Phantasialand?

Eine Leseempfehlung, vor allem all denen wärmstens ans Herz gelegt, die meinen, Digitalisierung sei ein Allheilmittel, das Ziel, der Sinn.

„Schwerlich werden Organisationen der Versuchung widerstehen können, die Potenziale der Digitalisierung zu nutzen und die Automatisierung voranzutreiben. Aber jede Transformation, erst recht die digitale, braucht das Wissen um die nicht intendierten Folgen des Organisierens.
Steuerungsphantasien durch digitale Prozesse sind fehl am Platze. Die Digitale Transformation braucht organisationskluges Entscheiden. Und die Erkenntnis, dass Technik es nicht richten wird.“
http://www.uni-bielefeld.de/soz/personen/kuehl/pdf/Working-Paper-13_2017-Buechner-Muster-Kuehl-2017-Ironie-der-Digitalisierung-mit-Literatur-03.07.17.pdf

Das Ding mit dem Zu-Ende-Denken

„Schichtspezifische oder ethnische Wohnsegregation führt dann nämlich dazu, dass Kinder, die einer bestimmten Schicht oder Ethnie angehören, unterschiedlich gute Bedingungen vorfinden, diejenigen Erfahrungen zu machen, diejenigen Motivationen und Dispositionen auszubilden, das Wissen und die Kompetenzen zu erwerben und diejenigen sozialen Kontakte zu knüpfen, die für das erfolgreiche Durchlaufen der Schulkarriere oder – konkreter – das Erreichen eines weiterführenden Bildungsabschlusses förderlich sind.“ (Alcay, K.:  Habitustransformation durch Bildung, Springer 2017)
Nun also: Ganz kurz: Segregation (oder auch neudeutsch Ghettoisierung) führt zu einer Kumulation von Benachteiligung, da kann die Schule kämpfen wie sie will . Denn: Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kindertagesstätten sind ebenso betroffen sind von Segregation, das ist die logische Konsequenz der freien Wahl der Einrichtung. So oder so. Und damit tragen Schulen ebenso zur Habitustransformation bei. Auch so oder so.
These deshalb: Es wäre also konsequent, der Segregation entgegenzuwirken. An der Schule. In der Kita.  Insoweit dass man in den Bildungseinrichtungen für eine Struktur der zu betreuenden Kinder sorgt, die eben NICHT segregiert ist. Ob das aber jeder Bildungspolitiker gewillt ist, durchzusetzen, wage ich zu bezweifeln.

Theorie und Praxis. Denksport.

Manchmal ist so ein Studium schon ein bisschen demotivierend. Man schreibt eine Hausarbeit nach der anderen um nachzuweisen, zu wissenschaftlicher Arbeit in der Lage zu sein, richtig zitieren, Schriftgrößen und Randbreiten einhalten zu können. (Dies ist eine keinesfalls sachliche Verzerrverkürzung selbstverständlich). Aber so eine Arbeit bekommt eine Note und dann geht sie in die Hausarbeitenewigkeit ein.

Manchmal aber bietet sich die Gelegenheit, Theorie und Praxis zu verbinden. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen von Bildung. Ich glaube, ich habe ein sehr schönes Thema gefunden.  Diversity- und kommunales Bildungsmanagement: Schulen in Brennpunktstadtteilen – Strategien zur Bewältigung von sozialer Benachteiligung am Beispiel der Landeshauptstadt Dresden.  Eine soziologisch-bildungstheoretische Betrachtung. Das wird es wohl werden.

Kommonstrieren oder Demmunizieren.

Stellen Sie sich eine Dame mittleren Alters auf dem Altmarkt vor, die da ruft: „Ich hoffe, dass mein Mann das Paket von der Post holt, welches DHL nicht beim Nachbarn abgegeben hat.“

Stellen Sie sich vor, sie stehen morgens an der Haltestelle und an einer der noch verbliebenen Litfassäulen klebt ein Plakat, auf dem handschriftlich steht: Bitte aus dem Aldi mitbringen: Milch, Butter, Öl, Joghurt (fettarm) und eine Packung Dominosteine und die Gummistiefel aus der Werbung.

