Wie man sich einen Ruf erarbeitet

Früher, also ganz früher, im vorigen Jahrtausend, da wollten meine Eltern uns Kindern Freiraum vom Stadtleben verschaffen. Ein Garten. In Weißig. Also beinahe jedenfalls, in der Nähe des Marienbades. 400 Quadratmeter Kinderparadies mit viel Wald in der Nähe und einem – meinem -Kletterbaum. Nomen est Omen, ich weiss nicht mehr was für ein Baum, aber hochklettern konnte man. Nun, es war alles schön, meistens verbrachten wir die Tage auf dem Fahrrad, im Wald, im Bad, draußen.

Es gab einen Wermutstropfen. Nicht der Maschendrahtzaun. Aber sowas ähnliches. Unsere Nachbarn ringsum hatten die Angewohnheit, neue Pflanzen direkt auf die Grundstücksgrenze zu setzen. An sich kein Problem, aber bei 400 Quadratmetern ist das doof, vor allem wenn es sich um Nadengehölze und größere Sträucher handelt. Alle Pflanzenfreunde, Stadtbegrüner, Umweltschützer und ehemalige Parteikollegen lesen jetzt mal weg. Jedenfalls schimpften die Erwachsenen ziemlich viel. Und meinten, „da müsste man mal“ … denen die Meinung sagen, die Heckenschere nehmen …

Der andere Nachbar, auch noch dienstlich mit meinen Eltern verbandelt und dummerweise eine Hierarchiestufe höher, pflegte unseren Garten gern als Weg zu nutzen. Kann man mögen, muss man nicht. Auch da – man müsste mal …

Eine ganze Weile hörte ich mir das stillschweigend an. Die Pflanzen wuchsen, der Trampelpfad verfestigte sich, die Erwachsenen regten sich weiter auf. Zu den Nachbarn aber sagte niemand was. Eines schönen Tages – ich hatte mal wieder einen Anti-Unkrauteinsatz hinter mir, habe ich Heckenpflanzen genau dahin gesetzt wo der Weg war – und griff zur Heckenschere an der Grundstücksgrenze. Fein säuberlich. Einer muss ja mal – machen was kein anderer machen möchte. Sagen was kein anderer sagen möchte. Klären, was kein anderer klären möchte.

Es gab Ärger, natürlich, aber das ist manchmal so. War mir nicht wichtig. Das Problem war bereinigt. Und das blieb so. Bis heute. So erarbeitet man sich seinen Ruf.

Clicker …

Oder auch Abstimmungstools. Man verwendet sie in Vorlesungen beispielsweise. Aber warum? Und Wozu? Man glaubte herausgefunden zu haben, dass die Verwendung dieser Clickerdinger die Anwesenheit in Vorlesungen erhöhte. Und irgendwie auch das Lernergebnis. Kann sein. Kann auch nicht sein.

Für mich (mal wieder) der Anlass darüber nachzudenken, warum manche Dinge so sind wie sie sind, so gemacht werden und nicht anders (oder gar nicht). Ist alles das, was wir tun, haben, lassen, nutzen, reden, schreiben … wirklich nötig, sinnvoll, gut für irgendwas? Diese Clickerdinger da haben einen gewissen Unterhaltungswert. Und klar ist es ganz schick, zu sehen wie Komilitonen eine Frage beantworten. (Im Stadtrat ist das nicht ganz so wichtig, da dauerts noch mit de Einführung der Abstimmungsanlage, aber ok, Politik hat nicht zwingend was mit Lernen zu tun und Unterhaltungswert hat so manche Sitzung auch ohne Abstimmungsvisualisierung).

Jedenfalls frage ich mich als Student warum  ich mit manchem Zeugs zugeschüttet werde. Und ich frage mich manchmal, warum ich manche Artikel in der Zeitung lesen muss. Was interessiert mich, wer mit wem und wer sich gerade selber feiert. Was soll das – um Herbert zu zitieren, WAS SOLL DAS? Man kann das Ganze wunderbar weiterspinnen. Ich war dienstlich mal bei einem Termin und kam überrascht zurück, was es so für (gut dotierte) Jobs gibt. Für Politikwissenschaftler! Ein Kollege sagte mir zum Trost, er sei irgendwann mal zu der Erkenntnis gelangt, es sei auch Aufgabe einer Gesellschaft, Arbeitsplätze im Sinne von Beschäftigung zu schaffen. Ja. Ist wohl so. Wie viel Beschäftigung fiele weg wenn man nach Notwendigkeit fragte und nach dem tatsächlichen Grund für Tätigkeiten, Aufgaben. Und nein, nicht nur in der Bürokratie. Aber auch da.

