Entweder oder nicht

Das Bundesverfassungsgericht hat es nun gefordert, das dritte Geschlecht im Geburtenregister. Heikles Thema, die meisten der Debatten darum sind ziemlich unsachlich. Es wird gelästert, gemeckert, sich abgewandt, manchmal sogar angewidert. Es geht da aber immer irgendwie über Unisex-Toiletten oder ähnliche Unwichtigkeiten.

Ich bin mir nicht ganz sicher ob die Dimension dessen, was da entschieden wurde, so ganz klar ist. Was  ist zum Beispiel mit den gerade im Bereich Bildung lang erkämpften Maßnahmen zur besonderen Förderung von in der Schule benachteiligten Jungen, der Forderung, endlich „mehr Männer“ in Kitas und Grundschulen zu bringen, den Girls-Days und der Frage, wie man Mädchen zu mehr Selbstvertrauen beim Kopfrechnen verhilft? Das Geschlecht ist ein soziales Konstrukt. In Ordnung. Also weg von dieser Dichotomie. (Ich habe als Bildungswissensschaftler noch keine Idee wie eine angemessene und an den Bedürfnissen der Kinder orientierte Förderung aussehen kann – denn sie dann als Mädchen oder Jungs zu „behandeln“ wäre grundfalsch.)

So vieles machen wir am Geschlecht fest. Geschlechtsspezifische Besondereiten als Potential. Da wird dann die Biologie oder die Psychologie als Begründung herangezigen Ich erinnere mich an nicht nur) Fachartikel über „weibliche Führungstugenden“.

Frauen sind bevorzugt aufgefordert, sich zu bewerben. Das ist dann dem dritten Geschlecht gegenüber diskriminierend. Der Girls-Day auch.

Wir sind noch lange nicht in einer Gesellschaft angekommen, in der man von Gleichberechtigung reden kann. Und zwar der der Menschen.  Ich oute mich als Pessimist und finde, wir bewegen uns anstelle hin zu einer inklusiven Gesellschaft weg davon zu einer besonderheitsorientierten Vereinzelungsgesellschaft in der manches aus dem Fokus gerät.

 

Das Maß aller Dinge

An einer Dresdner Schule arbeitet eine Lehrerin, die Marathon läuft. Und zwar offenbar so gut, dass sie am New York Marathon teilgenommen hat. Man könnte das sogar als ein politisches Statement ansehen, Teil einer laufende n Vielfalt ausgerechnet in diesem Land. Vielleicht hat sie sich aber auch nur mal einen Traum verwirklicht. Menschen sollten das dürfen, gut wenn sie die Chance dazu haben – und Lehrer sind eben auch irgendwie Menschen. Also … manchmal.

Eine Meldung in einer Tageszeitung wäre das schon wert geweseen – straft Frau Gottwald doch so einige Lehrerklischees Lügen. Lehrer können was anderes als im Klassenzimmer stehen, sie können sogar richtig gut Sport, sie sind zäh und hartnäckig und sie schaffen sogar einen Flug nach New York. Ironie wieder aus.

Was stand in der Zeitung? Überschrift: „Dürfen Lehrer in der Schulzeit frei machen“. Hintergrund war offenbar eine anonyme (!) Mail einer Mutter, die sich beschwert hat, dass Frau Gottwald an dem Marathon in der nicht unterrichtsfreien Zeit teilgenommen hat. Klar, irgendeiner ist ja schuld am Stundenausfall. Anonyme Müttermails, da fallen mir so ein paar nette Begebenheiten aus meiner Zeit als Kreiselternratsvorsitzende ein. Anonyme Mails lese ich auch heute sehr viel. Der Inbegriff der Feigheit.  Nur – wie wurde diese Mail Thema des Artikels bei dem dann der Frage nachgegangen wurde, dürfen Lehrer nun in der Schulzeit frei machen oder nicht? Fragt eigentlich irgendjemand nach den Urlaubsregeln für Journalisten? Die Fragestellung im Zusammenhang mit dem Unterrichtsausfall zeigt eine erschreckende Unsachlichkeit. Schuld am Stundenausfall sind nicht die Lehrer sondern die Verantwortung dafür trägt – von oben nach unten – das Land Sachsen und dessen nachgeordnete Behörden.  Dürfen Journalisten auch Sinnvolles schreiben – eigentlich? „Das Maß aller Dinge“ weiterlesen

Mission impossible

Ich habe mir da was vorgenommen. Mancheiner weiß das, ich doktere noch an meinem Master herum. Teilzeit ist eben Teilzeit und manchmal sind die eigenen Ansprüche an sich selbst die größte Hürde. Wozu sind Modularbeiten da? Nicht nur für die Note jedenfalls. Glaube ich.

