Die schwarze Ampel

Jamaika. Kommt sie nun, diese Koalition oder kommt sie nicht. Münden die Sondierungen in einem Ergebnis oder münden sie nicht. Fakt ist, die Wahl hat Akteure zur Zusammenarbeit verdonnert, die normalerweise nicht zusammenpassen dürfen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Oder so. Zumindest klingt das in einigen Äußerungen mehr oder weniger promin- und kompetenter Parteivertreter so. In Koalitionen verlieren immer welche. Meistens die kleinen Partner. Um der Vernunft oder des Machterhalts willen – je nach dem – werden zuvor vehement vertretene Positionen verlassen, aufgegeben, man rückt von ihnen ab. Sich zu profilieren, klare Positionen zu vertreten, das erwartet man. So irgendwie. Nur manchmal nehmen die Wähler die Parteien in die Verantwortung. Jeder Wähler seine, das ist das blöde daran. Obwohl eigentlich klar sein müsste, in einer Demokratie muss es immer Kompromisse geben, weil es nicht „die eine einzig wahre Wahrheit“ gibt. Weil niemand immer nur Recht hat oder weiß was richtig ist. „Die schwarze Ampel“ weiterlesen

Entweder oder nicht

Das Bundesverfassungsgericht hat es nun gefordert, das dritte Geschlecht im Geburtenregister. Heikles Thema, die meisten der Debatten darum sind ziemlich unsachlich. Es wird gelästert, gemeckert, sich abgewandt, manchmal sogar angewidert. Es geht da aber immer irgendwie über Unisex-Toiletten oder ähnliche Unwichtigkeiten.

Ich bin mir nicht ganz sicher ob die Dimension dessen, was da entschieden wurde, so ganz klar ist. Was  ist zum Beispiel mit den gerade im Bereich Bildung lang erkämpften Maßnahmen zur besonderen Förderung von in der Schule benachteiligten Jungen, der Forderung, endlich „mehr Männer“ in Kitas und Grundschulen zu bringen, den Girls-Days und der Frage, wie man Mädchen zu mehr Selbstvertrauen beim Kopfrechnen verhilft? Das Geschlecht ist ein soziales Konstrukt. In Ordnung. Also weg von dieser Dichotomie. (Ich habe als Bildungswissensschaftler noch keine Idee wie eine angemessene und an den Bedürfnissen der Kinder orientierte Förderung aussehen kann – denn sie dann als Mädchen oder Jungs zu „behandeln“ wäre grundfalsch.)

So vieles machen wir am Geschlecht fest. Geschlechtsspezifische Besondereiten als Potential. Da wird dann die Biologie oder die Psychologie als Begründung herangezigen Ich erinnere mich an nicht nur) Fachartikel über „weibliche Führungstugenden“.

Frauen sind bevorzugt aufgefordert, sich zu bewerben. Das ist dann dem dritten Geschlecht gegenüber diskriminierend. Der Girls-Day auch.

Wir sind noch lange nicht in einer Gesellschaft angekommen, in der man von Gleichberechtigung reden kann. Und zwar der der Menschen.  Ich oute mich als Pessimist und finde, wir bewegen uns anstelle hin zu einer inklusiven Gesellschaft weg davon zu einer besonderheitsorientierten Vereinzelungsgesellschaft in der manches aus dem Fokus gerät.

 

Das Maß aller Dinge

An einer Dresdner Schule arbeitet eine Lehrerin, die Marathon läuft. Und zwar offenbar so gut, dass sie am New York Marathon teilgenommen hat. Man könnte das sogar als ein politisches Statement ansehen, Teil einer laufende n Vielfalt ausgerechnet in diesem Land. Vielleicht hat sie sich aber auch nur mal einen Traum verwirklicht. Menschen sollten das dürfen, gut wenn sie die Chance dazu haben – und Lehrer sind eben auch irgendwie Menschen. Also … manchmal.

Eine Meldung in einer Tageszeitung wäre das schon wert geweseen – straft Frau Gottwald doch so einige Lehrerklischees Lügen. Lehrer können was anderes als im Klassenzimmer stehen, sie können sogar richtig gut Sport, sie sind zäh und hartnäckig und sie schaffen sogar einen Flug nach New York. Ironie wieder aus.

