Wenn Satiriker die besseren Politiker sind

Ich kann mich gut erinnern als meine Großeltern fassungslos waren über „den Schauspieler“, der da Präsident war. So ein Regierungschef, der muss doch was „Richtiges“ können. Es sind viele Jahre vergangen seitdem. Jahre, in denen noch so einige Illusionen über Politik verloren gingen.

Und heute – heute droht ein Regierungschef dem anderen mit der Größe seines Atomknopfes (- und alle Welt fragt nach dem Geisteszustand des Einen – nach dem Geisteszustand es Anderen nicht. Wie bekloppt ist diese Welt eigentlich?) Ich stopfe einen neuen Wollpullover nach dem Kauf in die Handtasche weil ich die 20 Cent Erziehungsgebühr für die Tüte aus Prinzip nicht zahle, die Biogurke im Kaufland  in Plaste eingewickelt, die geschälte Pomelo im Rewe auf einem Plastikteller mit Folie umhüllt – ich lasse sie liegen.

Parteichefinnen bedienen sich eines Hinterhofjargons oder spielen Brundhild und Kriemhild. Ein Ministerpräsident schmeisst den Lehrer aus dem Kultusministerium, setzt einen Juristen auf diesen Ministerstuhl und den, der aus eben diesem geschasst wurde, weil er Versäumnisse nicht mehr mittragen wollte (der also als neuer alter Kultusminister vielleicht noch einigermassen verkaufbar gewesen wäre), lässt er sich mit Innereien befassen. Die Bundesebene entlarvt sich gleich als komplett handlungs-, kommunikations- und entscheidungsunfähig. Aber eine CDU-Bürgermeisterin liebt einen Prinzen-Sänger. Ein so wichtiger Sachverhalt steht in allen Zeitungen. Medien. Unsere 4. Gewalt.

So ein Regierungschef, so ein Politiker muss doch was „Richtiges“ können. Hm. Und zu genau diesem Zeitpunkt stellt ausrechnet ein Bühnenmensch, ein Moderator, ein Satiriker (!) die richtigen Fragen.

„Es geht um die Formulierung einer positiven, radikal neu gedachten und vor allem sozialen Vision einer zukünftigen Gesellschaft, die Neugestaltung demokratischer Teilhabe angesichts der digitalen Revolution und die Wiederentdeckung der Kategorie Mensch.

Wer das kann, gewinnt.“

https://www.facebook.com/jboehmermann/

Wenn Satiriker die besseren Politiker sind…

Zum Neuen Jahr

keine schönen Zitate oder dergleichen. Sondern ein wenig Nachdenken. Irgendwann demnächst wird der Stadtrat über die Fortschreibung des Schulnetzplanes entscheiden. Ich hoffe mir diese Debatte nicht anhören zu müssen, es würde mir wohl sehr schwer fallen, still zu bleiben.

Am Thema Bildung zeigt sich nämlich, wie ehrlich Politik sein will. Schulsanierungen und der Bau neuer Schulen ist eine Herausforderung. Aber nicht die wichtigste. Segregation. Soziale Segregation. Jeder denkt dabei sofort an Armenviertel. An Ghettoisierung. Die Lösung? Soll der Wohnungsbau sein. Sorry, das ist Quatsch. Segregation – das ist Alltag in Kindertagesstätten und in Schulen. Dort findet eine Entmischung, dort findet Homogenisierung statt.  Dadurch, dass Eltern die Einrichtung für ihre Kinder wählen. Oder es eben nicht tun. Es fällt nicht auf, weil nur das in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, was wahrnehmbar ist, was problematisiert oder skandalisiert wird. Hat sich eigentlich schon mal jemand darüber aufgeregt, dass an bestimmten Schulen sagen wir mal der Anteil von Kindern aus bildungsnahen Elternhäusern sehr gering ist? Mir nicht erinnerlich, vielleicht ist es das Alter. Ich kenne nur Aufregung darüber wenn Eltern ihr Kind nicht an der Wunschschule oder Wunschkita unterbringen konnten (und das setzt voraus, dass sie einen Wunsch haben.)

