Ἓν οἶδα, ὅτι οὐδὲν οἶδα.

Wahrnehmung ist selektiv, man hört in einem Vortrag nicht alles, liest in einem Vortrag nicht alles. Wir wären schlichtweg überlastet, würden wir all das an Informationen aufnehmen, was „angeboten“ wird. Das kognitive System muss selektieren. Nach dem was brauchbar ist, mit dem es etwas anfangen kann, nach dem was anschlussfähig an Vorhandene Strukturen ist, weiter anschlussfähig bleibt.
Das Lernen setzt sich zusammen aus Denken, Emotionen, Erinnern. Wichtige Bedingungen sind eigene Motivation, Interesse, eine Vielfalt von Lerntechniken, Lernstrategien, ein ermutigender Kontext und die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung des Bemühens zu Lernen. Zum Lernen gehört, den eigenen Lernbedarf auch anzuerkennen, innerlich lernbereit zu sein. Nicht-Wissen an sich aber ist ebenfalls von erheblichem Wert: Wer alles weiß, für den ist Lernen nicht notwendig. Nur der, der sich der Grenzen der eigenen Erkenntnis, der eigenen Unkenntnis bewusst ist, weiß mehr als derjenige, der glaubt, alles zu wissen.
Lernen hängt von der eigenen Biografie ab, von den im Laufe des Lebens entwickelten und erprobten emotionalen und kognitiven Strukturen. Lernen ist aber auch eine Lebenseinstellung, die abhängig ist von sozialen Kontext, wie lernförderlich dieser ist und dabei geht es nicht nur um die Verwertbarkeit von Lernen sondern um Lernen als Lebens-Wert.