Wir evaluieren uns zu Tode

Lautet der Titel einer Dissertation, die sich mit  Möglichkeiten und Grenzen von Evaluationen des Online-Lernens befasst. Passiert selten (höchstens bei Luhmann), aber ich bin ja schlichtweg begeistert. Weil: Es handelt sich um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Evaluationen – zwar im Besonderen, aber es sind zumindest hypothetisch Annahmen auf das Thema im Allgemeinen möglich.

Ja, wir evaluieren, begutachten, regeln, verbestimmen, planen und konzipieren uns noch zu Tode. Sehr oft ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Wir hätten das aber gerne und noch lieber wär es uns, wenn wir durch Veränderungen der Teile unsere Wunschsumme bekämen und genau wüssten, welches Teil wie verändert werden soll damit die Wunschsumme herauskommt. So funktioniert das aber nicht – weil der Mensch nicht funktioniert. (Maschinen schließlich auch nicht immer).

Mich beunruhigt viel mehr als die Tatsache, dass nichts so wirklich planbar ist und ganz viel nur auf Vertrauen darauf beruht, dass das Morgen schon irgendwie so laufen wird, wie wir uns das vorstellen (näheres dazu vielleicht hier: ) dieses zunehmende Bestreben, alles unter Kontrolle zu bringen und die Überzeugung, dass dies überhaupt möglich ist. Das betrifft Evaluationen, das betrifft aber auch Bereiche wie Management, Organisationsberatungen und so weiter.

Deshalb an der Stelle mal ein paar Empfehlungen (die zeigen, Soziologie ist nicht langweilig)

Stephan Kühl (allein die Buchtitel „Sisyphos im Management“, „Wenn die Affen den Zoo regieren“ und“Regenmacherphänomen“ sind so wunderbar unorthodox)

Sozialtheoristen. Die Sprengkraft soziologischer Beobachtung

Und hier noch was für die Bildungsmenschen:

Peter Baumgartner. Gedankensplitter. Zu Elearning und Didaktik

Gabi Reinmann

Jedenfalls: Keine Angst vor Evaluationen falls mal wieder eine droht. Man kann den Evaluatoren ja mal ein paar Fragen stellen…