Was kann und darf Satire …?

Die Diskussion gibt es immer wieder, was Satire kann und darf. Häufig wird sofort „Zensur!“ geschrien. Sehr schnell. Zu schnell.  Ich weiss zwar, dass Menschen dazu neigen, empfindlich auf Veränderungen zu reagieren und  man schnell in einen Generalpessimismus a la „alles wird schlimmer“ verfällt. Vielleicht entsteht eine besondere Empfindlichkeit auch durch den Versuch, sich immer wieder bewusst zu machen, dass der Mensch gegenüber auch einer ist. Jedenfalls – ich meine, es gibt eine Grenze die nur allzu leicht überschritten wird. Ich rede von Beleidigungen.  Kommunikation (im weitesten Sinn) die herab-würdigen, gezielt das Ego (oder anders gesagt die Person) angreifen und verletzen soll. Nicht mit dem Ziel, denjenigen „besser“ zu machen, nein. Sondern der, der beleidigt, tut dies um sich selbst heraufzuwürdigen. In einer Gruppe besser dazustehen.

So wie die Ausstattung eines Bücherregales sehr viel über den Eigentümer erzählt (wobei eine umfangreiche Privatbibliothek, so gut ausgestattet sie auch sein möge, nicht sofort die logische Schließung nach sich ziehen sollte, nämlicher Eigentümer hätte das Gelesene wirklich  verarbeitet und sei dadurch automatisch ein weiser Mensch), so sagt das Verhalten und Reden über andere noch mehr darüber, wen wir da vor uns haben. (Am Rande ergänzt sei dann noch der mögliche Gap zwischen Reden und Tun).

Satireist wertvoll und manchmal der einzige Weg, auf Wahrheit aufmerksam zu machen. Sie soll dafür sorgen, dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt wenn wir den tieferen Sinn begriffen haben. Aber welchen tieferen Sinn soll es haben, eine Behinderung eines Menschen, sei er nun Finanzminister oder nicht, zum Gegenstand von Satire zu machen? (Das nur mal als Beispiel weil gerade in frischer Erinnerung.) Man mag mir nun vorwerfen auch das sei legitim. Meine Antwort? Eine Frage. Was soll gesagt werden und worum geht es denn? Man mag das Handeln eines Menschen nicht gut, nicht in Ordnung, nicht gerechtfertigt finden. Ok. Klar. Aber was bitte, was hat das mit körperlichen Merkmalen zu tun? Macht ein behinderungsfreier Körper, ein faltenfreies Gesicht, ein BMI unter 20 Handeln und Verhalten besser? Das Herstellen des vermeintlichen Zusammenhangs zwischen äußerlichen Merkmalen und Tun und Sagen und Lassen verlagert die Aufmerksamkeit und behindert die Frage nach dem Warum. Den Dingen auf den Grund gehen ist eben nicht ganz so einfach und ein wirklich intelligenter Witz – oder eine wirklich intelligente Rede braucht ein bisschen mehr als das. (Verständnis-volle Zuhörer dann allerdings auch).

Satire und Politik sind engstens miteinander verbandelt. Gewissermassen eine Symbiose. Und in beidem bewegen sich die Akteure oft auf der Grenze zwischen intelligentem Witz und plumper Selbstprofilierung auf Kosten anderer. Beides findet sein Publikum. Beides … womit wir beim nächsten Fassadenkiller wären. Auch worüber man lacht ist ein Zeichen der Person dahinter. Mir sind die Menschen am liebsten, die über sich selbst lachen und sich selbst auf die Schippe nehmen können. Weil sie zu Selbstreflektion fähig sind.