Schau-Seite

Den Begriff las ich bei Stephan Kühl. Es ging um Organisationen und wie es der Name schon sagt, geht es um das, was gesehen werden soll. Das Offizielle. Wünschenswerte. Mir kam der Begriff wieder in den Sinn beim Schreiben einer Hausarbeit in angewandter Bildungsforschung. Evaluation von E-Portfolios. Was, wenn es auch im Bereich der Bildung eine Schau-Seite gibt, eine, die man in gemeinschaftlicher stiller Übereinkunft aufrecht erhält, die aber niemand tatsächlich lebt, ganz im Sinne des Luhmann-Zitates, dass die Reformen als die besten und beliebtesten und sinnvollsten in Erinnerung bleiben die niemals umgesetzt wurden?

Forschendes Lernen. Lernen durch Forschung. Die Hochschulen haben sich das schon seit Jahrzehnten auf die Fahnen geschrieben. Lernen durch Forschen. In realen Forschungssituationen, mit echten Fragestellungen. Nichts mit auswendig pauken. Klingt erst mal gut. Wird aber zu Rohrkrepierer, wenn der Student feststellt, es geht nicht um das, was ich da herausgefunden habe, sondern darum, dass ich ordentlich zitiere, Seitenabstände und Schriftgrößen einhalte. Sorgfalt und die Einhaltung von Standards sind zweifellos wichtig für wissenschaftliches Arbeiten. Forschungsinteresse und Kreativitöt aber auch. Sich aber mit den Inhalten zu befassen, das braucht Ressourcen. Ressourcen, die die Universitäten gar nicht immer haben. Und manchmal ist ja das, was Studierenden da gerade erforschen, nicht zwingend so mainstream, dass man Forschungsgelder dafür bekommt.

Also wäre eine stille Übereinkunft, dass eben e-Portfolios nur so genutzt werden wie es die Pflicht erfordert, Schriftgrößen, Zitierregeln und Zeitabstände eingehalten werden und damit allen unnützer Aufwand erspart wird, vielleicht gar nicht so absurd? Die zweite Realität. Aber bestimmt irre ich mich. Der Mensch irrt, solange er strebt. Zum Glück.