Schulstandortwertigkeit

Was ist eine Schule wert. Was ist die Arbeit der Pädagogen wert. Was ist eine gute Schule und für wen. die Rückblickende Betrachtung einiger schulpolitischer Debatten ist gelinde gesagt erschreckend.

Wir müssen uns dringend von der irrigen ökonomisierten Annahme verabschieden, Anmeldezahlen einer Schule seien ein Indikator für eine „wertvolle“ Schule. Wir müssen uns auch von der irrigen – ebenfalls ökonomisierten – Annahme verabschieden, der Durchschnitt der Abschlusszeugnisse oder die Anzahl der Einser seien ein Indikator für eine „wertvolle“ Schule. .

Man kann es auch schärfer formulieren: Die Sozialstruktur an einer Schule ist nicht deren Verdienst oder Eigenleistung oder gar Ergebnis einer mangelhaften pädagogischen Arbeit. Wir müssen die empirisch belegte Erkenntnis akzeptieren, dass die freie Schulwahl nicht zu einer vielleicht wünschenswerten und ausgewogenen Sozialstruktur an Schulen führt. Sondern zu sozialer Segregation. Wir müssen die empirisch belegte Erkenntnis akzeptieren, dass die Herkunft immer noch erhebliche Effekte auf die Bildungslaufbahn  hat. Und: dass gerade moderne Unterrichtsformen, die Kulturtechniken erfordern, die manche Kinder herkunftsbedingt nicht in die Wiege gelegt bekommen, diese Kinder genau dann benachteiligen, wenn sie mit ihren Mitschülern, die herkunftsbedingt anders ausgestattet sind,  im Unterricht in Konkurrenz treten müssen.

Fatal ist es, Schulen mit einer eher benachteiligten Schülerschaft eine schlechte pädagogische Arbeit zu unterstellen oder den Standort als per se aufwertungsbedürftig zu stigmatisieren. Vielmehr sollte die Frage interessieren, inwieweit arbeitet eine Schule so, dass ihre Schülerschaft bestmöglich gefördert wird. Eine Schule mit einem hohen Anteil an Hauptschülern, in der Schüler aus der Mittelschicht die Minderheit sind, ist nicht weniger wertvoll als ein Gymnasium. Und genau deshalb hat sie das Recht, genauso anerkannt zu werden – und unterstützt, auch wenn vielleicht eine Lobby, eine starke Elternvertretung oder ein Förderverein fehlt. Besser gesagt gerade deshalb.

Ich habe mal an meiner früheren Arbeitsstelle eine Diskussion über Elternverantwortung bei der Bildung der Kinder geführt. Leider fehlten mir damals die Argumente, die ich jetzt habe. Die Illusion der Chancengleichheit ist leider nach wie vor Realität und gerade die andersseinwollende Bildungspolitik befördert diese.