Entweder oder nicht

Das Bundesverfassungsgericht hat es nun gefordert, das dritte Geschlecht im Geburtenregister. Heikles Thema, die meisten der Debatten darum sind ziemlich unsachlich. Es wird gelästert, gemeckert, sich abgewandt, manchmal sogar angewidert. Es geht da aber immer irgendwie über Unisex-Toiletten oder ähnliche Unwichtigkeiten.

Ich bin mir nicht ganz sicher ob die Dimension dessen, was da entschieden wurde, so ganz klar ist. Was  ist zum Beispiel mit den gerade im Bereich Bildung lang erkämpften Maßnahmen zur besonderen Förderung von in der Schule benachteiligten Jungen, der Forderung, endlich „mehr Männer“ in Kitas und Grundschulen zu bringen, den Girls-Days und der Frage, wie man Mädchen zu mehr Selbstvertrauen beim Kopfrechnen verhilft? Das Geschlecht ist ein soziales Konstrukt. In Ordnung. Also weg von dieser Dichotomie. (Ich habe als Bildungswissensschaftler noch keine Idee wie eine angemessene und an den Bedürfnissen der Kinder orientierte Förderung aussehen kann – denn sie dann als Mädchen oder Jungs zu „behandeln“ wäre grundfalsch.)

So vieles machen wir am Geschlecht fest. Geschlechtsspezifische Besondereiten als Potential. Da wird dann die Biologie oder die Psychologie als Begründung herangezigen Ich erinnere mich an nicht nur) Fachartikel über „weibliche Führungstugenden“.

Frauen sind bevorzugt aufgefordert, sich zu bewerben. Das ist dann dem dritten Geschlecht gegenüber diskriminierend. Der Girls-Day auch.

Wir sind noch lange nicht in einer Gesellschaft angekommen, in der man von Gleichberechtigung reden kann. Und zwar der der Menschen.  Ich oute mich als Pessimist und finde, wir bewegen uns anstelle hin zu einer inklusiven Gesellschaft weg davon zu einer besonderheitsorientierten Vereinzelungsgesellschaft in der manches aus dem Fokus gerät.