Ungleichheit

Ungleichheit in einem System, welches Ungleichheiten entgegenwirken soll. Ungleichheit, die nicht durch den von Ungleichheit Betroffenen selbst verursacht oder verschuldet wurde – rechnet man die falsche Berufswahl (Grundschule statt Gymnasium oder Geburts- bzw. Berufseintrittsjahr und die „falschen“ Eltern man nicht als Schuld).

Und die Grenzen im System sind ähnlich dicke Glaswände wie die sozialstatusbedingten Nachteile oder eben die Genderbedingten (wobei ich dazu eine eigene Auffassung vertrete).

Lehrer widerspiegeln unsere Gesellschaft und sehr wohl gibt es da ein oben und unten. Die Debatte um die Verbeamtung ist so irre wie nur irgendwas uns geht am eigentlichen Thema völlig vorbei. Aber: Sie beschäftigt die Massen, die Gewerkschaften, die Medien. Was ist denn nun aber mit der systemimmanenten Hierarchie? Der Tatsache, dass Grundschullehrer einen geringeren Status haben als Gymnasiallehrer zum Beispiel.. Was ist die Rechtfertigung – die sachliche, wissenschaftliche wohlgemerkt? Ich hatte dazu mal eine sehr intensive Auseinandersetzung mit einem Bekannten, der aus Syrien stammt, und zu denen gehört, die man als wirtschaftlich und kulturell bestens kapitalausgestattet bezeichnet, dem eine gute Schulbildung der Kinder wichtig ist. Gymnasiallehrer verdienen mehr weil das Studium härter sei und sie mehr wissen müssten. Schwachsinn, mit Verlaub. Ein Lehrer ist zuallerert ein Pädagoge, ein Pädagoge, ein Pädagoge. Und es kommt nicht nur darauf an, Wissen zu vermitteln, sondern zuvorderst WIE man sich Wissen aneignet, erweitert, vernetzt und das ganze noch mit Spaß und Interesse daran. Das Fundament – und da sind wir beim nächten Thema, wird in der frühkindlichen Bildung gelegt. Was bis zu Grundschule nicht an kulturellem Kapital erworben wird, ist später nie mehr wirklich aufzuholen.

Wo bleibt die Initiative der Bildungspolitik für eine mindestens Gleichstellung der Lehrer aller Schularten und die Erzieher gleich mit? Ich habe noch – in einem früheren ganz bösen System – als Grundschullehramtssudent mit Erziehern gemeinsam auf der Schulbank gesessen. Das hatte wohl gute Gründe, wobei die Oberstufe schon damals etwas „Höheres“ war, was mir später, als ich das Abi nachholte  meine Klassenlehrerin deutlich vermittelte. Unterstufenlehrer sind zu blöd fürs Abi.

Wenn man für Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit oder wie auch immer man das Bestreben bezeichnen will, Kindern ungeachtet ihrer Herkunft die gleichen START(!!!!!)Chancen zu bieten, dann sollte man dringend die berufsbedingten Ungleichheiten im Bildungssystem angehen und beseitigen.  Wetten, dass es dazu niemals kommt, weil sich die unterschiedlichen Vertreter der Berufsgruppen dagegen wehren werden? Die feinen Unterschiede sind überall.