Die Welt braucht Einhörner!

Wir, die moderne Gesellschaft. Mit modernen Rollenverständnissen, Multigender, Gleichberechtigung, Vätern, die Elternzeit nehmen und Frauenquote. Zumindest in der Theorie. Die (mindestens für Politiker_*Innen) sehr ernüchternd wirkende Realität in der „Mitte der Gesellschaft“ (was auch immer das ist) zeigt sich jedoch an Orten in Situationen, in der so manche gesellschaftlichen Konventionen außer Kraft und ganz weit weg scheinen: Am Strand.

Ein erschreckendes Bild zeigt sich da! Die Mütter harren mit stoischer Geduld in der Höhle (respektive Strandmuschel oder Kombination aus Sonnenschirm und Windschutz oder Windschutz und Sandburg) aus um jederzeit den unterkühlten, tropfenden Nachwuchs nebst zugehörigem Vater mit dem sorfältig in der Sonne gewärmten Handtuch in Empfang zu nehmen. Die Kinder werden umsorgt (abgetrocknet), unter Protest, die Väter selbstverständlich nicht. Sie trotzen heldenhaft der Physik und geben keinem angesichts möglichen Windes aufkommenden Frösteln nach.
Da der Mensch nur bedingt für länger Aufenthalt im Wasser optimiert ist, gibt es auch Phasen des gemeinsamen Aufenthalts in und vor den Strandbehausungen. Und auch da, es tut mir leid, zeigt sich Erschreckendes.
Ist Nachwuchs mit sich und dem Sand oder Altersgenoss*_Innen beschäftigt, beobachten die Väter häufig hochkonzentriert die Umwelt. Oder das Wetter. Oder das Meer. Oder so. Die Mütter sind auf wundersame Weise permanent damit beschäftigt, Sand aus Handtüchern und Kleidung auszuschütteln, selbst wenn gar keiner mehr da ist, Handtücher und Kleidung und Schuhe zu ordnen, auch wenn selbiges erst wenige Minuten zuvor getan wurde. Ordnung muss sein, es scheint ein Zeichen der Fürsorge zu sein, ähnlich dem ständigen Eincremen der Kinder was manchmal ein bisschen ausschaut wie die Schwänin, die dem Küken das Gefieder putzt.
Die Rollenteilung lässt sich auch interessanterweise an der Wasserlinie beobachten. Mütter von der Strandbehausung bis etwa 1 Meter ins Wasser hinein, Väter ab 1 Meter vor dem Wasser bis … zur Boje. Mütter bilden dabei die Eimerspül- und Kleckselburgfraktion, Väter arbeiten bevorzugt mit Schaufeln an Tief- oder Hochbauvorhaben. Mütter lesen vor und verspeisen opferbereit Unmengen Sandkuchen. Die Väter bringen dem Nachwuchs bevorzugt den Umgang mit Bällen und diversen anderen Wurfgeschossen, Keschern und Schwimmgerätschaften bei.

Droht dem Nachwuchs Gefahr wie etwa durch Raubtiere (Möwen), die den Kleinen das Essen klauen wollen (Eis, Pommes) dann teilen sich die Eltern die Verteidgung partnerschaftlich. Bei Spielzeug ist das wieder anders. Da sind die Mütter nahezu Löwinnen, die Väter üben sich in sanftmütiger Gelassenheit.

Starres Rollenverhalten überall. Überall? Nein, es gibt eine Ausnahme! Aufblasbare Einhörner. Auflasbar große Einhörner, die auf dem Wasser schwimmen können. Mütter und Töchter stürzen sich furchtlos in selbst unter 18 Grad kalte Wellen. Einhörner, die Retter der modernen Gesellschaft. Die Welt braucht mehr Einhörner!