Das Netz lädt sich runter

Soziale Ordnungen beruhen auf bestimmten Mechanismen, die „für Ordnung sorgen“. Nach den in ihr geltenden Werten. Zum Beispiel, dass abweichende Meinungen als abweichend bemerkbar werden. Rum wie num. Im Guten wie im Schlechten. Menschen mit DDR-Sozialisation reagieren darauf allergisch. Aber abweichende Meinungen können eben auch extremistischer, nationalistischer Art sein. Woran merkt man was richtig oder falsch ist, gut oder schlecht? Wir wissen das nicht aus uns selbst heraus. Sondern unser Verständnis von gut und schlecht, richtig und falsch ist nicht zuletzt Ergebnis unserer Sozialisation. Wohlgemerkt meint das NICHT, dass wir sind was die Gesellschaft aus uns macht. So einfach ist das auch nicht.
Was hat das nun mit dem Netz zu tun? Naja. Die sozialen Kommunikationsperspektien wandeln sich. one-to-one ist der Normalfall. One-to-many ist das Prinzip der Massenmedien. Many-to-many kann jeder. Jeder mit nem Computer, Smartphone und Internetzugang. Dadurch sind indivuduelle Meinungen, Neigungen oder Auffassungen nicht mehr Privatsache, sondern werden zum Ausgangspunkt neuer Gemeinschaften. Ortsunabhängig. Die schönen Algorhythmen, die uns genau die Inhalte liefern, die zu uns passen, vermitteln den Eindruck, die eigene Meinung, Auffassung, Neigung sei völlig normal, richtig, sie wird ja bestärkt durch die Wahrnehmung der virtuellen Realität, in der es so viele Gleichgesinnte gibt. Den Exkurs warum sich das im „Alltagsleben“ dann manifestiert, spare ich an dieser Stelle ein. Nur soviel: Irgendwann lädt sich das Netz runter. Wir müssen uns Gedanken machen. Darüber dass „das Netz“ irrsinnig viele Möglichkeiten bietet. Aber auch genauso viele Risiken. Das Risiko dass „Abweichung“ zur Normalität wird zum Beispiel. Und was das auch immer bedeuten kann. Ein Plädoyer für das Weiterdenken. Und dafür, nicht nur Mädels für Technik zu begeistern. Sondern Jungs und Mädels für die Gesellschaftswissenschaften.