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen guten Bekannten und sehen, wie er,  sagen wir mal auf der Prager Straße stehend, sich über sie beschwert. Bei allen, die ihm zuhören wollen – und auch bei denen, die nicht zuhören wollen.

Klingt das alles absurd? Gelebte Praxis demonstrativer Kommunikation zum Zwecke der Generierung von Aufmerksamkeits- und Zustimmungswerten im politischen Raum.

Beispiele?

  • Pressemitteilung: Fraktionschef XY fordert den Oberbürgermeister auf ..
  • Pressemitteilung: XY erwartet von ZV dass künftig …
  • Facebook

Irgendwann mal lasse ich mir dafür eine schön wissenschaftlich klingende Definition einfallen.

Blödes Facebook

Ich musste heute morgen ein wenig schmunzeln. Die Abwesenheit innerparteilicher Demokratie wird beklagt. Da beschwert sich die Sachsen-CDU über die Bundes-CDU. Parteitag zur Wahlauswertung abgesagt. Verschoben. Das ist schon fast Realsatire. Am Tag des Erscheinens des Sachsen-Monitor

Nicht dass die Kritik nicht verständlich wäre. Allerdings – öffentlich geäußerte Kritik ohne direkten Ansprechpartner hat einen anderen Zweck. Da geht’s um Zuspruch und Zustimmung.  Man könnte es auch für ein strategisch kluges Ablenkungsmanöver halten, der Aufbau eines gemeinsamen Feindbildes und die Stilisierung einer Opferrolle bringt schon mal Zustimmung und Solidarität. Und lenkt so schön ab. Wie wäre es aber damit, mal vor der eigenen Haustüre zu kehren? Was ist mit der politischen Stimmungslage in Sachsen? Was ist mit der Stimmungslage der Bevölkerung, den Fragen, die in Sachsen nicht geklärt sind? Lehrermangel. Ausbluten der Region. Zukunftsängste. Das Ergebnis der Bundestagswahl hat auch etwas mit der sächsischen CDU zu tun. Der vorwurfsvolle Blick nach Berlin hilft da nicht.

Stellen wir uns mal vor, ein Mitglied einer nicht kleinen Dresdner Stadtratsfraktion würde sich auf den Altmarkt stellen und lauthals beklagen, dass der Finanzminister den vom Ministerpräsidenten extra zum Zwecke der Behebung ursächlich auch in der Finanzierung bedingten Probleme des sächsischen Bildungssystems ernannten Kultusminister nicht unterstützt. Sowas ähnliches hat es mal gegeben. Kam damals nicht gut an. Wäre aber wenigstens inhaltlich begründet und konkret.

The Others

Nein, nicht der Film mit Nicole Kidman – obwohl er schon etwas mit dem Thema zu tun hat. Geht es doch um eine Mutter mit ihren beiden Kindern, die, in einer Villa irgendwo im englischen Nichts wohnend – sich auf einmal von bösen Geistern umgeben sieht. Nichts davon ahnend, dass sie selbst einer ist. Ein Geist.

Die Anderen und ich.  Ich bin ich und nicht die Anderen. Das lernt ein Kind sehr früh und das ist auch etwas völlig normales und lebensnotwendiges. Selbs-Bewusstsein hat etwas damit zu tun, sich selbst als etwas und jemanden in der Unterscheidung von der Umwelt und von eben „den anderen“ zu erkennen. ABER: noch bevor sich ein Kind sich selbst bewusst wird, ist es schon jemand. Merkmale machen uns für „die Anderen“ auch zu „Jemandem“.  Blaues Bändchen, rotes Bändchen. Hautfarbe. Aussehen. Eltern.  Fanschal. Herkunft. Religion. Politische Überzeugung.