Mit den Jahren habe ich eine Aversion gegen Floskeln entwickelt. Bildungspolitische, sozialpolitische und überhaupt. Inklusion. Alle reden davon. Wissen aber alle worüber sie reden? Nun soll in einem Modul so ein kleines Projekt entwickelt werden. Ein Dingens zum Lernen. Ne Präsi, ein Podcast, Vodcast … Und mangels der Fähigkeit abzuschalten und mal nicht an die Dinge zu denken, die mich nichts angehen, kamen zwei Themen in Anfrage.

Entweder Bourdieu für Kommunalpolitiker (das wäre dann die Relevanz von Bourdieus Millieu- und Habitus- Ansatz für kulturelle Bildung in Kommunen) oder Luhmann für Bildungswissenschaftler.

Nun also, für letzteres habe ich mich entschieden, ersteres mache ich später. Es gibt noch ein Modul gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, da lässt sich die Rolle der Kultur noch besser herausarbeiten.

Arbeitstitel:
„Der Begriff Inklusion und Exklusion im Kontext des Erziehungssystems bei Niklas Luhmann“ im Rahmen eines Kurses für das Modul „Gesellschaftliche Rahmenbedingungen“ an der Fernuniversität Hagen.

Die Begriffe der Inklusion bzw. der Exklusion werden zumeist im Zusammenhang einer kritischen Gesellschaftsanalyse verwendet. Die Systemtheorie beschreibt aber  Inklusion/Exklusion nicht normativ.. Es soll gezeigt werden, dass die systemtheoretische Betrachtung einen anderen Blick auf die Gesellschaft zulässt und die Probleme der modernen, funktional differenzierten Gesellschaft anders beschreibt und eine komplexere Beschreibung der Probleme des Erziehungssystems zulässt.

Gerade für Bildungswissenschaftler, die sich mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen befassen und die in ihrem Beruf später an gesellschaftlichen Veränderungen beteiligt sein sollen, also Exklusion (normativ) vermeiden und Inklusion fördern, brauchen ein möglichst komplexes Bild der Thematik. Nun ist die Systemtheorie an sich sehr umfangreich und der Zugang zu dieser Sichtweise soll erleichtert werden. (ein Widerspruch in sich.)

Mission impossible.

Der eine malt, der andere geht joggen …

„Staatsversagen im Denken“

Gelesen in der Wiener Zeitung:

“Am deutlichsten wird diese Haltung der konsequenten Unentschlossenheit, wenn es um unser Verhältnis zum Staat geht, fungiert er doch als Albtraum und Erlöser in Personalunion. Dieselben Personen, die die Freiheitsrechte des Einzelnen durch Überwachung, überbordende Bürokratie und eine tendenziell übergriffige Politik gefährdet sehen, wenden sich fordernd an eben diesen Staat, wenn es um den Weg zu einem glücklicheren, besseren oder gerechteren Leben geht. Jede dieser beiden Positionen ist, für sich genommen, wenigstens in sich schlüssig; gemeinsam vorgetragen sind sie allerdings aufgrund ihrer logischen Inkompatibilität nur schwer ernstzunehmen.

Der Grund dafür liegt mit großer Wahrscheinlichkeit darin, dass Parteipolitik unser Denken über den Staat bestimmt. Oder anders ausgedrückt: Sind die „Richtigen“ am Ruder, kann der Staat gar nicht mächtig genug sein; befördern die Unwägbarkeiten der Demokratie die „Falschen“ an die Regierung, verwandelt sich dieser eben noch wohlwollende Staat in Windeseile in sein Gegenteil.

Dass dieser Staat und seine Institutionen unabhängig und losgelöst von seinen Parteien gedacht werden muss und nicht umgekehrt die Parteien die Natur des Staats bestimmen, diese Erkenntnis ist in diesem Land nach wie vor ein radikales Minderheitenprogramm. Auch diese ernüchternde Erkenntnis gehört zur demnächst hundertjährigen Bilanz unserer Republik. Wir erleben ein Staatsversagen im politischen Denken.“

http://www.wienerzeitung.at

Ein nachdenkenswerter Artikel. Aber die entscheidende Frage ist: kann ein Staat losgelöst von Parteien gedacht werden? Kann nicht immer jede Form der (De)Regulation missbraucht werden? Nicht zu vergessen: es geht immer um Macht. Oder positiver formuliert: um unterschiedliche Interessen, die es durchzusetzen gilt.

