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„Wir befinden uns im Aufwind und könnten die Weichen für erfolgreiche Wahlkämpfe stellen . Statt mit dem politischen Gegner befassen wir uns mit uns selbst .“

so ließ sich ein Parteichef zitieren. Inhaltlich steht er mit seiner Unzufriedenheit nicht allein, deshalb ist es auch irrelevant, welcher Partei in welcher Region er angehört. Statt mi dem politischen Gegner befassen wir uns mit uns selbst.

Nu ja, liebe Parteiführungskräfte, Parteien befassen sich immer mit sich selbst. Die Selbstbefassung dreht sich um eine Abgrenzung von einem imaginären politischen Gegner (Wahlweise eine andere Partei, eine Verwaltung, bös- und lernunwillige Bürger, „das System“).  Dazu dient dann meist ein Stellvertreterthema, anhand dessen nachgewiesen wird, wie sehr man sich doch vom politischen Gegner abgrenzt.

Da die Welt immer diverser geworden ist – besser gesagt, sie ist nicht diverser geworden, sondern der Blick auf die Welt immer differenzierter, auch eine Folge der Globalisierung und Digitalisierung und damit veränderter Kommunikationsformen und ebenfalls damit verbunden virtuellen Realität, die nicht mehr allein duch Massenmedien geprägt ist, sondern durch soziale Netzwerke, wird es immer schwieriger, „eigene“ Themen zu finden. In einer diversen Welt gibt es nicht mehr schwarz und weiß, die „alten“ Grenzen exisiteren nicht mehr. Machtstrukturen weltweit haben sich verändert und es ist nicht mehr ganz so einfach, zwischen gut und böse zu unterscheiden. Und wenn das schon für die große Welt nicht geht, so geht das in einem Land oder in einer Stadt noch weniger.

Womit will man in einer Stadt, der es wirtschaftlich halbwegs gut geht, in der keine Schulen geschlossen werden müssen (jedenfalls nicht aufgrund fehlender Schülerzahlen), in der Kitas gebaut werden, die ziemlich viel grün aufweist, ein paar kaputte Fuß- und zuwenig Radwege, die zwei neue Kulturpaläste hat, in der sich Armut und Kriminalität vergleichsweise in Grenzen halten, wie will man in einer solchen Stadt Wahlen gewinnen? Was sollen Parteien sich in ihre Programme schreiben, womit sollen sie für sich werben, damit die Bürger sie wählen? Irgendwas muss ja besser werden. Veränderung per se mag Mensch nicht. Höchstens dann, wenn sich eine Veränderung zum Guten (was auch immer das bedeutet) erwarten lässt. Aber was ist das gute wenn die Gesamtlage halbwegs stimmt. Was kann man verändern. Man muss irgendwas Veränderungswürdiges finden. Oder man arbeitet sich am politischen Gegner ab. Das aber, das interessiert, mit Verlaub, kein Schwein. Nur Menschen die entweder der eigenen Partei oder maximal noch dem politischen Gegner verbunden sind. Und die haben dann wieder Spielgeld. So beschäftigt Politik dann mit sich selbst und die Welt draußen dreht sich weiter.