Othering – die anderen sind nicht wie wir – und deshalb machen oder denken sie falsch, sind weniger wert, blöd, müssen bekämpft werden. Der Begriff steht im engen Zusammenhang mit Forschung zu Rassismus und Gruppenbezogener Fremdenfeindlichkeit. Und ich frage mich manchmal, ob wir nicht viel weiter „unten“ anfangen sollten wenn wir über gesellschaftlichen  Zusammenhalt reden.  Und dabei auch einmal das eine oder andere Tabu brechen. Neuordnung bringt immer erst einmal Unordnung mit sich. Auch im Denken, aber ich glaube, das ist notwendig,. Schauen wir mal nach Dresden: Wenn die einen Dresdner über die anderen Dresdner reden. Es gibt viele Linien in dieser Stadt die als Cathegory of Othering dienen können. Brücke. Fußball. Bienen. Architektur. Die Höhe des Wohnortes über dem Meeresspiegel (innerstädtisch liegen Welten dazwischen). Oder auch Bildungsgrad. Auch Eliten sind nicht frei von diesen Dingen. Othering ist kein Privileg einer imaginären Unterschicht, nicht das Merkmal der ungebildeten, im Gegenteil. Das Herabblicken auf Andere grundsätzlich. Sich für Besser halten weil … Das ist Othering. Leider ist dass dem Menschen so verinnerlicht, dass er sich gar nicht bewusst ist, auf andere herabzublicken (oder andere gar nicht erst wahrzunehmen.) Ich habe meine Zweifel dass es jemals gelingt, daran etwas grundlegend zu ändern. Denn schon in der Überzeugung, etwas richtig zu machen liegt die Gefahr – denn „die Anderen“ – die machen ja was falsch.

 

„Staatsversagen im Denken“

Gelesen in der Wiener Zeitung:

“Am deutlichsten wird diese Haltung der konsequenten Unentschlossenheit, wenn es um unser Verhältnis zum Staat geht, fungiert er doch als Albtraum und Erlöser in Personalunion. Dieselben Personen, die die Freiheitsrechte des Einzelnen durch Überwachung, überbordende Bürokratie und eine tendenziell übergriffige Politik gefährdet sehen, wenden sich fordernd an eben diesen Staat, wenn es um den Weg zu einem glücklicheren, besseren oder gerechteren Leben geht. Jede dieser beiden Positionen ist, für sich genommen, wenigstens in sich schlüssig; gemeinsam vorgetragen sind sie allerdings aufgrund ihrer logischen Inkompatibilität nur schwer ernstzunehmen.

Der Grund dafür liegt mit großer Wahrscheinlichkeit darin, dass Parteipolitik unser Denken über den Staat bestimmt. Oder anders ausgedrückt: Sind die „Richtigen“ am Ruder, kann der Staat gar nicht mächtig genug sein; befördern die Unwägbarkeiten der Demokratie die „Falschen“ an die Regierung, verwandelt sich dieser eben noch wohlwollende Staat in Windeseile in sein Gegenteil.

Dass dieser Staat und seine Institutionen unabhängig und losgelöst von seinen Parteien gedacht werden muss und nicht umgekehrt die Parteien die Natur des Staats bestimmen, diese Erkenntnis ist in diesem Land nach wie vor ein radikales Minderheitenprogramm. Auch diese ernüchternde Erkenntnis gehört zur demnächst hundertjährigen Bilanz unserer Republik. Wir erleben ein Staatsversagen im politischen Denken.“

http://www.wienerzeitung.at

Ein nachdenkenswerter Artikel. Aber die entscheidende Frage ist: kann ein Staat losgelöst von Parteien gedacht werden? Kann nicht immer jede Form der (De)Regulation missbraucht werden? Nicht zu vergessen: es geht immer um Macht. Oder positiver formuliert: um unterschiedliche Interessen, die es durchzusetzen gilt.