Das im Artikel benannte Problem scheint mir aber kein spezifisch österreichisches. Ich kenne das Thema auch aus Dresden. Sehr konkret.

schöne neue Welt

„Geldautomaten

Durch die Digitalisierung und die damit einhergehende Automatisierung haben dermaßen viele Menschen in QualityLand ihre Arbeitsstellen verloren, dass ein Grundpfeiler des kapitalistischen Wirtschaftssystems wegzubrechen drohte: der Massenkonsum. Zu viele Menschen haben schlicht und einfach nicht mehr genug Geld, um hirnlos vor sich hin zu konsumieren, so gerne sie das auch tun würden. Zum Glück kam irgendein Technokrat aus der Fortschrittspartei auf eine hervorragende Idee, die den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems verhinderte. Die Regierung bestellte bei myRobot – Roboter für dich und mich – eine Unmenge BuyBots: Androiden, deren einziger Daseinszweck es ist, zu konsumieren. Diese Geldautomaten, wie der Volksmund sie nennt, stattet QualityLand Monat für Monat mit erheblichen finanziellen Mitteln aus, um die Marktwirtschaft am Laufen zu halten. Die Androiden ziehen durch die Shoppingmalls und kaufen nach völlig rätselhaften Regeln Krimskrams, Schnickschnack und Firlefanz.

Du brauchst dir aber keine Sorgen zu machen, dass ein BuyBot dir das letzte Armani Smart Jacket wegschnappt! Die Geldautomaten erwerben lediglich Güter des niedrigen und mittleren Preissegments. Der Luxusgütermarkt braucht keine staatliche Beihilfe. Er läuft besser denn je.“

Auszug aus
QUALITYLAND
Marc-Uwe Kling

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Monitor, 2.11.

„Schöne neue Arbeitswelt: Wie Digitalisierung Armut schafft

Roboter, Computer, Algorithmen – wir sind mittendrin in der digitalen Revolution. Studien sagen voraus, dass in den nächsten zehn Jahren die Hälfte aller Berufe automatisiert wird – viele Menschen ohne Arbeit dastehen könnten und prekäre Arbeitsverhältnisse zunehmen. Eine Entwicklung mit sozialem Sprengstoff, warnen Experten. Doch wenn es um Digitalisierung geht, sprechen die künftigen Regierungsparteien über Breitband und Glasfaser statt über Arbeitsplätze und mehr Chancengleichheit.“

http://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-schoene-neue-arbeitswelt-wie-digitalisierung-armut-schafft-100.html

 

Digitalisierung in der Schule

Die Bertelsmann-Stiftung nannte eine Milliardensumme, die fehle, um Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben. Keine Frage, nötig ist das. Aber man muss sich fragen, wofür und warum.

Geht es darum, Lernen zu erleichtern, einfacher zu machen? Oder geht es darum, Digitalisierung als Lernziel zu installieren. Beides ist wichtig, beides ist nötig und dringend ist der Erwerb von Kompetenzen im Umgang insbesondere mit digitalen Medien fraglos. Man muss aber genau wissen worüber man redet.

Viel hilft nicht immer viel. Es ist eben ein Irrglaube, dass allein der Einsatz von Technik Wunder bewirkt. Vereinfacht ausgedrückt: Das Laden einer Sprachlernapp aufs Handy nimmt mir das Lernen selber nicht ab. Es gibt noch keine Technologie, die Wissen und Kompetenzen ins Hirn beamt. Ein besserer Unterhaltungswert heißt noch lange nicht dass es sich einfacher lernt.

Mittel und Zweck oder Medium und Botschaft zu verwechseln birgt immer ein gewisses Risiko. Und beim Lernen mit digitalen Medien sowieso.  Es muss immer darum gehen, technologisch das Lernen an sich zu unterstützen, lernen zu verändern.

Und ich habe manchmal meine Zweifel ob – insbesondere wenn in der Politik von Bildungsqualität die Rede ist – alle wissen wovon sie da reden und was sie meinen – und dies auch konkret beschreiben können.

Human ressources

eines meiner „Lieblingsworte“. Ich möchte eingangs einen Auszug aus dem aktuellen Interview mit dem sächsischen Finanzminister zitieren:

Die Verwaltung ist laut einer Studie überaltert. Weshalb können die Stellen nicht besetzt werden, wie Sie sagen?