„Eine solche Praxis der „Entmischung“ als Zusammenspiel von
Schulen, Eltern und Politik gibt nicht nur das rhetorisch immer
wieder beschworene Ziel der sozialen Integration auf, sondern verweist darauf, dass die Motive der Diskriminierung nicht nur an den Rändern der Gesellschaft bei unaufgeklärten, vorurteilbehafteten Gruppen zu suchen sind, sondern in einer Leistungsgesellschaft unter Bedingungen der Konkurrenz als
Streben nach individuellen wie organisatorischen Vorteilen in der Mitte der Gesellschaft angesiedelt sind.“ (Radtke, 2007)

Ein Plädoyer gegen die freie Schulwahl? Nein. Aber als Anregung, vielleicht mal den einen oder anderen, sich für eine bestimmte Schule oder einen bestimmten Stadtteil vehement einsetzenden Bildungspolitiker zu fragen, ob er die eigenen Kinder dort hin schickt, geschickt hat oder schicken würde. Und warum er das nicht tut.

 

 

Update. Deja vu.

Es regnet draußen. Der 31. Dezember ist noch nie mein Lieblingstag gewesen. Hatte ich erwähnt, Silvester nicht zu mögen? Als kleineres Kind war das noch anders, aber irgendwann hörte es auf und meine Aversion gegen alles Aufgesetzte, gegen Masken und unechte bemühte Fröhlichkeit trat zu Tage. Irgendwann mal ein Silvester in den Bergen. Ohne Feuerwerk. Und ohne diese Rückblicke. Diese fürchterlichen Rückblicke von denen niemand weiß wozu sie gut sein sollen.

Mein Rückblick und gleichzeitig Ausblick, ein Auf- und Ausräumen, man könnte es als emanzipatorische Selbst-Aufgabe (nicht das Aufgeben des Selbst sondern die Aufgabe AN das Selbst, sich zu empanzipieren) ist eine Hausarbeit. Kein Abwasch sondern ein weiterer Baustein zum Master (der schon längst hätte erledigt sein sollen). Da sitze ich nun. Vor den beiden kommunalen Bildungsberichten. Einen habe ich als Stadträtin mit erlebt und beauftragt. Den zweiten habe ich gelesen als Nicht-mehr-Stadträtin. Und gerade dieser Bildungsbericht hatte es in sich. Angefangen hat damit aber niemand etwas. Auch nicht meine ehemaligen Kollegen. Das gehört zu den Dingen, die ich niemals verstehen will (obwohl ich mittlerweile verstanden habe, dass die Dinge manchmal zwar anders sein könnten, es aber nicht sind weil die Menschen und die Welt eben sind wie sie sind.)

Es wird also um Bildungspolitik gehen. Wissenschaft darf und muss das. Sich damit beschäftigen. Mit den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen – die Politik eigentlich schaffen müsste, es aber nicht tut, weil ihr die Courage fehlt. Die Courage, Dinge zu benennen, zu erkennen und zu handeln. Wissenschaft soll objektiv sein. (Ich vereinfache an der Stelle denn Objektivität an sich gibt es nicht. Das ist aber ein anderes Thema, warum und wieso erkläre ich vielleicht an anderer Stelle mal.) Das gibt aber die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die gestellt werden müssen. Nach Antworten zu suchen, die tatsächliche sind. Die vielleicht auch niemand wissen will. Denn mit Antworten muss man umgehen. Deswegen werden manche Fragen nicht gestellt.

Die Illusion der Chancengleichheit. Oder warum wir uns nicht von Bourdieu verabschieden sollen.

Das Ding mit dem Zu-Ende-Denken

„Schichtspezifische oder ethnische Wohnsegregation führt dann nämlich dazu, dass Kinder, die einer bestimmten Schicht oder Ethnie angehören, unterschiedlich gute Bedingungen vorfinden, diejenigen Erfahrungen zu machen, diejenigen Motivationen und Dispositionen auszubilden, das Wissen und die Kompetenzen zu erwerben und diejenigen sozialen Kontakte zu knüpfen, die für das erfolgreiche Durchlaufen der Schulkarriere oder – konkreter – das Erreichen eines weiterführenden Bildungsabschlusses förderlich sind.“ (Alcay, K.:  Habitustransformation durch Bildung, Springer 2017)
Nun also: Ganz kurz: Segregation (oder auch neudeutsch Ghettoisierung) führt zu einer Kumulation von Benachteiligung, da kann die Schule kämpfen wie sie will . Denn: Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kindertagesstätten sind ebenso betroffen sind von Segregation, das ist die logische Konsequenz der freien Wahl der Einrichtung. So oder so. Und damit tragen Schulen ebenso zur Habitustransformation bei. Auch so oder so.
These deshalb: Es wäre also konsequent, der Segregation entgegenzuwirken. An der Schule. In der Kita.  Insoweit dass man in den Bildungseinrichtungen für eine Struktur der zu betreuenden Kinder sorgt, die eben NICHT segregiert ist. Ob das aber jeder Bildungspolitiker gewillt ist, durchzusetzen, wage ich zu bezweifeln.