Nun, vielleicht ist es ja ein kleiner Stachel, dieses Warum und Wozu.  Es ist nämlich auch völlig ok, Dinge zu tun weil sie Spaß machen. Weil man es genau so möchte…

E und U oder: meine ganz persönliche Rezension

U und E. Verschiedene Welten gewissermaßen. Ernste Musik und Unterhaltungsmusik. Schon in den Bezeichnungen wird deutlich, was den Unterschied ausmacht. Ernste Musik ist was „richtiges“, das ist schwer, das muss man üben. Und Unterhaltungsmusik, naja. So oder so ähnlich. Und sicher, dass, was da heute so in der Musikszene meint sich produzieren zu müssen – Menschen Leben Tanzen Welt.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, auch in Dresden. Und deshalb war es ein wie ich finde sehr mutiges Experiment, was die Intendantin der Philharmonie sich da ausdachte. Roland Kaiser und die Philharmonie in einem Konzert.Irgendwann bekam ich die Noten in der Chorprobe. Und musste lachen. Chapeau! Was gab es nicht für Diskussionen um diesen Saal. Und als ehemalige Stadträtin kann ich das auch so offen schreiben. Habe ich es doch selbst erlebt. Wie oft wurde aus politischen und anderen Kreisen der Philharmonie hochkultürlicher Standesdünkel vorgeworfen und dass sie zwar gerne städtische Förderung in Anspruch nähme, aber sonst für den Normalbürger nicht so sehr viel übrig habe. Dem Vorurteil wurde schon zur Eröffnung sehr deutlich und erfolgreich begegnet. Und nun ein gemeinsames Konzert mit Roland Kaiser, DEM Schlagerstar, dessen Konzerte innerhalb weniger Stunden ausverkauft sind, der Zehntausende auf die Elbwiesen zieht, dem die Dresdner sogar ihre Ehrenmedaille geben wollen. Experiment geglückt und die Eröffnung vollendet. Denn: Nicht weniger der Konzertbesucher waren vorher in der Bibliothek!

Nun also. Zunächst mal wurde ich aber mit meinen eignen Vorurteilen konfrontiert. Nix mit „so ein bisschen ah im Hintergrund“. Natürlich wird bei weitem nicht so viel vom Stimmumfang abgefordert und der Text hält sich in Grenzen. Aber damit es so klingt wie es klingen soll, braucht es Übung und Konzentration.  Das, was scheinbar spontan und einfach aussieht, ist es mitnichten. Zwar tut man immer gut daran, sich nicht nur aufs Gehör zu verlassen, sondern immer dem Dirigenten und den Noten zu folgen, so ist es auf der Bühne im U-Metier durch die Tontechnik noch mal was völlig anderes.

Ein Publikum, was „mitgeht“, sich von Musik mitreissen lässt ist immer wunderbar. Man spürt auf der Bühne sehr genau wie die Stimmung im Saal ist. Für uns ist ein Publikum was still sitzt und aufmerksam zuhört, normal. Und irgendwie schien es am Anfang so zu sein dass das Publikum nicht so recht wusste, darf man in diesen neuen heiligen Hallen und mit der Philharmonie nun trotzdem richtig Stimmung machen oder ist eher gutes Benehmen angesagt? Früher oder später wars dann klar. Man durfte. Und die meisten haben auch. Ich kann nur sagen, es hat irre Spaß gemacht, mal den Job als Unterhalter auszuprobieren. Und ich würde mal vermuten, die Dresdner haben ihren eigenen David Garrett gekürt.