Das Problem betrifft ja nicht nur Schulen oder die Polizei. Wir haben insgesamt einen Fachkräftemangel, der dramatisch wächst. Jedes Jahr gehen in Sachsen etwa 60.000 Menschen in den Ruhestand – es gibt aber nur 30.000 junge Menschen, die nachrücken. Das bedeutet: Auf zwei, die ausscheiden, kommt nur ein Nachfolger, was sich in allen Bereichen bemerkbar macht. Natürlich könnte man den öffentlichen Dienst kurzfristig attraktiver machen, um mehr Personal zu holen. Das ginge aber zu Lasten der Wirtschaft und würde letztlich zu weniger Steuereinnahmen führen. Der Freistaat würde also den Ast absägen, auf dem wir alle sitzen.

Halten Sie deshalb auch an der Personalstärke von 70.000 Stellen in der öffentlichen Verwaltung fest? Das würde perspektivisch eine Streichung von rund 16.000 Stellen bedeuten.

Es geht nicht um die Zahl, die politisch gesetzt wurde, sondern um schlichte Fakten. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir mit deutlich weniger jungen Menschen die Volkswirtschaft funktionsfähig halten können. Dabei geht es nicht um das Sparen um des Sparens willen – sondern darum, die noch zur Verfügung stehenden jungen Fachkräfte zwischen der öffentlichen Verwaltung und der Wirtschaft zu verteilen. Wenn die Mannschaft nur noch die halbe Stärke hat, wie Prognosen sagen, dann kann die Verwaltung der Wirtschaft nicht alle Arbeitskräfte wegnehmen.“

(Quelle: http://www.lvz.de/Mitteldeutschland/News/Die-Optionen-sind-beschraenkt)

Das politische innerparteiliche Geplänkel lassen wir heute mal beiseite, es ist irrelevant.  Nehmen wir uns viel mehr mal ein paar Zahlen vor und die Aussage, die hinter diesen Zahlen steckt.

Und halten wir uns vorher vor Augen, welche Werte und Normen momentan gesellschaftlich diskutiert werden, an der Tagesordnung sind. Wie oft wird über Bildungschancen geredet. Über Selbstverwirklichung, über das, was ein wünschenswertes, ein gutes Leben ausmacht. Über die Beseitigung von sozialen Unterschieden, von Grenzen, wir reden von Inklusion (meist ohne zu wissen was das ist und was das heißt). Wir reden davon, die Arbeitswelt attraktiver zu machen, Philosophen philosophieren über den ideellen Wert von Arbeit, der in Zukunft mehr zöhlen wird und zählen soll als die Erfordernis, Lohn zum Lebensunterhalt zu bekommen. Wir reden über Digitalisierung, die die Arbeitswelt nachhaltig und grundlegend verändern könnte. Wir reden allerdings nicht darüber wem Erleichterungen nützen, wem die dennoch geschaffenen Werte zu gute kommen.

„Mit jungen Menschen die Volkswirtschaft funktionsfähig erhalten“.  Es geht darum, Fachkräfte zu verteilen. Wie war das nochmal mit dem idealisierten Rosa-Rote-Brille-Blick? Marktwirtschaft, so lernen wir vom Maschinenbauer, heißt nicht, dass der Mensch sich seinen Lebensweg, seinen Arbeitsplatz sucht. Sondern der Arbeitsplatz sucht sich den Menschen. So oder so ähnlich.

Alle rufen sie den Fachkräftemangel aus. Und irgendwer soll es richten. Dass aber mancher Mangel genau daran liegt, dass Verdienste nicht stimmen, Arbeitsbedingungen verbesserungswürdig sind oder manche Jobs einen gesellschaftlich ganz schlechten Ruf haben – das wird gerne mal vergessen. Was sind das denn für Stellen die unbesetzt sind. Und wo sind sie. Welche Qualifikation erfordern sie und welche Möglichkeiten eröffnen sie?

Manchmal und immer öfter stellt sich mir – das ist vielleicht auch altersbedingt – die Frage nach dem Sinn des Lebens. Ist es der Sinn des Lebens, eine „human ressource“ zu sein und für den Rest des Tages Konsument damit auch ja die Wirtschaft gut floriert?

