Der Markt wirds schon regeln

Fachkräftemangel. Wovon reden wir beim Fachkräftemangel denn eigentlich. Geht es da um die gut dotierten, die attraktiven Jobs, geht es da um Führungspositionen oder um Jobs mit viel Entfaltungs- und Kreativitätspotential und Entwicklungsmöglichkeiten? Oder geht es da um Jobs, die gesellschaftlich nicht anerkannt, schlecht bezahlt sind, die belasten, psychisch und/oder physisch und für die sich keine Menschen mehr finden weil die demografische Entwicklung die Marktverhältnisse augenscheinlich zugunsten der Arbeitnehmer (die gefragt sind) entwickelt hat?

Es fehlen in der Zukunft Mitarbeiter in Verwaltungen, in sozialen und Pflegeberufen, Lehrer, in der Gastronomie, Gebäudereiniger werden auch seltener. Dem Mittelstand und dem Handwerk fehlt der Nachwuchs.

Demgegenüber steht Bildungsexpansion, Meritokratie und Individualisierung. Das Bildungssystem irgendwie seiner Allokationsfunktion nicht mehr so richtig nachzukommen. Heißt nichts anderes, das Bildungssystem hat einen anderen Output als das Wirtschaftssystem gerne hätte. In Kombination mit der demografischen Entwicklung führt dazu, dass überall von Fachkräftemangel geredet wird und man anfängt, über Strategien zur Behebung nachdenkt.

Aber – was soll eine Fachkräftestrategie leisten? Soll der Fachkräftestratege zu den Eltern gehen und sie bitten, lasset Eure Kinder bitte um Himmelswillen nicht alle Abi machen? Soll Berufsorientierung sich am Arbeitsmarkt orientieren? Was ist dann aber mit der vielbeschworenen Selbstverwirklichung und individuellen Entwicklung – die Leitbilder der modernen Gesellschaft, die lebenslanges Lernen dadurch quittiert, dass eine zu gute Bildung ein ernst zu nehmendes Bewerbungshindernis ist.

Ich las auf Facebook den Status „besorgt“ bei einem Landtagsvgeordneten. Weil die Wirtschaft nicht mehr auf ausreichende Humanressourcen zugreifen kann. Besteht dieselbe Besorgnis eigentlich auch in Bezug auf die Menschen?