Schnee

Es klang ja schräg. Skicup am Elbufer. Ob das nun Spaß macht, bei knapp über Null im feuchten nebligen Wetter über nasse Eiskügelchen, darüber kann man geteilter Meinung sein. Man kann auch über Skizirkus und Profisport im Allgemeinen geteilter Meinung sein. Oder über Events im Allgemeinen.

Was aber völlig bekloppt (Entschuldigung) unsachlich, unsinnig,  unglaubwürdig ist, das ist diese Hysterie. „Was erlaube sich Dresden da!“

Nette Nebenepisode: Da twittert eine Journalistin des öffentlichen Rundfunks, der Schnee müsse aus dem Fichtelgebirge (!) herangekarrt werden. Wenn man nichts zu sagen hat, oder keine Ahnung, dann soll man besser den Mund halten, wusste schon Klopfer.  Der Schnee kam zum Teil vom Fichtelberg, also echt regional eingekauft, und der große Rest entstand in Klotzsche. Vielleicht spendet der Skiverband oder die DMG der Dame mal einen Atlas.

Realsatire ist die Aufregung um die Frage der – Achtung – Nachhaltigkeit aber schon. Und hier zitiere ich mal einen ehemaligen Fraktionskollegen :

Grundsätzlich finden ich einen Diskurs in der Sache sehr wichtig. Allerdings sollte man vorher sich grundsätzlich mit der Problematik Wintersport in unseren Breitengraden auseinandersetzen. Wenn die hier geäußerte Kritik ehrlich gemeint ist dann sollte konsequenterweise jede Form von Wintersport abgelehnt werden. Erinnern wir uns einmal wie Wintersport entstand. Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf fand auf zugefrorenen Seen und Flüssen statt. Heute baut man dafür riesengroße Hallen und Freiluftanlagen und kühlt mit Ammoniak. Skispringen machte man von natürlichen Hügeln mit aufgeschütteten Schneebergen als Absprung. Heute werden dafür Berge gesprengt und zubetoniert. Bob und Rennschlitten fuhr man auf Natureisbahnen. Heute werden dafür Betonschlangen in die Landschaft gebaut und auch hier wird mit Ammoniak gekühlt. Und nun zum Langlauf und Biathlon. Glaubt ein jeder wirklich das da einfach nur durch den Wald gelaufen wird. Man schaue mal nach Oberhof oder nach Altenberg oder in andere Skigebiete. Hier werden mit gigantischem Aufwand ganze Skistadien gebaut, hier werden Strecken planiert, hier werden stationäre Beschneiungsanlagen gebaut. Meckert da jemand über die ökologischen Auswirkungen. Man kann den Wintersport kritisieren, aber ich erwarte von einer Landtagsabgeordneten dann die konsequente grundsätzliche Kritik. Insbesondere auch am Eissport in der eigenen Stadt.“

Richtig. Denn die grundsätzliche Kritik – so wird nämlich deutlich, was der Gegenstand der Kritik ist, die scheut man in dieser Diskussion. Wohl nicht ganz ohne Grund. Denn, machen wir doch mal weiter. Beim Wintersport, dem ganz privaten. Jeder, der in den Skiurlaub fährt um dort  mit einem Lift den Berg hoch- und eine möglichst noch kunstbeschneite, vorher von Bäumen und anderem natürlichem Unbill befreite Piste runterzubrettern, gehe in sich, halte die Klappe und buche einen Wanderurlaub und schaut sich mal ein Skigebiet im Sommer an.

Die öffentlich-rechtlichen recherchieren hoffentlich bei den nächsten Wintersportwettkämpfen die komplette (!) Umweltbilanz einschließlich des Energieverbrauchs durch twitternde Journalisten und Doppelpräsenz beider Anstalten. Wie ist eigentlich die Umweltbilanz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks…? Genug der Unsachlichkeit.

Es geht nicht um das Kinderspiel, wenn der kann, dann will ich auch. Es geht um diese unsinnige aufmerksamkeitsheischende punktuelle Hysterie. Und es wird deutlich: es geht um (politisch motivierte) Aufmerksamkeit. Mit Nachhaltigkeit hat das nichts zu tun.