Human ressources

eines meiner „Lieblingsworte“. Ich möchte eingangs einen Auszug aus dem aktuellen Interview mit dem sächsischen Finanzminister zitieren:

Die Verwaltung ist laut einer Studie überaltert. Weshalb können die Stellen nicht besetzt werden, wie Sie sagen?

Das Problem betrifft ja nicht nur Schulen oder die Polizei. Wir haben insgesamt einen Fachkräftemangel, der dramatisch wächst. Jedes Jahr gehen in Sachsen etwa 60.000 Menschen in den Ruhestand – es gibt aber nur 30.000 junge Menschen, die nachrücken. Das bedeutet: Auf zwei, die ausscheiden, kommt nur ein Nachfolger, was sich in allen Bereichen bemerkbar macht. Natürlich könnte man den öffentlichen Dienst kurzfristig attraktiver machen, um mehr Personal zu holen. Das ginge aber zu Lasten der Wirtschaft und würde letztlich zu weniger Steuereinnahmen führen. Der Freistaat würde also den Ast absägen, auf dem wir alle sitzen.

Halten Sie deshalb auch an der Personalstärke von 70.000 Stellen in der öffentlichen Verwaltung fest? Das würde perspektivisch eine Streichung von rund 16.000 Stellen bedeuten.

Es geht nicht um die Zahl, die politisch gesetzt wurde, sondern um schlichte Fakten. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir mit deutlich weniger jungen Menschen die Volkswirtschaft funktionsfähig halten können. Dabei geht es nicht um das Sparen um des Sparens willen – sondern darum, die noch zur Verfügung stehenden jungen Fachkräfte zwischen der öffentlichen Verwaltung und der Wirtschaft zu verteilen. Wenn die Mannschaft nur noch die halbe Stärke hat, wie Prognosen sagen, dann kann die Verwaltung der Wirtschaft nicht alle Arbeitskräfte wegnehmen.“

(Quelle: http://www.lvz.de/Mitteldeutschland/News/Die-Optionen-sind-beschraenkt)

Das politische innerparteiliche Geplänkel lassen wir heute mal beiseite, es ist irrelevant.  Nehmen wir uns viel mehr mal ein paar Zahlen vor und die Aussage, die hinter diesen Zahlen steckt.

Und halten wir uns vorher vor Augen, welche Werte und Normen momentan gesellschaftlich diskutiert werden, an der Tagesordnung sind. Wie oft wird über Bildungschancen geredet. Über Selbstverwirklichung, über das, was ein wünschenswertes, ein gutes Leben ausmacht. Über die Beseitigung von sozialen Unterschieden, von Grenzen, wir reden von Inklusion (meist ohne zu wissen was das ist und was das heißt). Wir reden davon, die Arbeitswelt attraktiver zu machen, Philosophen philosophieren über den ideellen Wert von Arbeit, der in Zukunft mehr zöhlen wird und zählen soll als die Erfordernis, Lohn zum Lebensunterhalt zu bekommen. Wir reden über Digitalisierung, die die Arbeitswelt nachhaltig und grundlegend verändern könnte. Wir reden allerdings nicht darüber wem Erleichterungen nützen, wem die dennoch geschaffenen Werte zu gute kommen.

„Mit jungen Menschen die Volkswirtschaft funktionsfähig erhalten“.  Es geht darum, Fachkräfte zu verteilen. Wie war das nochmal mit dem idealisierten Rosa-Rote-Brille-Blick? Marktwirtschaft, so lernen wir vom Maschinenbauer, heißt nicht, dass der Mensch sich seinen Lebensweg, seinen Arbeitsplatz sucht. Sondern der Arbeitsplatz sucht sich den Menschen. So oder so ähnlich.

Alle rufen sie den Fachkräftemangel aus. Und irgendwer soll es richten. Dass aber mancher Mangel genau daran liegt, dass Verdienste nicht stimmen, Arbeitsbedingungen verbesserungswürdig sind oder manche Jobs einen gesellschaftlich ganz schlechten Ruf haben – das wird gerne mal vergessen. Was sind das denn für Stellen die unbesetzt sind. Und wo sind sie. Welche Qualifikation erfordern sie und welche Möglichkeiten eröffnen sie?

Manchmal und immer öfter stellt sich mir – das ist vielleicht auch altersbedingt – die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ist es der Sinn des Lebens, eine „human ressource“ zu sein und für den Rest des Tages Konsument damit auch ja die Wirtschaft gut floriert?