KuPa Historie im Fernsehen

Eine der im Film interviewten und mit der Reinigung der „Roten Fahne“ beschäftigen Studentinnen antwortete, der Sozialismus gehöre nun mal zur Geschichte Dresdens und Deutschlands und dies können man nicht verbergen.
Kunst und Architektur sind immer Teil und Spiegel der sie hervorbringenden und umgebenden Gesellschaft. Deshalb ist Denkmalschutz weit mehr politisch als man glauben möchte. Manchmal scheint mir, gerät gerade dieser Aspekt in Vergessenheit. Zum Beispiel wenn es um eine ehemalige Kantine geht, die, herausgelöst aus ihrem eigentlichen Zusammenhang, der ihren Zweck ergab, mit anderer Nutzung so irgendwie stehen bleiben soll. Eine Hülle der Hülle wegen. Aber gut. Not my Business.
Was mich am Beitrag ärgert ist, wie die verkürzte Darstellung der Dresdner Chorlandschaft. Ist nur ein Kleinigkeit, aber es gab nicht nur Pionier- und Teddywedeltrallala. Und das ist sehr sehr schade. Denn: Der Kinderchor der Dresdner Philharmonie (heißt heute noch so) und der Kinder- und Jugendchor des Pionierpalastes Dresden (heute: Mädchenchor Schloss Albrechtsberg), beide sehr oft auf der alten Bühne zugange, haben neben einer sehr intensiven Ausbildung in Musiktheorie, Rhythmik und Gesang etwas vermittelt was unserer Gesellschaft fehlt. In einem (gut geleiteten) Chor lernt man, in einer Gemeinschaft aufzugehen, ohne sich selbst dabei aufzugeben. (Zitat geklaut). Und ja, man muss sich an Regeln und sich selber im Griff (be)halten, sonst klingts halt nicht. Man lernt was fürs Leben.

Ungnädig

Zugegeben, heute ist nicht so ganz mein Tag. Vielleicht machen sich nun die letzten Wochen endgültig bemerkbar, jedenfalls finde ich es zu kalt, zu grau und überhaupt fehlt es an etwas Frohsinn.

Man soll in solchen Stimmungslagen nicht zu Hause hocken, davon wirds nicht besser. Also Stadtbummel und Cafebesuch. Das Cafe Latte Art. Mädels, Schokolade könnt Ihr. Kaffee bestimmt auch. Aber beim Tee … ne, das war nix und das liegt nicht an meiner suboptimalen Laune. Die bestaussehendste Teekarte nützt nichts wenn alle grünen Tees „aus“ sind. Oolong, angeboten als „grün“ ist nun mal kein grüner Tee, auch wenn der Milky durchaus ein wohlschmeckender ist, besonders wenns kühl ist. Bis hierher alles nicht schlimm. Aaaaaber: Bitte bitte bitte könnten irgendjemand mal in die meisten Cafes dieser Stadt die Kunde tragen, dass bei grünem oder schwarzen Tee heißes Wasser und Tee bitte getrennt an den Tisch gebracht werden?! Sonst wird es nämlich bitter für den Gast, besonders dann wenn die Lokalität gut besucht ist.  Es passte also irgendwie. Murphy lässt grüßen.

Nun bin ich manchmal – man möge es mir nachsehen – ganz froh wenn ich mal ein paar Stunden nichts höre und sehe was mit Politik zu tun hat – wobei das eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist, ich formuliere es differenzierter: wenn mich niemand auf solche Themen anspricht (und das ist auch kompliziert). Was also passiert: Eine Demo. Mit bewundernswert ausdauernden Sprechchören. Am Nebentisch erst Gemurmel, dann Schweigen und dann der in Form deutlich lauterer Diskussion geführte Beweis: Demonstrationen überzeugen nur bedingt. […]

Irgendwie nicht so mein Tag. Nun kann ich den aber nicht einfach für erledigt erklären. Wär ich Pessimist, würde ich darauf wetten was einer Chorkollegin kürzlich passierte. Da ging dann mal einfach so die Toilettentür nicht wieder auf. Das ist in einer Konzertpause dann eine mittlere Katastrophe. Was gibt es noch so? Text vergessen. Noten liegen lassen. Ne Laufmasche in der letzten Strumpfhose.

Ne Leute. Pessimismus ist irgendwie doof.

 

Was kann und darf Satire …?

