Flughäfen. Oder: Klischees die keine sind – oder doch – nur anders.

Irgendwie wird Bauen immer teurer wenns die öffentliche Hand tut. Las ich in einem Kommentar auf einen Artikel einer Dresdner Tageszeitung. Warum ist das so? Muss das so sein? Da kam ein wirres Knäuel an vermeintlichen Ursachen. Die Ämter wieder. Oder so. Aber warum scheint es so als seien öffentliche Bauvorhaben ein Fass ohne Boden?

Liegts an den Planern, an Vergaberichtlinien, an der generellen Unfähigkeit, die der Verwaltung sowieso eigen zu sein scheint, glaubt man der „öffentlichen Meinung“? Ich habe mich als Stadträtin mit genau diesem Thema befasst (was zur Folge hatte, dass der damalige Leiter des Hichbauamtes nicht mehr mit mir sprach) und wenn ich solches Zeug lese kommt doch der Wissensmissionar durch.
Erstens stimmt das mit dem generellen Teurer-werden wenn die öffenbtliche Hand baut so nicht ganz. Kosten eines Bauprojektes können immer aus dem Ruder laufen. Der Unterschied: wenns in der Privatwirtschaft passiert, fällt das seltener auf. Da geht eben der Bauherr insolvent und manchmal kommt ein neuer, der dann aufkauft. Oder es bleibt eine Bauruine bis in alle Ewiggkeiten stehen. Die sieht man dann auch. Der zweite Unterschied: bei öffentlichen Bauvorhaben verderben viele Köche den Brei und reichen sich den Hut der Verantwortung gegenseitig zu. Irgendwann fällt dann auch der in den Topf mit rein.

Halten wir aber fest: Das müsste aber keinesfalls so sein. Es gibt Ursachen die nicht gottgegeben sind und kein Naturereignis. Und man muss auseinanderhalten, was sind wirklich Steigerungen der Kosten und was nicht. Übersetzt: wenn ich eine Anschaffung einer – sagen wir mal Waschmaschine – plane aber zu Beginn von falschen Preisen oder einer zu niedrigen Ausstattung ausgehe, mich dann aber vom Verkäufer zu einer (hust) überreden lasse, ist die Waschmaschine selbst nicht teurer geworden. Ich habe mir schlichtweg was anderes angeschafft als geplant. Dabei ist es völlig egal ob ein Amt baut oder eine Gesellschaft. Es geht immer darum zu entscheiden, was hat Priorität, was will man haben und was kann man ausgeben. Der entscheidende Punkt also. Es sind immer diese lästigen Entscheidungen.
Fangen wir aber mal ganz am Anfang an. Wenn die öffentliche Hand irgendetwas baut, gibt es ein „öffentliches Interesse“ (beziehungsweise die Entscheidung, dass es von öffentlichem Interesse sei, dass dieses Bauvorhaben umgesetzt wird). Von allein wird kein Bauvorhaben begonnen. Es geht dabei nur ganz selten um „einfache“ Bauvorhaben. Es können sein, ein Rathaus, ein Haus für die Kultur, eine Schule, ein Krankenhaus. Oder eine Brücke. Oder eine Straße. Es ist nun keine Selbstverständlichkeit in der Politik, dass sich immer alle darüber einig sind, was von öffentlichem Interesse ist. Weil es – wie immer im Leben – um Geld geht, was natürlich nie reicht. Das wird auch immer so sein. Logisch. Wer glaubt (oder glauben macht) dass man allen Interessen nachkommen könne und alle Wünsche auf einmal realisierbar seien hat was geraucht, ist naiv oder im Wahlkampf.

Die Kostenprognose

Halten wir fest, als erstes muss entschieden werden, Bauprojekt XY ist von öffentlichem Interesse, wichtig, nötig und genau jetzt. Nicht später. Einher geht meistens damit schon die Frage nach den Kosten. Und hier ist eine Quelle der Kostensteigerungen in Nachgang. Manche dieser vermeintlichen Steigerungen sind nämlich gar keine wie noch zu zeigen sein wird.

Niemand baut selbst. Sondern es wird ein Architekt bzw. Büro beauftragt, manchmal schließen sich auch Architekten und verschiedene Büros zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammen. Es gibt bei einem Bauvorhaben verschiedene Leistungsphasen (nach HOAI) und entsprechend dieser Phasen steigt die Klarheit darüber, was der ganze Spaß am Ende kostet. Es sei denn, man hat einen Generalübernehmer mit dem man einen Gesamtvertrag abschließt mit einer Auftragssumme und es liegt dann in der Verantwortung (und im eigenen Interesse) des Generalübernehmers, diese Kosten einzuhalten (sonst geht der nämlich Pleite  – aber dagegen hat sich Dresden entschieden. Ein solcher Vertrag ist aber auch nur die Weitergabe der Verantwortung und des „Entscheidungsortes“.