Theorie und Praxis. Denksport.

Manchmal ist so ein Studium schon ein bisschen demotivierend. Man schreibt eine Hausarbeit nach der anderen um nachzuweisen, zu wissenschaftlicher Arbeit in der Lage zu sein, richtig zitieren, Schriftgrößen und Randbreiten einhalten zu können. (Dies ist eine keinesfalls sachliche Verzerrverkürzung selbstverständlich). Aber so eine Arbeit bekommt eine Note und dann geht sie in die Hausarbeitenewigkeit ein.

Manchmal aber bietet sich die Gelegenheit, Theorie und Praxis zu verbinden. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen von Bildung. Ich glaube, ich habe ein sehr schönes Thema gefunden.  Diversity- und kommunales Bildungsmanagement: Schulen in Brennpunktstadtteilen – Strategien zur Bewältigung von sozialer Benachteiligung am Beispiel der Landeshauptstadt Dresden.  Eine soziologisch-bildungstheoretische Betrachtung. Das wird es wohl werden.

Schuldfragen

„…Wieso die Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer einstürzte , soll nun ein Statiker klären . In den Medien wurden schwere Vorwürfegegen die Stadtverwaltung erhoben . Demnach habe ein Gutachten aus dem Jahr 2012 die weitereLebensdauerder Brücke auf maximal fünf bis sieben Jahregeschätzt . Die Spannseile seien durch Rost geschwächt gewesen.“

Wir reden hier von Prag. Brückeneinstürze sind sonst eher weit weg. Kann ja bei uns nicht passieren, sowas. Doch. Es kann. Betroffen sind immer Menschen, es gibt Verletzte, manchmal auch Tote. Und zu Recht wird gefragt, warum, wie konnte das passieren. Aber die Frage zielt selten darauf ab, wirklich eine Antwort zu finden. Denn mit einer Antwort muss man umgehen und Konsequenzen ziehen. Etwas tun. Bauen. Eine Veranstaltung nicht genehmigen, manchmal auch vorsorglich, einfach um jedes Risiko auszuschließen (was gar nicht geht, auch wenn Mensch das gerne hätte). Und das will auch immer niemand. Dann sind die Behörden weltfremd, ängstlich, übervorsichtig, haben keine Ahnung. Lesen wir mal den Artikel in den DNN weiter:

„Oppositionspolitiker kritisierten, der Unterhalt der Brücken in der Moldaumetropole werde seit Jahren vernachlässigt . …“

DAS geht dann immer ganz schnell. Politisch braucht man eine Schuldzuschreibung. Macht sich gut in der Öffentlichkeit. Und rechtlich – rechtlich wird es auch mindestens eine konkrete Person geben, die zur Verantwortung gezogen wird. Auch wenn die einzelne Person dieses Unglück hätte gar nicht verhindern können.

Nehmen wir mal an, die Stadtverwaltung in Prag hätte seit Jahren gewarnt und gesagt, wir brauchen für diese Brücke Geld für die Sanierung. Der Stadtrat hat es aber nicht bereitgestellt. Eine Sperrung wurde in Erwägung gezogen, vorgewarnt, angekündigt. Aber aus nachvollziehbaren Gründen noch nicht vollzogen. Wer ist schuld?

Kommonstrieren oder Demmunizieren.

Stellen Sie sich eine Dame mittleren Alters auf dem Altmarkt vor, die da ruft: „Ich hoffe, dass mein Mann das Paket von der Post holt, welches DHL nicht beim Nachbarn abgegeben hat.“

Stellen Sie sich vor, sie stehen morgens an der Haltestelle und an einer der noch verbliebenen Litfassäulen klebt ein Plakat, auf dem handschriftlich steht: Bitte aus dem Aldi mitbringen: Milch, Butter, Öl, Joghurt (fettarm) und eine Packung Dominosteine und die Gummistiefel aus der Werbung.

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen guten Bekannten und sehen, wie er,  sagen wir mal auf der Prager Straße stehend, sich über sie beschwert. Bei allen, die ihm zuhören wollen – und auch bei denen, die nicht zuhören wollen.

