Bored Faultier … oder?

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Beim Frühstück las ich wieder mal einen der total lustigen Beiträge, die sich mit der Schnelligkeit im öffentlichen Dienst befassen. Es ging um die Abschaffung der Majestätsbeleidigung. Ein Eilverfahren – und der zeitliche Bezug war die letzte Monarchie in Deutschland. Ha. (5 sec Pause) Ha. (5 sec Pause) Ha. (5 sec Pause)

Hätten wir noch einen Kaiser oder König, dann wär das schneller gegangen. Wirklich. Der hätte nämlich allein entscheiden können. Es ist eigentlich ganz einfach und ganz profan: je mehr (Mit)entscheider, Entscheidungsebenen und Beteiligung, desto länger dauerts. Das ist beinahe Physik. Die Serpentine den Berg hoch zu fahren, braucht weniger Kraft (wir übertragen das mal und übersetzen: Verantwortungslast  aber mehr Zeit). Den geraden und schnellen Weg (Alleinverantwortung) zu wählen ist kraftaufwändiger (risikobehafteter), geht aber schneller. Zumindest auf den ersten Blick. Alleinentscheider wollen wir doch aber gar nicht. Beteiligung wird immer wieder (zu recht) gefordert. Einbeziehung. Und Information. Demokratie dauert deshalb nun mal.

Eine schnelle Entscheidung fordert üblicherweise immer nur der, in dessen Interesse eine für das Interesse positive Entscheidung liegt. Ein Bauunternehmen zum Beispiel. Die Genehmigung soll schnell her, das Gebäude stehen, Verkauf oder Vermietung möglich werden. Zeit ist Geld, also Beeilung bitte. Ob da ein Baum steht oder das Gebäude sich nett in die Umgebung einfügt, Nachbarn was dagegen haben könnten, das ist da weniger von Belang. Nun stellen wir uns mal vor, in Bauangelegenheiten würden immer ganz schnell Entscheidungen (natürlich pro) getroffen. Wir stellen uns das lieber nicht vor.

Ein etwas diffizileres Beispiel. Risikomanagement. Schon mal gehört? Wikipedia sagt dazu:  Risikomanagement ist die Tätigkeit des Umgangs mit Risiken. Dies umfasst sämtliche Maßnahmen zur Erkennung, Analyse, Bewertung, Überwachung und Kontrolle von Risiken. Und das sind mögliche Ereignisse mit wiederum möglichen Folgen. Wir hätten es gern, sind es aber nicht: Allwissend und Propheten. Das heißt es ist nahezu unmöglich, alle möglichen Ereignisse und deren mögliche Folgen im Vorhinein zu erkennen, zu analysieren, die richtigen Maßnahmen vorzusehen und dann noch zu wissen, welche möglichen Folgen diese Maßnahmen möglicherweise haben könnten.

Wir versuchen es aber, wir versuchen uns abzusichern. Schon deshalb um im Falle des Falles nicht die Verantwortung tragen zu müssen. Denn trifft einmal ein solches Ereignis ein (manchmal kotzen eben die Pferde vor der Apotheke), ist man bei der Suche nach dem Schuldigen gnadenlos. Und weil es eben nahezu unmöglich ist, absolut sichere Aussagen über mögliche Ereignisse zu treffen, wird versucht, möglichst sichere Aussagen über mögliche Ereignisse zu treffen. Und das führt nicht selten dazu, dass ein Handeln unmöglich wird – denn wer würde gegen gute Ratschläge handeln, ein formuliertes (wenn auch unwahrscheinliches) Risiko in Kauf nehmen? Sei es nun beim Brandschutz, bei einer öffentlichen Veranstaltung oder sonstwo. Ein formuliertes Risiko, so unwahrscheinlich es ist, wird allein dadurch, dass es formuliert ist, schon real. (Denke nicht daran, dass es rosa Elefanten regnen könnte und schon gar nicht, dass Dir einer auf den Kopf fällt.)

Es gibt Anforderungen, die schnellen Entscheidungen unmöglich machen. Je transparenter, nachvollziehbarer, „objektiver“ eine Entscheidung sein soll, desto mehr Entscheidungs(vorbereitungs)ebenen gibt es (wobei dann am Ende gar keine Entscheidung mehr zu treffen ist, Entscheidung setzt voraus, dass es überhaupt Optionen gibt) und desto länger dauert es. Auch wenn uns das nicht gefällt, wir wollen es ja selbst so. Im Falle, wir bekämen den Job nicht, die Baugenehmigung würde abgelehnt, eine Veranstaltung, eine Raumnutzung nicht genehmigt.

Dass man aber nicht erwarten kann, dass eine Kanzlerin (oder ein Bürgermeister) per Federstrich ein Gesetz abschafft, dürfte auch klar sein. Denn – wer entscheidet welches Gesetz, welche Regel verzichtbar ist? Deshalb gibt es dafür Verfahren. Und Verfahren, die regeln wie im Falle des Zuwiderhandelns zu verfahren ist.

Und nun noch zu guter Letzt -Entbürokratisierung. Die Abschaffung einer Regel gebiert 20 neue. Ist so ein Spruch. Absurd? Nur auf den ersten Blick. Prüfe ich nämlich die Abschaffung einer Regel, dann fällt erst in diesem Prozess auf, was alles nicht  geregelt ist und was zu Regeln wäre um die Abschaffung der Regel regelrecht durchzuführen. Das ist nun mal unser selbstgewähltes Elend.