Das im Artikel benannte Problem scheint mir aber kein spezifisch österreichisches. Ich kenne das Thema auch aus Dresden. Sehr konkret.

schöne neue Welt

„Geldautomaten

Durch die Digitalisierung und die damit einhergehende Automatisierung haben dermaßen viele Menschen in QualityLand ihre Arbeitsstellen verloren, dass ein Grundpfeiler des kapitalistischen Wirtschaftssystems wegzubrechen drohte: der Massenkonsum. Zu viele Menschen haben schlicht und einfach nicht mehr genug Geld, um hirnlos vor sich hin zu konsumieren, so gerne sie das auch tun würden. Zum Glück kam irgendein Technokrat aus der Fortschrittspartei auf eine hervorragende Idee, die den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems verhinderte. Die Regierung bestellte bei myRobot – Roboter für dich und mich – eine Unmenge BuyBots: Androiden, deren einziger Daseinszweck es ist, zu konsumieren. Diese Geldautomaten, wie der Volksmund sie nennt, stattet QualityLand Monat für Monat mit erheblichen finanziellen Mitteln aus, um die Marktwirtschaft am Laufen zu halten. Die Androiden ziehen durch die Shoppingmalls und kaufen nach völlig rätselhaften Regeln Krimskrams, Schnickschnack und Firlefanz.

Du brauchst dir aber keine Sorgen zu machen, dass ein BuyBot dir das letzte Armani Smart Jacket wegschnappt! Die Geldautomaten erwerben lediglich Güter des niedrigen und mittleren Preissegments. Der Luxusgütermarkt braucht keine staatliche Beihilfe. Er läuft besser denn je.“

Auszug aus
QUALITYLAND
Marc-Uwe Kling

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Monitor, 2.11.

„Schöne neue Arbeitswelt: Wie Digitalisierung Armut schafft

Roboter, Computer, Algorithmen – wir sind mittendrin in der digitalen Revolution. Studien sagen voraus, dass in den nächsten zehn Jahren die Hälfte aller Berufe automatisiert wird – viele Menschen ohne Arbeit dastehen könnten und prekäre Arbeitsverhältnisse zunehmen. Eine Entwicklung mit sozialem Sprengstoff, warnen Experten. Doch wenn es um Digitalisierung geht, sprechen die künftigen Regierungsparteien über Breitband und Glasfaser statt über Arbeitsplätze und mehr Chancengleichheit.“

http://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-schoene-neue-arbeitswelt-wie-digitalisierung-armut-schafft-100.html

 

Digitalisierung in der Schule

Die Bertelsmann-Stiftung nannte eine Milliardensumme, die fehle, um Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben. Keine Frage, nötig ist das. Aber man muss sich fragen, wofür und warum.

Geht es darum, Lernen zu erleichtern, einfacher zu machen? Oder geht es darum, Digitalisierung als Lernziel zu installieren. Beides ist wichtig, beides ist nötig und dringend ist der Erwerb von Kompetenzen im Umgang insbesondere mit digitalen Medien fraglos. Man muss aber genau wissen worüber man redet.

Viel hilft nicht immer viel. Es ist eben ein Irrglaube, dass allein der Einsatz von Technik Wunder bewirkt. Vereinfacht ausgedrückt: Das Laden einer Sprachlernapp aufs Handy nimmt mir das Lernen selber nicht ab. Es gibt noch keine Technologie, die Wissen und Kompetenzen ins Hirn beamt. Ein besserer Unterhaltungswert heißt noch lange nicht dass es sich einfacher lernt.

Mittel und Zweck oder Medium und Botschaft zu verwechseln birgt immer ein gewisses Risiko. Und beim Lernen mit digitalen Medien sowieso.  Es muss immer darum gehen, technologisch das Lernen an sich zu unterstützen, lernen zu verändern.

Und ich habe manchmal meine Zweifel ob – insbesondere wenn in der Politik von Bildungsqualität die Rede ist – alle wissen wovon sie da reden und was sie meinen – und dies auch konkret beschreiben können.

Human ressources

eines meiner „Lieblingsworte“. Ich möchte eingangs einen Auszug aus dem aktuellen Interview mit dem sächsischen Finanzminister zitieren:

Die Verwaltung ist laut einer Studie überaltert. Weshalb können die Stellen nicht besetzt werden, wie Sie sagen?