Was stand in der Zeitung? Überschrift: „Dürfen Lehrer in der Schulzeit frei machen“. Hintergrund war offenbar eine anonyme (!) Mail einer Mutter, die sich beschwert hat, dass Frau Gottwald an dem Marathon in der nicht unterrichtsfreien Zeit teilgenommen hat. Klar, irgendeiner ist ja schuld am Stundenausfall. Anonyme Müttermails, da fallen mir so ein paar nette Begebenheiten aus meiner Zeit als Kreiselternratsvorsitzende ein. Anonyme Mails lese ich auch heute sehr viel. Der Inbegriff der Feigheit.  Nur – wie wurde diese Mail Thema des Artikels bei dem dann der Frage nachgegangen wurde, dürfen Lehrer nun in der Schulzeit frei machen oder nicht? Fragt eigentlich irgendjemand nach den Urlaubsregeln für Journalisten? Die Fragestellung im Zusammenhang mit dem Unterrichtsausfall zeigt eine erschreckende Unsachlichkeit. Schuld am Stundenausfall sind nicht die Lehrer sondern die Verantwortung dafür trägt – von oben nach unten – das Land Sachsen und dessen nachgeordnete Behörden.  Dürfen Journalisten auch Sinnvolles schreiben – eigentlich? „Das Maß aller Dinge“ weiterlesen

Verantwortung

Ist ein Rücktritt die Übernahme von Verantwortung? Oder ist ein Rücktritt das ganze Gegenteil? Die Reaktionen auf die Ankündigung des sächsischen Ministerpräsidenten zurückzutreten sind unterschiedlich, es ist manchmal auch erstaunlich, wie schnell eine Analyse oder Erklärung so da sein kann.

Menschlich mag es nachvollziehbar sein. Das Wahlergebnis, Sachsen, der ostdeutsche Musterschüler, Pisa-Spitzenland und dann der Verlust der Mehrheit ausgerechnet an eine Partei die mit Nicht-Bildung arbeitet. Der Rücktritt der Kultusministerin, die mehr oder weniger deutlich durch die Blume sagte, dass sie vom Ministerpräsidenten allein gelassen wurde mit einem Problem, dessen Bennennung ihren Vorgänger das Amt kostete. Auf Veranlassung des Ministerpräsidenten. Und dann der Finanzminister. Die unangreifbare Institution, gegen die sich der MP nicht durchsetzen konnte oder wollte. Der Verantwortung stellen durch Rücktritt? Der Verantwortung stellen hätte bedeutet, Themen anzugehen. Entscheidungen zu treffen. Die Probleme liegen tiefer als dass sie durch den Austausch einer Person würden behoben werden können.

Irgendwie irre wirkt dann insbesondere die „Aufbruchstimmung“, die durch einige MDLs in den Sozialen Medien verkündet wird. „Der König ist tot es lebe der König?“ Ganz so einfach ist es nicht, weder leben wir in einer Monarchie noch ist ein Ministerpräsident allmächtig. Und genau deshalb ist es Unfug, auf nur eine Person die Verantwortung eines Wahlergebnisses zu reduzieren. Oder so zu tun als sei es der MP allein gewesen, der eine Kultusministerin hängen gelassen hat oder einen Finanzminister gewähren lies.

Es wirkt schizophren. Wir leben in einer Demokratie. Und dann war immer nur einer schuld? Soll immer nur einer verantwortlich sein? Liebe Menschen, macht es euch nicht immer so verdammt einfach.

Herr Tillich hat aufgegeben. Und das ist ok. Menschen dürfen auch das. Es ist auch das einzige was bleibt, hat er  doch genauso wie alle anderen kein Rezept, keine Blaupause, keinen Plan wie man mit der momentanen gesellschaftlichen, politischen Situation umgehen soll, mit dem Veränderungsprozess in dem wir uns befinden.

Auch eine SPD, auch die Grünen, auch die Linken, auch die FDP nicht. Auch sie haben viele Wähler nicht erreicht.

Die anderen, die haben ihm gegenüber einen Vorteil. Einen potentiell Schuldigen. Den hat er nicht. Also bleibt ihm nur zu sagen, ok, dann gehe ich.

 

Widersprüche

Wir beklagen das Gletschersterben.  Und untermalen dies mit still stehenden und vor sich hin rostenden Liften. Und beschreiben, wie schlimm sich das auf den Tourismus auswirkt, ergreifen Gegenmaßnahmen wie Schneekanonen und Sonnenschutzfolien für Gletscher.

Wir beklagen den Klimawandel als Ursache für fehlenden Schnee und holzen Berghänge ab für neue Lifte und planieren Wiesen für Pisten und oder Menschen, die auf zwei oder vier Rädern schnell nach unten kommen wollen und zerfahren mit zwei oder vier Rädern Berghänge.

