Das Maß aller Dinge

An einer Dresdner Schule arbeitet eine Lehrerin, die Marathon läuft. Und zwar offenbar so gut, dass sie am New York Marathon teilgenommen hat. Man könnte das sogar als ein politisches Statement ansehen, Teil einer laufende n Vielfalt ausgerechnet in diesem Land. Vielleicht hat sie sich aber auch nur mal einen Traum verwirklicht. Menschen sollten das dürfen, gut wenn sie die Chance dazu haben – und Lehrer sind eben auch irgendwie Menschen. Also … manchmal.

Eine Meldung in einer Tageszeitung wäre das schon wert geweseen – straft Frau Gottwald doch so einige Lehrerklischees Lügen. Lehrer können was anderes als im Klassenzimmer stehen, sie können sogar richtig gut Sport, sie sind zäh und hartnäckig und sie schaffen sogar einen Flug nach New York. Ironie wieder aus.

Was stand in der Zeitung? Überschrift: „Dürfen Lehrer in der Schulzeit frei machen“. Hintergrund war offenbar eine anonyme (!) Mail einer Mutter, die sich beschwert hat, dass Frau Gottwald an dem Marathon in der nicht unterrichtsfreien Zeit teilgenommen hat. Klar, irgendeiner ist ja schuld am Stundenausfall. Anonyme Müttermails, da fallen mir so ein paar nette Begebenheiten aus meiner Zeit als Kreiselternratsvorsitzende ein. Anonyme Mails lese ich auch heute sehr viel. Der Inbegriff der Feigheit.  Nur – wie wurde diese Mail Thema des Artikels bei dem dann der Frage nachgegangen wurde, dürfen Lehrer nun in der Schulzeit frei machen oder nicht? Fragt eigentlich irgendjemand nach den Urlaubsregeln für Journalisten? Die Fragestellung im Zusammenhang mit dem Unterrichtsausfall zeigt eine erschreckende Unsachlichkeit. Schuld am Stundenausfall sind nicht die Lehrer sondern die Verantwortung dafür trägt – von oben nach unten – das Land Sachsen und dessen nachgeordnete Behörden.  Dürfen Journalisten auch Sinnvolles schreiben – eigentlich?

Hier geht es zu dem Artikel – und wieder frage ich mich: Was ist der Informationsgehalt, was die Nachricht, was soll der Artikel eigentlich? Was ist denn nun das Berichtenswerte? Dass eine Mutter eine anonyme Mail schrieb? Dass der Schulleiter die Teilnahme am Marathon nicht verhindert hat? Dass er nicht bei der Bildungsagentur gefragt hat? Was solls also?

https://www.sz-online.de/nachrichten/duerfen-lehrer-in-der-schulzeit-frei-machen-3812909.html

Der Folgeartikel zeigt es wohl: Man hat eine gewisse Aufmerksamkeit generiert, bringt Klicks, der Artikel wurde auf SZ-Online kommentiert und man bastelt aus den Kommentaren einen neuen Artikel. Erinnert mich wieder irgendwie an Qualityland und Sandra Abteilungsleiterin. Hier ist übrigens der Folgeartikel.

http://www.sz-online.de/nachrichten/rueckendeckung-fuer-freigestellte-lehrerin-3813698.html

Mir ist nicht bekannt welche Fächer die betreffende Lehrerin unterrichtet. Aber Sie oder ihre Kollegen haben ein schönes Unterrichtsmaterial gewonnen. Für  die Vermittlung von Medienkompetenz.

Das Maß aller Dinge – Aufmerksamkeit.

Es geht auch anders: http://www.nw.de/lokal/kreis_hoexter/hoexter/hoexter/21971910_Hoexteranerin-laeuft-den-New-York-City-Marathon.html