Politische Bildung. Gefordert als Heilmittel gegen gesellschaftliche Verwerfungen unserer Zeit. Aber worüber reden wir?

Wikipedia sagt: „Ihr Ziel ist, Zusammenhänge im politischen Geschehen zu erkennen, Toleranz und Kritikfähigkeit zu vermitteln und zu stärken, damit zur Herausbildung und Weiterentwicklung von aktiver Bürgerschaft, gesellschaftlicher Partizipation und politischer Beteiligung beizutragen.“

Das BMI sagt: Die Politische Bildung hat folgende Ziele:

  • Sie soll Bürgerinnen und Bürgern Wissen und Kompetenzen vermitteln, mit denen sie sich ein eigenes Urteil bilden und selbstbestimmt Entscheidungen fällen können.
  • Sie soll Bürgerinnen und Bürger dazu befähigen, die eigene Situation zu reflektieren, Selbstverantwortung und Verantwortlichkeit für die Gesellschaft zu erkennen, zu übernehmen und gestaltend auf Prozesse einzuwirken.

Soweit so gut. Was aber heißt es konkret. Analysieren wir mal den Bildungsbedarf.

– Wissen
– Kompetenzen
– Erkennen von Zusammenhängen
– Urteilsfähigkeit
– Entscheidungsfähigkeit
– Reflektionsfähigkeit
– Kritikfähigkeit
– Toleranz
– Gemeinsinn
– Verantwortungsgefühl
– Eigenverantwortung
– Gestaltungswillen
– Gemeinsinn

Das meiste davon sind soziale Kompetenzen. Kompetenzen, die immer zum Tragen kommen – oder eben auch nicht.  Eine Frage der – Verzeihung für dieses altertümlich-konservative Wort – Erziehung.
Wissenserwerb über gesellschaftliche Zusammenhänge. Da reden wir über Mechanismen von Macht, da reden wir über das, was Parteien ausmacht und was nicht, da reden wir über Medienwirkung, über Psychologie.  Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, die eine eigene Urteilsfähigkeit erlauben – das heißt: Aufklärung. Die Entzauberung der Welt. Das bedeutet, aufzuzeigen, wie Machtstrukturen, Machterreichung und Machterhalt in der Politik funktionieren. Sichtbar zu machen wie viel Macht jemand hat – oder nicht hat. Zu beleuchten, wie politische Rhethorik funktioniert. Und wie man Massen begeistert und mobilisiert. Warum sich erwachsene Parteimitglieder manchmal verhalten wie Groupies im Teenageralter. Das bedeutet aufzuzeigen, wie realistisch solche Schlagworte wie Chancengerechtigkeit in der bestehenden Gesellschaft sind. Dass sich durch die steigende Anzahl von Abitur- oder Hochschulabschlüssen nicht das Verhältnis zwischen gut und weniger gut bezahlten Arbeitsplätze ändert. Welche Abhängigkeiten und Zusammenhänge in einer globalisierten Welt bestehen. Und dass es nicht eine imaginäre ungebildete Unterschicht ist, die der politischen Bildung bedarf, im Gegenteil.

Politisierte Bildung ist unbequem.  Es könnte sein, dass es nicht mehr so einfach ist, Feindbilder aufzubauen. Es könnte sein, dass viel mehr Privilegien hinterfragt werden, es könnte sein, dass es nicht mehr so einfach ist, einen Schuldigen für Unzufriedenheit zu finden – und nicht mehr so einfach ist, auf irgendeinen Entscheidungsträger einzuprügeln – weil deutlich wurde dass die gewünschten Entscheidungen gar nicht vom vermeintlichen Träger getroffen werden können. Es könnte sein, dass einiges durcheinander gerät. Auch das eigene Weltbild.