Klingt das alles absurd? Gelebte Praxis demonstrativer Kommunikation zum Zwecke der Generierung von Aufmerksamkeits- und Zustimmungswerten im politischen Raum.

Beispiele?

  • Pressemitteilung: Fraktionschef XY fordert den Oberbürgermeister auf ..
  • Pressemitteilung: XY erwartet von ZV dass künftig …
  • Facebook

Irgendwann mal lasse ich mir dafür eine schön wissenschaftlich klingende Definition einfallen.

Politische Bildung. Gefordert als Heilmittel gegen gesellschaftliche Verwerfungen unserer Zeit. Aber worüber reden wir?

Wikipedia sagt: „Ihr Ziel ist, Zusammenhänge im politischen Geschehen zu erkennen, Toleranz und Kritikfähigkeit zu vermitteln und zu stärken, damit zur Herausbildung und Weiterentwicklung von aktiver Bürgerschaft, gesellschaftlicher Partizipation und politischer Beteiligung beizutragen.“

Das BMI sagt: Die Politische Bildung hat folgende Ziele:

  • Sie soll Bürgerinnen und Bürgern Wissen und Kompetenzen vermitteln, mit denen sie sich ein eigenes Urteil bilden und selbstbestimmt Entscheidungen fällen können.
  • Sie soll Bürgerinnen und Bürger dazu befähigen, die eigene Situation zu reflektieren, Selbstverantwortung und Verantwortlichkeit für die Gesellschaft zu erkennen, zu übernehmen und gestaltend auf Prozesse einzuwirken.

Soweit so gut. Was aber heißt es konkret. Analysieren wir mal den Bildungsbedarf.

– Wissen
– Kompetenzen
– Erkennen von Zusammenhängen
– Urteilsfähigkeit
– Entscheidungsfähigkeit
– Reflektionsfähigkeit
– Kritikfähigkeit
– Toleranz
– Gemeinsinn
– Verantwortungsgefühl
– Eigenverantwortung
– Gestaltungswillen
– Gemeinsinn

Das meiste davon sind soziale Kompetenzen. Kompetenzen, die immer zum Tragen kommen – oder eben auch nicht.  Eine Frage der – Verzeihung für dieses altertümlich-konservative Wort – Erziehung.
Wissenserwerb über gesellschaftliche Zusammenhänge. Da reden wir über Mechanismen von Macht, da reden wir über das, was Parteien ausmacht und was nicht, da reden wir über Medienwirkung, über Psychologie.  Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, die eine eigene Urteilsfähigkeit erlauben – das heißt: Aufklärung. Die Entzauberung der Welt. Das bedeutet, aufzuzeigen, wie Machtstrukturen, Machterreichung und Machterhalt in der Politik funktionieren. Sichtbar zu machen wie viel Macht jemand hat – oder nicht hat. Zu beleuchten, wie politische Rhethorik funktioniert. Und wie man Massen begeistert und mobilisiert. Warum sich erwachsene Parteimitglieder manchmal verhalten wie Groupies im Teenageralter. Das bedeutet aufzuzeigen, wie realistisch solche Schlagworte wie Chancengerechtigkeit in der bestehenden Gesellschaft sind. Dass sich durch die steigende Anzahl von Abitur- oder Hochschulabschlüssen nicht das Verhältnis zwischen gut und weniger gut bezahlten Arbeitsplätze ändert. Welche Abhängigkeiten und Zusammenhänge in einer globalisierten Welt bestehen. Und dass es nicht eine imaginäre ungebildete Unterschicht ist, die der politischen Bildung bedarf, im Gegenteil.

Politisierte Bildung ist unbequem.  Es könnte sein, dass es nicht mehr so einfach ist, Feindbilder aufzubauen. Es könnte sein, dass viel mehr Privilegien hinterfragt werden, es könnte sein, dass es nicht mehr so einfach ist, einen Schuldigen für Unzufriedenheit zu finden – und nicht mehr so einfach ist, auf irgendeinen Entscheidungsträger einzuprügeln – weil deutlich wurde dass die gewünschten Entscheidungen gar nicht vom vermeintlichen Träger getroffen werden können. Es könnte sein, dass einiges durcheinander gerät. Auch das eigene Weltbild.

