Polittheater.

Das Polittheater hat so seine Erfordernisse. Da geht es in erster Linie um Macht. Nicht um Inhalte. Erst die Macht, dann der Rest. Es geht um Wählerstimmen. Um Öffentlichkeit. Und manchmal (vielleicht auch mit zunehmender Tendenz) spielt Politik Theater für sich selbst.  Anders lässt sich manches nicht mehr erklären.

Thema Öffentlichkeit. Öffentliche Meinung. Gefühlt ist es das, was in den Medien als Meinung, als Tagesordnung, als wichtige Themen dargestellt wird. Ob es das ist, darüber ist man sich gar nicht mehr so sicher in der Wissenschaft und diese Zweifel sind berechtigt. Dazu aber später mal.

Heute geht es um Pressemitteilungen. Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. In manchem Lehrbuch steht noch was von Informationen, die mittels Pressemitteilungen kommuniziert werden sollen. Welch Euphemismus. In Dresden wurde kürzlich der Entwurf des Schulnetzplanes der Presse vorgestellt. Darauf folgte eine Pressemitteilung dreier Fraktionen, für die ich mich als Bildungspolitikerin in Grund und Boden geschämt hätte. Ich möchte diese Pressemitteilung hier nicht in Gänze auseinandernehmen, es reicht ein Punkt, auf den ich die geschätzte Aufmerksamkeit empfehle zu lenken. Und kommentiere nicht, sondern lasse frühere Zitate für sich selber sprechen.

Also da wäre das Zitat aus besagter Pressemitteilung vom 9. August 2017:  “Die Vernachlässigung der Oberschulen ist ein Irrweg. Wer Eltern erzählt, ihre Kinder haben keine Berufschancen, wenn sie auf die Oberschule gehen, wer nur noch Gymnasien baut, erntet nur Gymnasialanmeldungen. Das ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Aber dieses Land lebt auf den Schultern seiner Facharbeiterinnen und Facharbeiter mit solider schulischer oder dualer Berufsausbildung.” In Gänze: http://www.gruene-fraktion-dresden.de/fast-ein-jahr-nach-dem-referentenentwurf-und-einem-schulbuergermeisterwechsel-liegt-der-neue-schulnetzplan-vor-und-ist-kaum-wieder-zu-erkennen/

Neue Töne, neue Töne. Wer Gymnasien baut, erntet Gymnasialanmeldungen? Wer Gymnasien baut (und fordert), vernachlässigt also die Oberschulen. Nun gut. Dazu ein Zitat aus einer Pressemitteilung, 8. Januar 2016:  „Prohlis-Süd ist laut 2. Dresdner Bildungsbericht von 2012 ein Entwicklungsraum 1, d.h. ein Stadtteil mit sehr starker sozialer Belastung und sogar, verglichen mit 2009 einer Entwicklung stark unter dem städtischen Durchschnitt. Der Stadtteil Niedersedlitz, wo sich die Windmühlenstraße befindet, dagegen gehört stabil zum Entwicklungsraum 4 mit geringer sozialer Belastung. Deshalb kämpfen wir für den gymnasialen Schulstandort in Prohlis-Süd als Entwicklungsperspektive für den Stadtteil …“ http://www.spd-dresden.de/gymnasium-prohlis-muss-schnellstmoeglich-kommen/

Und am 15.12.2015 wurde verlautbart:  „Es sind vor allem soziale Gründe, die für eine dauerhafte Errichtung von Gymnasien in benachteiligten Stadtteilen wie Gorbitz sprechen … (weiter: http://www.spd-dresden-west.de/meldungen/gymnasium-gorbitz-ist-meilenstein-fuer-eltern-und-schueler-im-dresdner-westen/)

Wer nur noch Gymnasien baut generiert Gymnasialempfehlungen? Nein, das Problem liegt woanders. Bildung ist ein Kapital. Bildungsabschlüsse sind Zugangsschlüssel. Zugangsschlüssel zum Arbeitsmarkt. Bildungsabschlüsse entscheiden über Lebenschancen. Das Eltern versuchen, für ihr Kind (meistens jedenfalls) den Weg zum höchstmöglichen Schulabschluss frei zu machen, ist völlig normal. Schließlich kämpften ja gerade diejenigen, die sich jetzt über den (angeblich überdimensionierten) Bau von Gymnasien aufregen, darum, dass Eltern entscheiden. Und nicht die Bildungsempfehlung.

Polittheater. Nur ein Beispiel.