der Fachkräftemangel eklatant ist. Und die AFD freut sich. Ihr Dank gilt den zuverlässigen Massenmedien. Die durch ihre hysterische Fokussierung auf Flüchtlinge-AFD-AFD-Flüchtlinge verhindern, dass die Realität ein wenig mehr umfasst. Politik auch noch ein paar andere Aufgaben hat. Das ist ein unguter Kreislauf.

 

 

 

 

 

Aufräumen

kurz vorm Urlaub. Kopf und Schreibtisch. Den Entwurf für das Expose der Masterarbeit einreichen. Herkunftsbedingte Ungleichheit. Was genau macht diese Nachteile aus, die, so der Nationale Bildungsbericht, eben noch nicht kompensiert werden konnten. Trotz aller Bemühungen. Der Abstand zu den Abgehängten wird sogar noch größer.

Denken an die Feierliche Zeugnisausgabe eines Dresdner BSZ mit einer denkwürdigen Rede des Bildungsbürgermeisters. Tränen in den Augen der Lehrer. Vor Freude hibbelige junge Erwachsene, denen die Welt offenzustehen scheint. Von drei Klassen des Berufsvorbereitenden Jahres haben es die Hälfte der Schüler nicht geschafft. Sie sind chancenlos und ohne Abschluss. Auf dem Schreibtisch die Einladung für die Einweihung des Schulcampus Tolkewitz. Gymnasium. Replik der Diskussionsrunde zur Exzellenzuniversität. Daneben der zweite Bildungsbericht. Schreiben eines Bürgers. Beschwerde über die Vorzimmerpflanzen. Gemeint sind Sachbearbeiterinnen. Lustig ist das nicht mehr.

Der Innenminister führt sich auf wie ein Rumpelstilzchen. Und man lässt ihn. Das Berliner Theater wird immer absurder. Noch absurder aber ist die Verwunderung darüber. Ein Politikprofessor rät einer regierenden Partei die Kooperation mit der AFD. Die AFD, die die ideologische Säuberung der Schulen will. Der Lehrer. Universitäten bilden Lehrer aus. Sollen die Unis auch gereinigt werden?

Kürzlich las ich, das Geld für die Kulturförderung in meiner Stadt fehlt. Kulturschaffende teilweise in prekären Verhältnissen leben. Lese in der Zeitung, 1,7 Millionen für 5 Jahre. Gehalt für einen Menschen. In einem Kulturstaatsbetrieb. Warum ist das eigentlich selbstverständlich?

Die Welt ist irre.

Urlaub. Endlich.