Es könnte auch anders sein

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. (Fussnote: Das gilt nicht nur für Soziologen, die ihr Wissen nicht mehr durch Herumschlendern und auch nicht mit bloßen Augen und Ohren gewinnen können.)
Das gilt nicht nur für unsere Kenntnis der Gesellschaft und der Geschichte, sondern auch für unsere Kenntnis der Natur“. Luhmann, Die Realität der Massenmedien.
Die Massenmedien bilden Ereignisse nicht ab wie man meinen möchte. Sie konstruieren Deutungen von Ereignissen. Diese Deutungen hängen von den jeweiligen Produktionsbedingungen ab. Dazu zählen politische Interessenslagen genauso wie ökonomische und ganz profan auch die Besonderheiten des Beobachtens selbst.(auch ein Journalist ist ein Mensch und Wahrnehmungen sind nun mal keine Abbilder der Realität). Aber: das, was Medien konstruieren, diese Deutungen, wiegen schwer. Sie prägen das Bild, was von Ereignissen in der öffentlichkeit entsteht. Sie beeinflussen die öffentliche Meinung. Lokal, national, international. Sie beeinflussen das Bild, was sich Politiker von diesen Ereignisse manchen, denn Politiker wissen das, was sie wissen auch durch die Massenmedien. Sehr oft jedenfalls – und das ist kein Hinweis auf Faulheit! Nebenbei bemerkt, machmal wissen Medien auch das was sie wissen durch Medien.
Das kann manchmal eine ziemliche Eigendynamik entwickeln. Um es ganz einfach zu erklären: Es gab da mal ein Lied. Von 99 Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont …
Es soll Journalisten geben, die sich wundern warum die Situation momentan so ist wie sie ist. Wenn aber nur Nachrichten etwas wert sind wenn sie Aufmerksamkeit erregen. Konflikte ein schönes Thema für gute Artikel sind – und gute Nachrichten eher langweilig, ja dann muss man sich nicht wundern wenn die Welt für schlechter gehalten wird als sie ist.
Und die Politik – naja. Es ist für Politiker insbesondere in der Opposition eine Existenzfrage, die Welt möglichst schlecht darzustellen. Der Wähler braucht ja einen Grund zum wählen, es muss also besser werden und das geht natürlich nur mit demjenigen, für den man sein Kreuzchen setzen soll. Dazu braucht es eine drastische Sporache und ganz schnell ist man beim Populismus angelangt. Ich behaupte, dass Menschen jetzt denen hinterher rennen, die so menschen- und demokratiefeindlich sind dass es einen gruselt, daran ist nicht nur eine Partei schuld. Es sind auch die zu vielen zu einfachen Versprechungen die im Laufe der Zeit gemacht wurden. Nicht nur. Aber auch.