Über Verstehen und Missverstehen kann nicht so einfach kommuniziert werden …

wie man das vielleicht gerne hätte. „Du verstehst mich nicht.“ ist meist der Satz, der fällt wenn eine Diskussion oder ein Streit abgebrochen werden soll. Klappt nie. Warum? Weil der Satz einerseits besagt „Du bist einfach nicht bereit das zu akzeptieren, was ich zu sagen habe.“ (oder mir recht zu geben). Genau das ist ja die erhoffte Antwort. Intendiert ist die Provokation des Eingeständnisses dieser Tatsache und – ist mit dieser Ambivalenz und der Kommunikation dieser Ambivalenz Anschlusspunkt für Kommunikation. Weder ein „Ja“ noch ein „Nein“ würde stehen gelassen. EIn Ja ergäbe genauso viel Diskussionsstoff wie ein Nein. Das sich unverstanden fühlende psychische System kommuniziert ja nicht nur die Information. Wäre auch unnütz, das merkt ja das Gegenüber selbst. Es geht ja vielmehr darum mit dieser Aussage etwas mitzuteilen. Verstehens- oder Missverstehensprolbleme löst man nicht mit Kommunikation über Kommunikation.
In der Soziologie gibt es die Auffassung, dass psychische Systeme (also wir) zur Umwelt eines sozialen Systems gehören. Familie, Fanclub, Arbeit … Übersetzt: Wir gehören nie so ganz dazu sondern immer nur ein Teil von uns.Die Grundlage sozialer Systeme wiederum ist Kommunikation – daraus bestehen soziale Systeme.
Manchmal hilft es, bestimmte Theorien in die Lebenswirklichkeit zu übertragen, zugegeben mit einem kleinen Augenzwinkern. Sehen wir es mal so: Kommunikation hat hartnäckigen Überlebenswillen und ein ziemliches Interesse, dass sie bestehen bleibt und Anschluss findet. Deshalb sind Missverständnisse gewissermaßen überlebensnotwendig für sie. Wären sich alle einig und würden sich immer gleich verstehen, müsste man nicht miteinander reden. Beim nächsten Streit oder etwas ähnlichem – immer mal dran denken. Ja, der andere kann mich völlig missvverstanden haben – und das ist kein böser Wille. Sondern völlig normal. Schlagt der Kommunikation ein Schnippchen. Das hilft. Wetten?