Schuldfragen

„…Wieso die Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer einstürzte , soll nun ein Statiker klären . In den Medien wurden schwere Vorwürfegegen die Stadtverwaltung erhoben . Demnach habe ein Gutachten aus dem Jahr 2012 die weitereLebensdauerder Brücke auf maximal fünf bis sieben Jahregeschätzt . Die Spannseile seien durch Rost geschwächt gewesen.“

Wir reden hier von Prag. Brückeneinstürze sind sonst eher weit weg. Kann ja bei uns nicht passieren, sowas. Doch. Es kann. Betroffen sind immer Menschen, es gibt Verletzte, manchmal auch Tote. Und zu Recht wird gefragt, warum, wie konnte das passieren. Aber die Frage zielt selten darauf ab, wirklich eine Antwort zu finden. Denn mit einer Antwort muss man umgehen und Konsequenzen ziehen. Etwas tun. Bauen. Eine Veranstaltung nicht genehmigen, manchmal auch vorsorglich, einfach um jedes Risiko auszuschließen (was gar nicht geht, auch wenn Mensch das gerne hätte). Und das will auch immer niemand. Dann sind die Behörden weltfremd, ängstlich, übervorsichtig, haben keine Ahnung. Lesen wir mal den Artikel in den DNN weiter:

„Oppositionspolitiker kritisierten, der Unterhalt der Brücken in der Moldaumetropole werde seit Jahren vernachlässigt . …“

DAS geht dann immer ganz schnell. Politisch braucht man eine Schuldzuschreibung. Macht sich gut in der Öffentlichkeit. Und rechtlich – rechtlich wird es auch mindestens eine konkrete Person geben, die zur Verantwortung gezogen wird. Auch wenn die einzelne Person dieses Unglück hätte gar nicht verhindern können.

Nehmen wir mal an, die Stadtverwaltung in Prag hätte seit Jahren gewarnt und gesagt, wir brauchen für diese Brücke Geld für die Sanierung. Der Stadtrat hat es aber nicht bereitgestellt. Eine Sperrung wurde in Erwägung gezogen, vorgewarnt, angekündigt. Aber aus nachvollziehbaren Gründen noch nicht vollzogen. Wer ist schuld?