So rassistisch und sexistisch äußern sich Profs an deutschen Unis

So rassistisch und sexistisch äußern sich Profs an deutschen Unis

Aufschrei. Aufschrei? Woher kommt eigentlich der Glaube, die Überzeugung, Erwartung, Hoffnung, dass Professoren an Universitäten anders sind als der Rest der Welt? Wer glaubt, dass Bildungsnähe, wirtschaftliche Absicherung, die Ermangelung von Existenzängsten aufgrund eines ziemlich komfortablen sozialen Status die Menschen „besser“ macht – der hat irgendwas nicht ganz verstanden. Und Heitmeyer nicht gelesen.  Dieser Irrglaube ist nicht nur naiv, er ist gefährlich. Verdammt gefährlich. „Wir sprechen in dem Zusammenhang von einer „rohen Bürgerlichkeit“. Es ist die Verachtung derer, die sich selbst als Leistungsträger erheben wollen. “ Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-82995572.html

oder auch: „“Diese rohe Bürgerlichkeit lässt sich in ihrer Selbstgewissheit nicht stören: Die Würde bestimmter Menschen und die Gleichwertigkeit von Gruppen sind antastbar:“ http://www.deutschlandfunk.de/wo-sich-die-rohe-buergerlichkeit-zeigt.1310.de.html?dram:article_id=194532

10 Jahre hat Heitmeyer und seine Forschergruppe die „Deutschen Zustände“ untersucht. Die Befunde zeigen: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit grundsätzlich ist nicht das Privileg irgendeiner ungebildeten Unterschicht. Ganz und gar nicht.  Was sind die Deutschen Zustände? Lassen wir die Frage Herrn Heitmeyer selbst beantworten:  „Es war die größte und am längsten laufende Untersuchung zu dem, was wir gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nennen. Dabei geraten bestimmte Menschen allein aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit in den Fokus von Abwertung, Diskriminierung und Gewalt – unabhängig von ihrem individuellen Verhalten. Wir konnten langfristige Entwicklungen aufzeigen. Es wäre angesichts der heutigen Lage wichtig weiterzumachen. Ich hoffe daher, dass mein Nachfolger Andreas Zick die erforderliche Unterstützung erhält, um weiter arbeiten zu können. Das Ausmaß von Vorurteilen, Abwertungen, Diskriminierungen und Gewalt ist keine Naturkonstante, sondern abhängig von gesellschaftlichen Verhältnissen. Deshalb sind Langzeituntersuchungen so wichtig. Sie sind aber auch rar. Was für mich die Frage aufwirft, ob diese Gesellschaft – ob ihre Interessengruppen, Eliten, Medien und politischen Institutionen – das überhaupt wissen wollen. – Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/24954352 ©2017

In diesem Zusammenhang – Integration. Was ist eigentlich Integration, auch hier liefert Herr Heitmeyer ein treffendes und klares Bild:

„In unserem Verständnis geht es erstens darum, ob jemand Zugang zu den Funktionssystemen wie z. B. Arbeit hat und dadurch Anerkennung erwerben und genießen kann. Zweitens stellt sich die Frage, ob man als Einzelner oder als Gruppe bei öffentlichen Angelegenheiten eine Stimme hat und wahrgenommen wird, denn dadurch entsteht moralische Anerkennung als Bürger. Drittens geht es um die Anerkennung der individuellen Integrität und die der eigenen Gruppe, um dadurch emotionale Anerkennung und Zugehörigkeit zum Gemeinwesen zu entwickeln. Unsere Untersuchungen zeigen sehr deutlich: Überall, wo es massive Anerkennungsdefizite gibt, kommt es zu Abwendungen oder Rückzügen. Wer sich in seinen Umgebungen nicht anerkannt fühlt, wendet sich jenen zu, in denen es Anerkennungsquellen gibt. Das können Gruppen sein, die gesellschaftlich nicht anerkannt sind. Der Einzelne findet dann wenigstens in dieser Gruppe seine Anerkennung – und sei es mit Gewalt. Eine solche Anerkennung ist dann immer noch mehr wert als gar keine. Man muss das immer betonen, und ich tue das seit Langem: Man darf den Begriff Integration nicht reservieren für Migranten und jetzt Flüchtlinge. Auch viele der sogenannten seit Generationen hier lebenden Deutschen sind nicht integriert, insbesondere was die Anerkennungsgefühle und –erfahrungen angeht.“– Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/24954352 ©2017

Man kann sich jetzt also über die Professoren aufregen. Und morgen findet vielleicht jemand heraus, Studenten sind nicht besser. Oder aber – wir schauen mal auf die Deutschen Zustände und WOLLEN wissen. Und uns nicht nur empören. Das hilft nämlich ganz und gar nichts.
Vielleicht – aber nur vielleicht – helfen die momentanen Empörungswellen aber einmal darüber nachzudenken, ob unsere „Eliten“ wirklich welche sind. Eine Elite, die sich über andere erhebt. Gesamtgesellschaftlich gesehen schwierig.