Die Diskussion gibt es immer wieder, was Satire kann und darf. Häufig wird sofort „Zensur!“ geschrien. Sehr schnell. Zu schnell.  Ich weiss zwar, dass Menschen dazu neigen, empfindlich auf Veränderungen zu reagieren und  man schnell in einen Generalpessimismus a la „alles wird schlimmer“ verfällt. Vielleicht entsteht eine besondere Empfindlichkeit auch durch den Versuch, sich immer wieder bewusst zu machen, dass der Mensch gegenüber auch einer ist. Jedenfalls – ich meine, es gibt eine Grenze die nur allzu leicht überschritten wird. Ich rede von Beleidigungen.  Kommunikation (im weitesten Sinn) die herab-würdigen, gezielt das Ego (oder anders gesagt die Person) angreifen und verletzen soll. Nicht mit dem Ziel, denjenigen „besser“ zu machen, nein. Sondern der, der beleidigt, tut dies um sich selbst heraufzuwürdigen. In einer Gruppe besser dazustehen.

So wie die Ausstattung eines Bücherregales sehr viel über den Eigentümer erzählt (wobei eine umfangreiche Privatbibliothek, so gut ausgestattet sie auch sein möge, nicht sofort die logische Schließung nach sich ziehen sollte, nämlicher Eigentümer hätte das Gelesene wirklich  verarbeitet und sei dadurch automatisch ein weiser Mensch), so sagt das Verhalten und Reden über andere noch mehr darüber, wen wir da vor uns haben. (Am Rande ergänzt sei dann noch der mögliche Gap zwischen Reden und Tun).

Satireist wertvoll und manchmal der einzige Weg, auf Wahrheit aufmerksam zu machen. Sie soll dafür sorgen, dass uns das Lachen im Halse stecken bleibt wenn wir den tieferen Sinn begriffen haben. Aber welchen tieferen Sinn soll es haben, eine Behinderung eines Menschen, sei er nun Finanzminister oder nicht, zum Gegenstand von Satire zu machen? (Das nur mal als Beispiel weil gerade in frischer Erinnerung.) Man mag mir nun vorwerfen auch das sei legitim. Meine Antwort? Eine Frage. Was soll gesagt werden und worum geht es denn? Man mag das Handeln eines Menschen nicht gut, nicht in Ordnung, nicht gerechtfertigt finden. Ok. Klar. Aber was bitte, was hat das mit körperlichen Merkmalen zu tun? Macht ein behinderungsfreier Körper, ein faltenfreies Gesicht, ein BMI unter 20 Handeln und Verhalten besser? Das Herstellen des vermeintlichen Zusammenhangs zwischen äußerlichen Merkmalen und Tun und Sagen und Lassen verlagert die Aufmerksamkeit und behindert die Frage nach dem Warum. Den Dingen auf den Grund gehen ist eben nicht ganz so einfach und ein wirklich intelligenter Witz – oder eine wirklich intelligente Rede braucht ein bisschen mehr als das. (Verständnis-volle Zuhörer dann allerdings auch).

Satire und Politik sind engstens miteinander verbandelt. Gewissermassen eine Symbiose. Und in beidem bewegen sich die Akteure oft auf der Grenze zwischen intelligentem Witz und plumper Selbstprofilierung auf Kosten anderer. Beides findet sein Publikum. Beides … womit wir beim nächsten Fassadenkiller wären. Auch worüber man lacht ist ein Zeichen der Person dahinter. Mir sind die Menschen am liebsten, die über sich selbst lachen und sich selbst auf die Schippe nehmen können. Weil sie zu Selbstreflektion fähig sind.

Wenn ich mal

einen Tip geben darf. Für Schlechtwettertage und Gutwettertage. Es gibt da einen Ort mit vielen echten Büchern und realen Menschen. Garantiert Selfie- und Likezwangfrei. Auf dass das Haus voll werde. Das soll es! Unbedingt! Mit sich und seinen Gedanken allein sein kann man da dennoch. In der Welt der Bücher stöbern. Lesen. Hören. Man kann da auch andere Menschen beobachten. Ich tue das sehr gern und oft. An besagtem Ort, noch lieber aber zu anderen Gelegenheiten. Die Momente abpassend an denen Fassaden kurz- oder langzeitig fallen. Bobachtungen. Das Interessanteste was es gibt, finde ich. Man lernt sehr viel wenn man beobachtet. Aufmerksamkeitstraining.