Da rauskommen? Würden wir uns denn darauf einlassen wollen…?

 

 

Wenn Satiriker die besseren Politiker sind

Ich kann mich gut erinnern als meine Großeltern fassungslos waren über „den Schauspieler“, der da Präsident war. So ein Regierungschef, der muss doch was „Richtiges“ können. Es sind viele Jahre vergangen seitdem. Jahre, in denen noch so einige Illusionen über Politik verloren gingen.

Und heute – heute droht ein Regierungschef dem anderen mit der Größe seines Atomknopfes (- und alle Welt fragt nach dem Geisteszustand des Einen – nach dem Geisteszustand es Anderen nicht. Wie bekloppt ist diese Welt eigentlich?) Ich stopfe einen neuen Wollpullover nach dem Kauf in die Handtasche weil ich die 20 Cent Erziehungsgebühr für die Tüte aus Prinzip nicht zahle, die Biogurke im Kaufland  in Plaste eingewickelt, die geschälte Pomelo im Rewe auf einem Plastikteller mit Folie umhüllt – ich lasse sie liegen.

Parteichefinnen bedienen sich eines Hinterhofjargons oder spielen Brundhild und Kriemhild. Ein Ministerpräsident schmeisst den Lehrer aus dem Kultusministerium, setzt einen Juristen auf diesen Ministerstuhl und den, der aus eben diesem geschasst wurde, weil er Versäumnisse nicht mehr mittragen wollte (der also als neuer alter Kultusminister vielleicht noch einigermassen verkaufbar gewesen wäre), lässt er sich mit Innereien befassen. Die Bundesebene entlarvt sich gleich als komplett handlungs-, kommunikations- und entscheidungsunfähig. Aber eine CDU-Bürgermeisterin liebt einen Prinzen-Sänger. Ein so wichtiger Sachverhalt steht in allen Zeitungen. Medien. Unsere 4. Gewalt.

So ein Regierungschef, so ein Politiker muss doch was „Richtiges“ können. Hm. Und zu genau diesem Zeitpunkt stellt ausrechnet ein Bühnenmensch, ein Moderator, ein Satiriker (!) die richtigen Fragen.

„Es geht um die Formulierung einer positiven, radikal neu gedachten und vor allem sozialen Vision einer zukünftigen Gesellschaft, die Neugestaltung demokratischer Teilhabe angesichts der digitalen Revolution und die Wiederentdeckung der Kategorie Mensch.

Wer das kann, gewinnt.“

https://www.facebook.com/jboehmermann/

Wenn Satiriker die besseren Politiker sind…

Zum Neuen Jahr

keine schönen Zitate oder dergleichen. Sondern ein wenig Nachdenken. Irgendwann demnächst wird der Stadtrat über die Fortschreibung des Schulnetzplanes entscheiden. Ich hoffe mir diese Debatte nicht anhören zu müssen, es würde mir wohl sehr schwer fallen, still zu bleiben.

Am Thema Bildung zeigt sich nämlich, wie ehrlich Politik sein will. Schulsanierungen und der Bau neuer Schulen ist eine Herausforderung. Aber nicht die wichtigste. Segregation. Soziale Segregation. Jeder denkt dabei sofort an Armenviertel. An Ghettoisierung. Die Lösung? Soll der Wohnungsbau sein. Sorry, das ist Quatsch. Segregation – das ist Alltag in Kindertagesstätten und in Schulen. Dort findet eine Entmischung, dort findet Homogenisierung statt.  Dadurch, dass Eltern die Einrichtung für ihre Kinder wählen. Oder es eben nicht tun. Es fällt nicht auf, weil nur das in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, was wahrnehmbar ist, was problematisiert oder skandalisiert wird. Hat sich eigentlich schon mal jemand darüber aufgeregt, dass an bestimmten Schulen sagen wir mal der Anteil von Kindern aus bildungsnahen Elternhäusern sehr gering ist? Mir nicht erinnerlich, vielleicht ist es das Alter. Ich kenne nur Aufregung darüber wenn Eltern ihr Kind nicht an der Wunschschule oder Wunschkita unterbringen konnten (und das setzt voraus, dass sie einen Wunsch haben.)

„Eine solche Praxis der „Entmischung“ als Zusammenspiel von
Schulen, Eltern und Politik gibt nicht nur das rhetorisch immer
wieder beschworene Ziel der sozialen Integration auf, sondern verweist darauf, dass die Motive der Diskriminierung nicht nur an den Rändern der Gesellschaft bei unaufgeklärten, vorurteilbehafteten Gruppen zu suchen sind, sondern in einer Leistungsgesellschaft unter Bedingungen der Konkurrenz als
Streben nach individuellen wie organisatorischen Vorteilen in der Mitte der Gesellschaft angesiedelt sind.“ (Radtke, 2007)

Ein Plädoyer gegen die freie Schulwahl? Nein. Aber als Anregung, vielleicht mal den einen oder anderen, sich für eine bestimmte Schule oder einen bestimmten Stadtteil vehement einsetzenden Bildungspolitiker zu fragen, ob er die eigenen Kinder dort hin schickt, geschickt hat oder schicken würde. Und warum er das nicht tut.