Das Problem betrifft ja nicht nur Schulen oder die Polizei. Wir haben insgesamt einen Fachkräftemangel, der dramatisch wächst. Jedes Jahr gehen in Sachsen etwa 60.000 Menschen in den Ruhestand – es gibt aber nur 30.000 junge Menschen, die nachrücken. Das bedeutet: Auf zwei, die ausscheiden, kommt nur ein Nachfolger, was sich in allen Bereichen bemerkbar macht. Natürlich könnte man den öffentlichen Dienst kurzfristig attraktiver machen, um mehr Personal zu holen. Das ginge aber zu Lasten der Wirtschaft und würde letztlich zu weniger Steuereinnahmen führen. Der Freistaat würde also den Ast absägen, auf dem wir alle sitzen.

Halten Sie deshalb auch an der Personalstärke von 70.000 Stellen in der öffentlichen Verwaltung fest? Das würde perspektivisch eine Streichung von rund 16.000 Stellen bedeuten.

Es geht nicht um die Zahl, die politisch gesetzt wurde, sondern um schlichte Fakten. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir mit deutlich weniger jungen Menschen die Volkswirtschaft funktionsfähig halten können. Dabei geht es nicht um das Sparen um des Sparens willen – sondern darum, die noch zur Verfügung stehenden jungen Fachkräfte zwischen der öffentlichen Verwaltung und der Wirtschaft zu verteilen. Wenn die Mannschaft nur noch die halbe Stärke hat, wie Prognosen sagen, dann kann die Verwaltung der Wirtschaft nicht alle Arbeitskräfte wegnehmen.“

(Quelle: http://www.lvz.de/Mitteldeutschland/News/Die-Optionen-sind-beschraenkt)

Das politische innerparteiliche Geplänkel lassen wir heute mal beiseite, es ist irrelevant.  Nehmen wir uns viel mehr mal ein paar Zahlen vor und die Aussage, die hinter diesen Zahlen steckt.

Und halten wir uns vorher vor Augen, welche Werte und Normen momentan gesellschaftlich diskutiert werden, an der Tagesordnung sind. Wie oft wird über Bildungschancen geredet. Über Selbstverwirklichung, über das, was ein wünschenswertes, ein gutes Leben ausmacht. Über die Beseitigung von sozialen Unterschieden, von Grenzen, wir reden von Inklusion (meist ohne zu wissen was das ist und was das heißt). Wir reden davon, die Arbeitswelt attraktiver zu machen, Philosophen philosophieren über den ideellen Wert von Arbeit, der in Zukunft mehr zöhlen wird und zählen soll als die Erfordernis, Lohn zum Lebensunterhalt zu bekommen. Wir reden über Digitalisierung, die die Arbeitswelt nachhaltig und grundlegend verändern könnte. Wir reden allerdings nicht darüber wem Erleichterungen nützen, wem die dennoch geschaffenen Werte zu gute kommen.

„Mit jungen Menschen die Volkswirtschaft funktionsfähig erhalten“.  Es geht darum, Fachkräfte zu verteilen. Wie war das nochmal mit dem idealisierten Rosa-Rote-Brille-Blick? Marktwirtschaft, so lernen wir vom Maschinenbauer, heißt nicht, dass der Mensch sich seinen Lebensweg, seinen Arbeitsplatz sucht. Sondern der Arbeitsplatz sucht sich den Menschen. So oder so ähnlich.

Alle rufen sie den Fachkräftemangel aus. Und irgendwer soll es richten. Dass aber mancher Mangel genau daran liegt, dass Verdienste nicht stimmen, Arbeitsbedingungen verbesserungswürdig sind oder manche Jobs einen gesellschaftlich ganz schlechten Ruf haben – das wird gerne mal vergessen. Was sind das denn für Stellen die unbesetzt sind. Und wo sind sie. Welche Qualifikation erfordern sie und welche Möglichkeiten eröffnen sie?

Manchmal und immer öfter stellt sich mir – das ist vielleicht auch altersbedingt – die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ist es der Sinn des Lebens, eine „human ressource“ zu sein und für den Rest des Tages Konsument damit auch ja die Wirtschaft gut floriert?