Aber zurück – ich rede von der Bibliothek. Mitten in der Stadt. Seele, Herz, Zentrum und – ein Ort mit Aus- und Weitblick. Es gibt da eine Ecke mit Sofas. Hinsetzen und aus dem Fenster schauen. Die Dinge von oben betrachten. Manchmal hilft das, die Dinge gelassener zu sehen. Das stünde uns momentan gut zu Gesicht in Zeiten der Aufgeregtheiten. Mehr Aufmerksamkeit auch. Füreinander und für das was ist.

NachLese

Es waren die leisen, der Zwischentöne. So könnte man beschreiben, was gestern zur Eröffnung des Kulturpalastes an gesprochenem Wort zu hören war. Laut, deutlich und unüberhörbar, das war die Neunte, die zeigte, was der Saal hergibt (und ansatzweise, welche Herausforderung er für die Künstler ist).

Die Rede des Bundesministers, des Oberbürgermeisters, des Literaten, des Kabarettisten – sie enthielten eindeutige, klare, ernste und mahnende Botschaften. Und die Hoffnung, sie mögen gehört.

Zu unpolitisch gewesen hörte ich am Abend eine Meinung beim Empfang. Es wäre nicht auf die Dresdner Situation, die Dresdner Kultur eingegangen worden.  Oh doch. Oh doch. Aber sowas von. (Allerdings nicht nur!) Nur – es hört eben nur der, der zuhört. Zuhören muss man wollen. Auf den anderen eingehen wollen, sich darauf einlassen. Das birgt aber ein Risiko. Man könnte ja überzeugt werden …

Deswegen wird dagegen angebrüllt. Wie auf dem Neumarkt. Oder man winkt ab weil nicht sein kann was nicht sein darf – dass aus falschem Munde – oder eines Menschen mit einem falschen Parteibuch – die richtigen Worte kommen.

 

Deja vu

Ich rechne besser nicht, wie viele Jahre es her ist. Es sind ihrer viele. Als Kind und Jugendliche sang ich im Kinder- und Jugendchor des Pionierpalastes Dresden – ja – und durchaus anspruchsvolle Literatur. Im Philharmonischen Kinderchor vorher kam ich nie wirklich an, was nicht am Chor lag, sondern es passte damals einfach nicht. Singen mit Ausdruck war nicht so sehr meins. Jedenfalls erinnere ich mich sehr gut an einen besonderen Tag, wir traten bei den Schülerkonzerten auf. Mehrere Jahre, aber irgendwann einmal war es so weit. Meine Klasse saß im Zuschauerraum – auf dem Balkon links, von der Bühne aus gesehen, und ich durfte auf der Bühne stehen. Das war etwas ganz Besonderes, nicht zuletzt weil ich da mal stolz sein durfte. Das war sonst im Schulalltag nicht ganz so, aber das ist ein anderes Thema.

Was das mit heute zu tun hat? Heute hat „mein“ Chor – der Philharmonische – die Orchesterprobe im Kulturpalast. Die Generalprobe der Generalprobe zum Festakt. Und da werden heute und morgen Kollegen im Zuschauerraum sein. Zum Festakt auch, aber der ist für mich ganz persönlich gar nicht wichtig.

Meilensteine

Ein paar Tage noch dann wird das zweite grosse Haus seine Türen öffnen. Das eine wie das andere Heimatstätten der Kunst, jedes auf seine Weise, Bühnen, ironischerweise Schauspiel und Gesang, haben etwas symbolhaftes. Jeder Mensch findet wohl solche Dinge in seinem Leben. Kulturpolitik war nie mein Thema und dennoch hatte ich viel mehr damit zu tun als mit den Themen, mit denen ich mal mit meinem politischen Engagement anfing.  Beschluss, Grundstein und Eröffnung. Jedes aus einer anderen Perspektive. Dennoch oder gerade deshalb sehr nah dran. Es steckt mehr eigenes Herzblut drin als ich je vermutete. Als Ergebnis ein Konzentrat an Erfahrungen. Über Rollenspiele, Fassaden, Ehrlichkeit, Loyalität, Vertrauen und über das Hinauswachsen über sich selbst.