Wir leben schon längst in QualityLand

Wissen ist Macht. Und was für eine. Wissen schafft Macht – oder schafft sie ab. Besser gesagt Menschen, die Wissen „haben“. Das ist eine Weisheit, so alt wie die Welt, aber dennoch muss man augenscheinlich immer wieder daran erinnern. Anlass für diesen Post war die Frage nach der epochtimes. Der Arbeitskollege des Fragenden postete einen Link zu einem Artikel. Epochtimes. Leitmedium der Rechten – so wird sie bezeichnet. Die Zeit schrieb kürzlich darüber – der Artikel ist zumindest mal lesenswert. http://www.zeit.de/2017/38/epoch-times-afd-alternativmedium

Zitat: „Auf den ersten Blick wirkt die Epoch Times gar nicht auffällig: Die meisten Artikel auf der Website sind Agenturmeldungen, etwa von der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Allerdings mit einer auffälligen Schwerpunktsetzung: Fast alles dreht sich um Migration, um die AfD und um Pegida. In der Rubrik „Epoch Blaulicht“ werden Berichte über Kriminalität veröffentlicht – genauer: Kriminalität durch Ausländer. Durch diese Auswahl schafft es die Epoch Times, ein rechtes Publikum anzusprechen, ohne sich selbst klar zu positionieren.
Meist werden den Agenturmeldungen reißerische Überschriften vorangestellt. Ende August kam es beispielsweise bei der Räumung eines besetzten Hauses in Rom zu einer Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Migranten. Unschöne Szenen, aber nicht ungewöhnlich. Nur vereinzelt wurde das Thema von den deutschen Medien aufgegriffen, zum Beispiel von der dpa. Die Epoch Times übernahm die Meldung und titelte: Mitten in Rom – Migranten liefern sich eine Straßenschlacht mit der Polizei. So wurde der Artikel zum Hit, die eigentlich polizeikritische dpa-Meldung wurde durch die Überschrift umgedeutet. Es funktionierte wie ein Trigger für die Ressentiments der Leser. In den Kommentarspalten entlud sich entsprechend die Wut.
Und das wichtigste zum Schluss:
So gelingt es der Epoch Times, mit wenig Aufwand eine maximale Reichweite zu erzielen. Ökonomisch gesehen eine sinnvolle Strategie: Geschäftsführer Manyan Ng erklärte gegenüber der Wirtschaftswoche, man habe lange Zeit Geld in das Medium gesteckt, das sich über Werbeanzeigen finanziert. Nun schreibe es schwarze Zahlen.

QualityLand lässt Grüßen. Das ist die Realität der Massenmedien. Informationen sind eine Ware. EINE WARE, die sich verkaufen soll. Über Klicks, über Abos und so weiter. Dabei spielt die Information an sich gar nicht die übergeordnete Rolle, sie ist Mittel zum Zweck geworden. Es ist eigentlich nichts neues, aber das Spiel wird immer mehr auf die Spitze getrieben. Gefährlich, weil Informationen aber unser Bild von der Welt bestimmen, von dem was wahr ist. Und darauf, auf ein gesichertes Weltbid, auf Vertrauen, dass das, was man sieht, hört, weiß auch stimmt, ist der Mensch dummerweise angewiesen. Hinzu kommt so eine kleine Eigenheit. Jeder von uns ist ein bisschen eines dieser kleinen Äffchen, die in allen möglichen Kanälen die Runde machen. Wir sehen nichts was wir nicht sehen wollen (und selbst wenn, dann trauen wir unseren Augen nicht.) Wir hören nicht was wir nicht hören wollen (und wenn, dann trauen wir unseren Ohren nicht). Und wir sagen nicht das was wir nicht sagen wollen (und manchmal nicht mal das was wir sagen wollen).

Allein die Auswahl an Informationen, die verbreitet werden, kann das Bild der Realität erheblich verändern. Niemand muss sich die Mühe machen, Falschmeldungen zu verbreiten. Die Auswahl reicht, die Auswahl an Nachrichten, die Aufmerksamkeit generieren. Ein Medium muss gar keine bestimmte politische Richtung haben um ein Leitmedium zu werden. Es reicht, wenn es Meldungen bringt, die „ziehen“ bei einer bestimmten möglichst großen Zielgruppe.  Und das ist das perfide daran. Man sieht es nicht von außen.

Medien wie die Epochtimes haben auch nicht das Problem vieler Verlage, dass ein Überhang (vielfältiger) Negativnachrichten letztlich zu Leserfrust und Leserverlust führen. Denn: sie sind eine Bestätigung für ihre Zielgruppe die genau das lesen will was sie dort zu lesen bekommt.

Zweifelt. Zweifel sind gut und sie sind richtig. Auch gegenüber den Medien. Aber zweifelt bitte richtig.

Wer noch nicht weiß wo Qualityland ist: http://qualityland.de/