Wir leben schon längst in QualityLand

Wissen ist Macht. Und was für eine. Wissen schafft Macht – oder schafft sie ab. Besser gesagt Menschen, die Wissen „haben“. Das ist eine Weisheit, so alt wie die Welt, aber dennoch muss man augenscheinlich immer wieder daran erinnern. Anlass für diesen Post war die Frage nach der epochtimes. Der Arbeitskollege des Fragenden postete einen Link zu einem Artikel. Epochtimes. Leitmedium der Rechten – so wird sie bezeichnet. Die Zeit schrieb kürzlich darüber – der Artikel ist zumindest mal lesenswert. http://www.zeit.de/2017/38/epoch-times-afd-alternativmedium

Zitat: „Auf den ersten Blick wirkt die Epoch Times gar nicht auffällig: Die meisten Artikel auf der Website sind Agenturmeldungen, etwa von der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Allerdings mit einer auffälligen Schwerpunktsetzung: Fast alles dreht sich um Migration, um die AfD und um Pegida. In der Rubrik „Epoch Blaulicht“ werden Berichte über Kriminalität veröffentlicht – genauer: Kriminalität durch Ausländer. Durch diese Auswahl schafft es die Epoch Times, ein rechtes Publikum anzusprechen, ohne sich selbst klar zu positionieren.
Meist werden den Agenturmeldungen reißerische Überschriften vorangestellt. Ende August kam es beispielsweise bei der Räumung eines besetzten Hauses in Rom zu einer Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Migranten. Unschöne Szenen, aber nicht ungewöhnlich. Nur vereinzelt wurde das Thema von den deutschen Medien aufgegriffen, zum Beispiel von der dpa. Die Epoch Times übernahm die Meldung und titelte: Mitten in Rom – Migranten liefern sich eine Straßenschlacht mit der Polizei. So wurde der Artikel zum Hit, die eigentlich polizeikritische dpa-Meldung wurde durch die Überschrift umgedeutet. Es funktionierte wie ein Trigger für die Ressentiments der Leser. In den Kommentarspalten entlud sich entsprechend die Wut.
Und das wichtigste zum Schluss:
So gelingt es der Epoch Times, mit wenig Aufwand eine maximale Reichweite zu erzielen. Ökonomisch gesehen eine sinnvolle Strategie: Geschäftsführer Manyan Ng erklärte gegenüber der Wirtschaftswoche, man habe lange Zeit Geld in das Medium gesteckt, das sich über Werbeanzeigen finanziert. Nun schreibe es schwarze Zahlen.

QualityLand lässt Grüßen. Das ist die Realität der Massenmedien. Informationen sind eine Ware. EINE WARE, die sich verkaufen soll. Über Klicks, über Abos und so weiter. Dabei spielt die Information an sich gar nicht die übergeordnete Rolle, sie ist Mittel zum Zweck geworden. Es ist eigentlich nichts neues, aber das Spiel wird immer mehr auf die Spitze getrieben. Gefährlich, weil Informationen aber unser Bild von der Welt bestimmen, von dem was wahr ist. Und darauf, auf ein gesichertes Weltbid, auf Vertrauen, dass das, was man sieht, hört, weiß auch stimmt, ist der Mensch dummerweise angewiesen. Hinzu kommt so eine kleine Eigenheit. Jeder von uns ist ein bisschen eines dieser kleinen Äffchen, die in allen möglichen Kanälen die Runde machen. Wir sehen nichts was wir nicht sehen wollen (und selbst wenn, dann trauen wir unseren Augen nicht.) Wir hören nicht was wir nicht hören wollen (und wenn, dann trauen wir unseren Ohren nicht). Und wir sagen nicht das was wir nicht sagen wollen (und manchmal nicht mal das was wir sagen wollen).

Allein die Auswahl an Informationen, die verbreitet werden, kann das Bild der Realität erheblich verändern. Niemand muss sich die Mühe machen, Falschmeldungen zu verbreiten. Die Auswahl reicht, die Auswahl an Nachrichten, die Aufmerksamkeit generieren. Ein Medium muss gar keine bestimmte politische Richtung haben um ein Leitmedium zu werden. Es reicht, wenn es Meldungen bringt, die „ziehen“ bei einer bestimmten möglichst großen Zielgruppe.  Und das ist das perfide daran. Man sieht es nicht von außen.

Medien wie die Epochtimes haben auch nicht das Problem vieler Verlage, dass ein Überhang (vielfältiger) Negativnachrichten letztlich zu Leserfrust und Leserverlust führen. Denn: sie sind eine Bestätigung für ihre Zielgruppe die genau das lesen will was sie dort zu lesen bekommt.

Zweifelt. Zweifel sind gut und sie sind richtig. Auch gegenüber den Medien. Aber zweifelt bitte richtig.

Wer noch nicht weiß wo Qualityland ist: http://qualityland.de/