Begreife gefälligst … diesen Denkanstoß

Wie „überzeugt“ man am besten? Mit Vernunft? Wir Menschen halten uns für rational. Es zählt das “vernünftige Argument”. Emotionen oder aus unserer sicht „unvernünftige“ Sichtweisen, Ängste, Befürchtungen, Haltungen werten wir gern ab und versuchen, mit einem zwingenden Argument, die Objektivität als Referenz, zu überzeugen. Insbesondere geschieht das dann, wenn wir jemanden überzeugen wollen, etwas zu tun oder zu denken was wir gern möchten. Situationen, in denen es um die Durchsetzung von Interessen geht, bergen in sich ein Konfliktpotential, die ursache liegt in der grundsätzlichen Annahme, dass es so etwas wie Objektivität gibt, so etwas wie Rationalität. Die konstruktivistischen Sichtweise rät, als davon auszugehen, dass auch der andere mit gleichem Recht davon ausgeht, Recht zu haben und seine „objektive“ Sichtweise die richtige ist: „Wollen wir mit der anderen Person koexistieren, müssen wir sehen, dass ihre Gewissheit – wo wenig wünschenswert sie uns auch erscheinen mag – genauso legitim und gültig ist, wie unsere. Wie unsere Gewissheit ist auch die Gewissheit des Anderen Ausdruck seiner Bewahrung der Strukturkoppelung in einem Existenzbereich – so wenig verlockend uns dieser Bereich auch erscheinen mag. (Maturana 2009) Sich überzeugen lassen ist nach dem konstruktivistischen Verständnis eine immense Leistung, es ist ein Handeln gegen das eigene Interesse.
Vielleicht ein Denkanstoß. Denn: Überzeugen müssen wir.