 

Blödes Facebook

Ich musste heute morgen ein wenig schmunzeln. Die Abwesenheit innerparteilicher Demokratie wird beklagt. Da beschwert sich die Sachsen-CDU über die Bundes-CDU. Parteitag zur Wahlauswertung abgesagt. Verschoben. Das ist schon fast Realsatire. Am Tag des Erscheinens des Sachsen-Monitor

Nicht dass die Kritik nicht verständlich wäre. Allerdings – öffentlich geäußerte Kritik ohne direkten Ansprechpartner hat einen anderen Zweck. Da geht’s um Zuspruch und Zustimmung.  Man könnte es auch für ein strategisch kluges Ablenkungsmanöver halten, der Aufbau eines gemeinsamen Feindbildes und die Stilisierung einer Opferrolle bringt schon mal Zustimmung und Solidarität. Und lenkt so schön ab. Wie wäre es aber damit, mal vor der eigenen Haustüre zu kehren? Was ist mit der politischen Stimmungslage in Sachsen? Was ist mit der Stimmungslage der Bevölkerung, den Fragen, die in Sachsen nicht geklärt sind? Lehrermangel. Ausbluten der Region. Zukunftsängste. Das Ergebnis der Bundestagswahl hat auch etwas mit der sächsischen CDU zu tun. Der vorwurfsvolle Blick nach Berlin hilft da nicht.

Stellen wir uns mal vor, ein Mitglied einer nicht kleinen Dresdner Stadtratsfraktion würde sich auf den Altmarkt stellen und lauthals beklagen, dass der Finanzminister den vom Ministerpräsidenten extra zum Zwecke der Behebung ursächlich auch in der Finanzierung bedingten Probleme des sächsischen Bildungssystems ernannten Kultusminister nicht unterstützt. Sowas ähnliches hat es mal gegeben. Kam damals nicht gut an. Wäre aber wenigstens inhaltlich begründet und konkret.

The Others

Nein, nicht der Film mit Nicole Kidman – obwohl er schon etwas mit dem Thema zu tun hat. Geht es doch um eine Mutter mit ihren beiden Kindern, die, in einer Villa irgendwo im englischen Nichts wohnend – sich auf einmal von bösen Geistern umgeben sieht. Nichts davon ahnend, dass sie selbst einer ist. Ein Geist.

Die Anderen und ich.  Ich bin ich und nicht die Anderen. Das lernt ein Kind sehr früh und das ist auch etwas völlig normales und lebensnotwendiges. Selbs-Bewusstsein hat etwas damit zu tun, sich selbst als etwas und jemanden in der Unterscheidung von der Umwelt und von eben „den anderen“ zu erkennen. ABER: noch bevor sich ein Kind sich selbst bewusst wird, ist es schon jemand. Merkmale machen uns für „die Anderen“ auch zu „Jemandem“.  Blaues Bändchen, rotes Bändchen. Hautfarbe. Aussehen. Eltern.  Fanschal. Herkunft. Religion. Politische Überzeugung.

Othering – die anderen sind nicht wie wir – und deshalb machen oder denken sie falsch, sind weniger wert, blöd, müssen bekämpft werden. Der Begriff steht im engen Zusammenhang mit Forschung zu Rassismus und Gruppenbezogener Fremdenfeindlichkeit. Und ich frage mich manchmal, ob wir nicht viel weiter „unten“ anfangen sollten wenn wir über gesellschaftlichen  Zusammenhalt reden.  Und dabei auch einmal das eine oder andere Tabu brechen. Neuordnung bringt immer erst einmal Unordnung mit sich. Auch im Denken, aber ich glaube, das ist notwendig,. Schauen wir mal nach Dresden: Wenn die einen Dresdner über die anderen Dresdner reden. Es gibt viele Linien in dieser Stadt die als Cathegory of Othering dienen können. Brücke. Fußball. Bienen. Architektur. Die Höhe des Wohnortes über dem Meeresspiegel (innerstädtisch liegen Welten dazwischen). Oder auch Bildungsgrad. Auch Eliten sind nicht frei von diesen Dingen. Othering ist kein Privileg einer imaginären Unterschicht, nicht das Merkmal der ungebildeten, im Gegenteil. Das Herabblicken auf Andere grundsätzlich. Sich für Besser halten weil … Das ist Othering. Leider ist dass dem Menschen so verinnerlicht, dass er sich gar nicht bewusst ist, auf andere herabzublicken (oder andere gar nicht erst wahrzunehmen.) Ich habe meine Zweifel dass es jemals gelingt, daran etwas grundlegend zu ändern. Denn schon in der Überzeugung, etwas richtig zu machen liegt die Gefahr – denn „die Anderen“ – die machen ja was falsch.