Zurück zu den Phasen, die da wären:
1. Grundlagenermittlung – die der eigentlichen Planung vorgeschalteten Maßnahmen und Überlegungen (Klären der Aufgabenstellung, Beraten zum gesamten Leistungsbedarf, Bestandsaufnahme, Standortanalyse)
2. Vorplanung mit Kostenschätzung
3. Entwurfsplanung und Kostenberechnung
4. Genehmigungsplanung –
5. Ausführungsplanung
6. Vorbereitung der Vergabe, einschließlich Ermitteln der Mengen und Aufstellen von Leistungsverzeichnissen
7. Mitwirkung bei der Vergabe inklusive Kostenanschlag
8. Objektüberwachung – Bauüberwachung und Dokumentation
9. Objektbetreuung
Zwischen einer Kostenschätzung und der Kostenberechnung kann eine große Spannweite liegen. Das mag zunächst ziemlich absurd klingen, aber beispielsweise eine Schule ist kein Einfamilienhaus und in aller Regel werden auch keine „Wiederverwendungsprojekte“ gebaut. UND – es gibt noch die Besonderheit der Nutzer. Meistens ist es so dass die künftigen Nutzer sehr lange auf dieses Bauprojekt warten mussten und bis dann nach einen Neubau ein Umbau, eine Modernisierung oder ähnliches folgen könnte, kann viel Zeit vergehen. Heißt also, wie im ganz normalen Leben auch, dass die künftigen Nutzer schon gern ein neues Domizil hätten was lange schön und modern und nutzbar bleibt.
Meistens werden die nötigen politischen Beschlüsse nach der Grundlagenermittlung oder nach der Vorplanung mit Kostenschätzung gefasst. Manchmal auch nach der Entwurfsplanung wenn schon eine Kostenberechnung vorliegt – aber auch dann können sich Baukosten ändern. Wenn nämlich Pläne geändert werden. Je später desto teurer wird das ganze dann. Logisch.
Die Frage ist – wie genau will Politik denn die Zahlen wissen? Erinnern wir uns – eine Entscheidung ist nötig. Und nicht immer sind sich alle einig, besonders weil es immer ums Geld geht. Um es kurz zu fassen: Ein beliebtes Mittel der Wahl ist, Kosten optimistisch zu sehen wenn man will, pessimistisch, wenn man nicht will. Die Wahrheit liegt dann meistens in der Mitte. Aber aus eigener Erfahrung weiss ich, dass Versuche, einigermaßen realistisch an solche Entscheidungen heranzugehen, gerne mal ideologisch abgebügelt werden. Die, die wissen wollen, was sie entscheiden, die Unterlagen lesen, sind eher weiße Raben.

Ansprüche – die nöchste Entscheidung

Spinnen wir mal weiter. Wir haben also einen Beschluss. Der kann eine Obergrenze festgelegt haben. Meistens ist das so. Aber nun kommt es darauf an, die auch einzuhalten. Da gibt es wie schon benannt, die (durchaus berechtigten) Anliegen der Nutzer. Man kann trefflich drüber streiten, was notwendig ist und was nicht. Da gibt es auch noch solche Dinge wie städtebauliche Belange, Denkmalschutz und so weiter. Es sind nicht immer die Pädagogen, die Schüler oder die Architekten, die das Besondere wollen. Manchmal ist es auch die öffentliche Hand selber. Was fehlt, ist eine Diskussion darüber – und ich behaupte, die wird bewusst umgangen. Wie wir so viele Diskussionen darüber umgehen wie wir leben wollen in einer Stadt, einem Land. Es kann also sein, dass Ansprüche an ein Bauprojekt mit den geplanten Kosten nicht umsetzbar sind. Ansprüche der öffentlichen Hand selbst, die Ansprüche der Nutzer. Und da sind wir wieder beim Thema Verantwortung. (Damit meine ich nicht die Nutzer sondern ich meine die der Politik. Es müsste dann nämlich, wenn nach dem Beschluss während des Bauens irgendetwas auftaucht, was die Kosten verändert, wieder entschieden werden, will man das oder will man das nicht. Das scheut man aber. Entscheidungen könnten dauern, politische Debatten sind immer irgendwie schwierig. Kostenkontrolle öffentlicher Bauvorhaben wäre hier ein Zauberwort. Der weiße Rabe klappert mit dem Schnabel.

Vergaben – und wieder wird entschieden

Irgendjemand muss den Bau ausführen, dazu gibt es Ausschreibungen und Vergaben. Manchmal sind Leistungsverzeichnisse nicht vollständig, manchmal werden falsche Mengen berechnet (es ist schon ein Unterschied ob man 10 Meter Kabel braucht oder 10 Kilometer). Nach einer Vergabe sieht es zunächst gut aus, dann kommt aber ein Nachtrag. Und das ist eine Gemengelage die schwer auseinanderzunehmen ist. Firmen kämpfen um Aufträge, Vergaberichtlinien zwingen die öffentliche Hand dazu, den günstigsten Anbieter zu nehmen. Ich habe meine Zweifel ob man hier einen Königsweg finden wird.

und das Sonstige

Das sind dann unvorhergesehene Dinge. Bei Neubauten kann das irgendwas mit dem Baugrund sein. Bei Sanierungen – man steckt eben nie richtig drin. Manchmal spielt das Wetter nicht so mit, manchmal gerät eine der beteiligten Firmen in Schwierigkeiten.
Und am Ende verlassen sich doch immer alle darauf, dass das Geld schon irgendwie da ist, es ist ja immer irgendwie da. Auf wundersame Weise. Oder hat wer schon mal eine Bauruine der öffentlichen Hand gesehen (noch ist der BER ja keine …) Dass Politik eingreift wenn die Kosten steigen ist ziemlich selten. Das wäre ja etwas zunächst gefühlt destruktives. Macht niemand gern.