Wieso sind die anderen immer so bescheuert …

Jeder Mensch wohnt in einem eigenen Universum, in dem er von morgens bis abends recht hat. Ein kluger Satz. Zu lesen in Juli Zehs „Unterleuten“.

Metaphern sind manchmal ganz nützlich um auf den Punkt zu bringen, was eigentlich hochkomplex ist. Und diese Metapher ist eine, die mir besonders gut gefällt. Man kann viele wissenschaftliche Texte lesen. Sozialwissenschaftliche. Medizinische. Philosophische. Texte über Kommunikation. Über Politik. Über Gesellschaft.

Noch einmal und schön langsam. Jeder Mensch wohnt in seinem eigenen Universum, in dem er von morgens bis abends recht hat. Aber ja! Das muss auch so sein.
Anderenfalls wäre kein Mensch auf Dauer lebensfähig. Wir nehmen wahr. Und was wir wahr-nehmen, das ist für uns auch wahr! Tatsächlich! Ob es nun die Morgensonne ist, das Wasser in der Badewanne, was einen Blaustich hat oder das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. In diesem Universum ist enthalten was wir gelernt, erlebt, erfahren und verarbeitet haben. Unsere Persönlichkeit, unser Leben, unser Bewusstsein, all das was uns ausmacht, unser Selbstbild, unser Vertrauen in uns selbst.

Was uns leider verwehrt bleibt, ist der (vollständige) Zugang zum Universum – oder die Gedankenwelt der anderen. Kein Mensch kann seine Umwelt deckungsgleich so wahrnehmen wie der Mensch neben ihm, so absurd das klingt. Natürlich ist ein Auto ein Auto. Und wir wissen alle ungefähr etwas es bedeutet, wenn man sagt, es duftet weihnachtlich oder der Tannenbaum ist grün. Empathie und die Mittel der Kommunikation erlauben eine Verständigung miteinander. Aber eben leider nur begrenzt.

Manchmal ist es gut, sich das wieder in Erinnerung zu rufen, wenn die anderen mal wieder völlig bescheuert sind und zu doof, zu begreifen, dass …