Wir schreiben vom wertvollen Wasser auf Berghütten, was sparsam verwendet werden soll und unten auf dem Parkplatz steht der SUV, am Wirtschaftsweg die Schneekanone und nicht weit entfernt das Wasserreservoir.

Wir preisen glückliche Kühe und freilaufende Esel auf zaunlosen Wiesen als Maß aller Dinge und hoffen, das Wölfchen daneben benehme sich wie ein anständiger Hütehund.

Fortsetzung folgt.

Euphemismen

Ein Zitat aus einem Zeitungsartikel. Nur so gespickt mit Euphemismen. Worum geht es? Um Fachkräftemangel. Lesen wir einmal:

Die Bundesagentur für Arbeit kommt in einer aktuellen Analyse zu dem Ergebnis, dass ein deutschlandweit flächendeckender Fachkräftemangel etwa bei Ingenieuren, Spezialisten im Hoch- und Tiefbau, in der Gesundheitsbranche und Krankenpflege sowie bei Softwareexperten
erkennbar sei. Sachsens oberster Arbeitsvermittler räumt ein, „in ausgewählten Berufen” sei zu spüren, dass es kaum noch Experten gebe. Dazu gehörten Altenpfleger, Elektriker und Mechatroniker. In Thüringen fehlt es laut Arbeitsagentur auch an Fachkräften in der Metallverarbeitung und bei Fein- und Werkzeugtechnikern.

Ohne Zweifel: Menschen, die in der Altenpflege arbeiten oder in der Krankenpflege, die als Zerspaner oder Mechatroniker ihr Geld verdienen – oder als Hausmeister äh facility manager, sie sind Experten und sie haben wichtige Jobs. Euphemistisch sind die Bezeichnungen aber wenn Arbeitsagentur oder Wirtschaft mit dem großen Jammern anfangen, aber allemal. Um welche Arbeitsplätze geht es denn eigentlich? Wie wäre es, einmal die Übersicht der Stellen zu veröffentlichen, um die es geht? Dann käme man der Lösung vielleicht ein wenig näher. Lösung heißt in dem Falle nicht eine Bewerberflut. Sondern eine Diskussion über den Wert von Arbeit vielleicht. Und noch ein wenig darüber hinaus. Was mich nur immer ein wenig wundert ist, warum nie danach gefragt wird udn das wird es offenbar nicht, sondern da gab es offenbar eine schöne Pressemitteilung mit einer großen Zahl und das wird dann auch gleich der Aufmacher.

Ich verwalte, Du verwaltest (oder warum ich froh bin dass Freitag ist)

Ich ahne womit in einer Verwaltung gefühlte 60% an Arbeitszeit(bescheiden geschätzt) eingespart werden könnten. Gefühlte 60% (manchmal auch mehr) an Zeit (und unzählige gerissene Geduldsfäden und verschwendetes Nervengewebe) gehen drauf wenn Aufgabe zu bewältigen, etwas zu tun, ein Problem zu lösen ist, nicht für die Bewältigung, die Tat oder die Lösung – sondern um die Frage wer dafür eigentlich zuständig wäre, etwas nicht getan hat und infolgedessen nun diese Aufgabe, die Frage oder das Problem steht oder welche Vorschrift dagegen spricht.

Und ich frage mich, woher kommt das. Sind es die Arbeitsjahre in einer Verwaltung gepaart mit Frustration weil die eigene Leistung nie wirklich anerkannt wurde (oder man sich nicht anerkannt fühlt)? Ist es profane Faulheit? Angst? Verunsicherung? Oder ein paar Jahre mehr solche Tage wie heute mit der Folge dass man sich irgendwann auch in der Haltung verschanzt, Hauptsache nicht ich.

Optimist oder Realist. Ich war ja mal optimistisch zu glauben, man könne eine Kultur einer Organisation verändern – gezielt verändern. Der Soziologe in mir sagt, Vergiss es. Organisationen haben ein ziemliches Beharrungsvermögen. Und Verwaltungen „leben“ genau von den Fragen, wer ist zuständig, wer hat (möglicherweise) einen Fehler gemacht und welche Vorschrift spricht dagegen. Denn wenn eine dieser Fragen mit Null beantwortet wird, also noch keine Zuständigkeit geregelt, niemand einen (nachweislichen) Fehler gemacht im Sinne eines Verstoßes oder es gibt nichts, was dagegen spricht (und das kann ja nun weißgott nicht sein), jubelt die Verwaltung. Man kann Zuständigkeiten regeln, eine neue Verfahrensvorschrift einführen (damit etwas da ist wogegen eventuell jemand verstoßen haben könnte) oder einen stichhaltigen Grund finden der dagegen spricht.

