The Others

Nein, nicht der Film mit Nicole Kidman – obwohl er schon etwas mit dem Thema zu tun hat. Geht es doch um eine Mutter mit ihren beiden Kindern, die, in einer Villa irgendwo im englischen Nichts wohnend – sich auf einmal von bösen Geistern umgeben sieht. Nichts davon ahnend, dass sie selbst einer ist. Ein Geist.

Die Anderen und ich.  Ich bin ich und nicht die Anderen. Das lernt ein Kind sehr früh und das ist auch etwas völlig normales und lebensnotwendiges. Selbs-Bewusstsein hat etwas damit zu tun, sich selbst als etwas und jemanden in der Unterscheidung von der Umwelt und von eben „den anderen“ zu erkennen. ABER: noch bevor sich ein Kind sich selbst bewusst wird, ist es schon jemand. Merkmale machen uns für „die Anderen“ auch zu „Jemandem“.  Blaues Bändchen, rotes Bändchen. Hautfarbe. Aussehen. Eltern.  Fanschal. Herkunft. Religion. Politische Überzeugung.

Othering – die anderen sind nicht wie wir – und deshalb machen oder denken sie falsch, sind weniger wert, blöd, müssen bekämpft werden. Der Begriff steht im engen Zusammenhang mit Forschung zu Rassismus und Gruppenbezogener Fremdenfeindlichkeit. Und ich frage mich manchmal, ob wir nicht viel weiter „unten“ anfangen sollten wenn wir über gesellschaftlichen  Zusammenhalt reden.  Und dabei auch einmal das eine oder andere Tabu brechen. Neuordnung bringt immer erst einmal Unordnung mit sich. Auch im Denken, aber ich glaube, das ist notwendig,. Schauen wir mal nach Dresden: Wenn die einen Dresdner über die anderen Dresdner reden. Es gibt viele Linien in dieser Stadt die als Cathegory of Othering dienen können. Brücke. Fußball. Bienen. Architektur. Die Höhe des Wohnortes über dem Meeresspiegel (innerstädtisch liegen Welten dazwischen). Oder auch Bildungsgrad. Auch Eliten sind nicht frei von diesen Dingen. Othering ist kein Privileg einer imaginären Unterschicht, nicht das Merkmal der ungebildeten, im Gegenteil. Das Herabblicken auf Andere grundsätzlich. Sich für Besser halten weil … Das ist Othering. Leider ist dass dem Menschen so verinnerlicht, dass er sich gar nicht bewusst ist, auf andere herabzublicken (oder andere gar nicht erst wahrzunehmen.) Ich habe meine Zweifel dass es jemals gelingt, daran etwas grundlegend zu ändern. Denn schon in der Überzeugung, etwas richtig zu machen liegt die Gefahr – denn „die Anderen“ – die machen ja was falsch.