„In einer langen Geschichte hatte die Beschreibung des sozialen Lebens der Menschen (man kann für ältere Zeiten nicht ohne Vorbehalte von „Gesellschaft“ sprechen) sich an Ideen orientiert, denen die vorgefundene Wirklichkeit nicht genügte. Das galt für die alteuropäische Tradition mit ihrem Ethos der natürlichen Perfektion des Menschen und mit ihrer Bemühung um Erziehung und um Vergebung der Sünden. Es gilt aber auch noch für das moderne Europa, gilt für die Aufklärung und für ihre Doppelgottheit Vernunft und Kritik. Noch in diesem Jahrhundert wird dies Bewusstsein des Ungenügens wachgehalten und mit der Idee der Moderne verknüpft. Inzwischen hat sich jedoch der Sinn für Probleme aus den Ideen in die Realität selbst verschoben – und jetzt erst ist die Soziologie gefordert“.
Luhmann, Niklas (1997): Die Gesellschaft der Gesellschaft

Die Versuchung der Gewissheit

„Wir neigen dazu, ion einer Welt von Gewissheit, von unbestreitbarer Stichhaltigkeit der Wahrnehmung zu leben, in der unsere Überzeugungen beweisen, dass die Dinge nur so sind, wie wir sie sehen, Was uns gewiss erscheint, kann keine Alternative haben. In unserem Alltag, unter unseren kulturellen Bedingungen, ist dies die üblichen Art, Mensch zu sein.“

Maturana, Der Baum der Erkenntnis.

 

Planbarkeit …

„Unbestimmbare Komplexität möglicher Ereignisse ist nämlich nicht nur die Folge mangelnder Zukunftsplanung, sondern in anderem Sinne auch die Folge des Ausmaßes instrumenteller Planung. Mit der weit vorgreifenden, über lange und kompliziert verflochtene Ketten von Ursachen und Wirkungen projektierten, viele Parameter und viele Handlungen verschiedener Menschen einbeziehenden Planungen nehmen die Möglichkeiten der Zukunft nämlich nicht ab, soncern zu (!). Für den einzelnen entsteht dann gerade aus solcher geplanten Komplexität eine neue Art von Unsicherheit.“

Niklas Luhmann: Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität (19)