Ich freue mich auf Montag.

Rezensiert – für den Grusswortratgeber

Wie geht ungeschickt?

Nehmen wir zum Beispiel mal an es geht um eine Schule. Eine neue Schule. Eine große Schule. Da wird ein Grundstein gelegt, es werden Kinder und Lehrer da sein die schon diese Schule „sind“. Um deren Haus geht es. Vielleicht gab es zu Beginn Schwierigkeiten, die gibt es oft wenn man baut und je größer das Projekt, desto größer sind manchmal die Schwierigkeiten. Da gibt es Grundstückstthemen, müssen die Umweltbelange berücksichtigt werden, schön soll es sein und nicht zu laut. Das kann dauern. Das ist aber kein böser Wille irgendeiner höheren Macht, da kämpft auch niemand gegen Windmühlen, da waren nur Lösungen zu finden. Nun hat aber nicht jeder, der eine Lösung gefunden zu haben glaubt, tatsächlich die Lösung. Wer keine Verantwortung für einen bestimmten Bereich, nehmen wir mal an Brandschutz oder Umweltschutz trägt, der kann leicht sagen, macht doch einfach mal. Bei 75 Millionen ist es auch angeraten, genau zu überlegen, was man da bauen will.

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Reden ist …

Heut hab ich beschlossen, es gibt irgendwann mal ein Buch von und über Grußworte. Mit meiner Sammlung gehörter Grussworte selbstverständlich. Zum Hören -und vergleichen – habe ich ziemlich oft die Gelegenheit. Es gibt solche und solche und wie immer im Leben gibt es die Geschichte dahinter und davor oder zwischen den Zeilen.

Deshalb werde ich die auch sortieren. Nach den bewährten Känguru Rubriken geordnet. Witzig und nicht witzig. Und mit Kommentaren zum Hintergrund, der die Sortierung verstehen hilft.

Vielleicht bastle ich ja auch einen Ratgeber für Grußworte. Kam mir heute so in den Sinn. Der enthielte auch eine Warnung vor einem  Zuviel an Selbstlob und Selbstbezug. Das kann ins Auge gehen und eine gegenteilige Wirkung erzielen. Zuallererst steht immer die Frage, zu wem soll gesprochen werden. Ein Grußwort ist kein Selbstgespräch.

Ich musst ja

so abstimmen. So äußerte sich mal eine Stadträtin vor nicht allzu langer Zeit in einer nicht allzu fernen Stadt in einem nicht allzu großen Tale an einem nicht allzu kleinen Fluss. Ein trauriger Versuch der Rechtfertigung. Ich musste ja…. oder du kennst doch die Fraktion/Partei/Kreisverband. Lässt sich beliebig austauschen. Keine Ahnung wie oft ich diesen Satz in verschiedensten Variationen schon gehört habe, hören musste.

Halten wir mal fest: niemand, aber auch niemand ist in diesem Land gezwungen, sich gegen seine Überzeugung zu verhalten oder anders abzustimmen. Niemand in diesem Land ist gezwungen die Klappe zu halten wenn jemand, egal ob Fraktionsmitglied, Parteivorsitzender oder ähnliches ein Verhalten an den Tag legt, was nennen wir es mal problematisch ist. Theoretisch. Praktisch ist es aber so, dass in Parteien und Fraktionen recht machtvolle Mechanismen existieren. Die führen nicht nur zu dem absurd erscheinenden beschriebenen Phänomen, sonder auch dazu dass das Vertrauen in „die Politik“ sinkt.

„Die da oben“ sind übrigens auch ein typisches Feindbild innerhalb der Politik. Für eine Stadtratsfraktion ist das der Kreisverband oder die Landespartei oder die Vorstände. Für einen Ortsverband der Kreisvorstand und ganz manchmal führt die Tatsache, dass aus Angst vor Ansehensverlust oder Machtverlust oder sonstigen Dingen Konflikte ignoriert, umgangen und nicht geklärt werden dazu, dass sich die einen sich um nichts streiten und lächerlich machen und sich bei den anderen eine hässliche Gesinnungsfratze zeigt. Helfen tut das niemanden, es trägt nur dazu bei dass die, die am wenigsten Lösungen und Ideen für eine gute Zikunft haben, weiter erfolgreich  den Rattenfänger von Hameln spielen.