Was Neues und die Reaktionen

Es ist wie ein Sprung in der Platte. Da gibt es einen Entwurf einer Fachplanung – und man echauffiert sich.

Ich zitiere mal aus einem Artikel: „Die Verwaltung macht was sie will.“ Und gleich danach: „Ichbin ehrenamtliche Stadträtin . Meine Aufgabe ist es nicht , der Verwaltung Vorschläge zu unterbreiten . Sondern der Verwaltung Aufträge zu erteilen.“

HÄ?! Na was denn nun? Die Verwaltung hat einen Vorschlag gemacht. Deshalb macht sie noch lange nicht, was sie will. Diese Vorschläge können falsch sein. Dann gehören andere auf den Tisch. Der Schulnetzplan ist ein Referentenentwurf. Übersetzt: der Entwurf dieser Fachplanung ist zu einem früheren Zeitpunkt als das vorher üblich war öffentlich und kann und darf und soll diskutiert werden. Vielleicht erinnert sich noch jemand daran, dass mal ein Schulnetzplan komplett wieder zurückgeschickt wurde. Zeitverlust, der niemandem hilft.

Ja, ehrenamtlicher Stadtrat zu sein ist echte harte Arbeit. Ehrenamt – das bedeutet Dienen. Das Amt ausüben zu dürfen ist eine Ehre. Nicht der, der das Amt ausübt sollte eine besondere Ehre für sich beanspruchen).

Ich habe meine Aufgabe damals als ehrenamtliche Stadträtin immer so verstanden dass es NICHT nur Aufgabe ist, Aufträge zu erteilen oder Anforderungen zu stellen. Sondern selbst mit an Lösungen zu arbeiten. Das ist aber nicht ganz so einfach und das macht Arbeit – und es bringt weniger „Ruhm“. Parteipolitisch gesehen. Man muss da ja auch mal miteinander reden und zuhören. Und manchmal erkennen: man selbst hat nicht immer Recht.

Wirkungsbewusstsein

Kürzlich sagte einmal ein Mensch, der es wissen muss, ein Problem in der Verwaltung sei, dass viele sich nicht darüber bewusst sind, dass und welche Wirkungen ihr Handeln und ihre Entscheidungen haben.

Übersetzt: was ich will ist das eine. Was ich damit anrichte ist das andere. Man kann es auch Verantwortungsbewusstsein nennen. Und dieses Bewusstsein fehlt. Anscheinend auch in der Kommunalpolitik.

Was soll die Debatte über den Bildungsbürgermeister nach der Wahl? Wenn das Ressort RRG so wichtig ist, warum hat man es dann nicht selbst besetzt?

Das Nachtreten im Nachgang ist meines Erachtens nur noch peinlich. Für die, die es tun.

Mein veganer Senf

zum Weltvegantag. Ich esse seit ich denken kann einfach gerne Obst. Und Gemüse. Nicht alles davon. Manches gar nicht, manches viel. Erdbeeren zum Beispiel. Es kann sein dass ich im Sommer nur Erdbeeren esse wenn mir danach ist.

Profanes Müsli am Morgen (Nein, nix mit Chia und Quinoa). Haferflocken. Schnöde Haferflocken, manchmal Hirse, manchmal Leinsamen. Irgendwas davon. Und den Rest des Tages Obst und Gemüse, meistens roh, manchmal schmeiß ich das Zeug auch in eine Pfanne oder einen Topf.

Das fällt natürlich auf. „Bist du Veganer“? Aha. Man definiert Menschen übers Essverhalten. Na wenn wir sonst keine Probleme haben. Ok, dann bin ich eben Veganer. Teilzeitrohköstler, LowCarb Dings weil ich außer den Körnern kein Brot oder sowas esse. Und ich bin genervt. Von diesem ganzen Ernährungssch***  Auf der einen Seite haben wir eine Agrar- und Lebensmittelindustrie, die uns immer weiter wegführt von dem was man unter „natürlichem“ Essverhalten verstehen könnte. Auf der anderen Seite dann all die wissenschaftlichen Erkenntnisse, Superfoods und immer neue Richtungen die mittlerweile schon religiösen Charakter haben.

Nein, ich bin kein Veganer aus Überzeugung. Im Gegenteil. Ich halte die Vegetarismus-Debatte für absurd. Wenn alle Menschen Veganer wären, was hätte dies wohl für Auswirkungen auf die Landwirtschaft? Bestes Beispiel die neueste Avocado-Debatte.

Fisch ist gesund sagen die einen.  Die anderen sagen: esst weniger Fisch, die Meere können nicht mehr. Esst kein Fleisch sagen wieder andere, die Tiere leiden unter euch, die Umwelt sowieso. Ok. Was stattdessen? Import-Obst und Gemüse? Ananas von einer Plantage? Die Weltwasserfeindin Avocado? Die neuen Superfoods?

Wie war es denn als Lebensmittelimporte noch nicht möglich waren. Stellen wir uns mal vor, vegan zu leben. Ohne Zusatzsstoffe natürlich. Und nur mit regionalen Produkten.

Es ist immer das Maß und die Ausgewogenheit worauf es ankommt.

Darauf ein Käsebrötchen.

 

Eine Fabel.

Hase und Igel rennen um die Wette und der Wolf sitzt am Feldrand und feixt und wartet und wartet und wartet. Irgendwann werden Hase und Igel und Igelfrau sich gegenseitig müde gemacht haben und er braucht so gar nichts dazu zu tun. Außer warten und zusehen.

Da muss mal jemand …

“ Da muss mal jemand eine Entscheidung treffen“. Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört, öfter noch personalisiert abgewandelt. Jemand. Soll eine Entscheidung treffen. Oder eine Ansage machen. Festlegen. Durchgreifen. Oder auch eine Lösung finden.

Anfangs irritiert nahm ich solche Sätze zur Kenntnis. Mitnichten von Menschen, deren Position es nicht erlaubt, selbst eine Entscheidung zu treffen. Zu Handeln. Sich zu positionieren. Mitnichten von Menschen, die sonst in Begeisterung ausbrechen, wenn sie auch nur das Gefühl haben, es machte ihnen irgendwer Vorschriften.

Mittlerweile fällt es mir immer schwerer, solche Sätze unkommentiert zu lassen. Dieses Phänomen, was man mit delegierter Verantwortung am besten beschreiben kann und was so viele Widersprüche offenbart.

Irgendwer (nur nicht man selbst) soll entscheiden (und dann verantwortlich gemacht werden können). Irgendjemand (nur nicht man selbst) soll Lösungen finden (damit später die Kritik nicht als Seblbstkritik ausfallen muss?) Irgendjemand soll durchgreifen – und das in einer Gesellschaft, in der in allen Ebenen die demokratische Mitbestimmung gewollt ist und durchregneten verpönt … Ist das wirklich gewollt?

Wie steht es um die eigene Verantwortung? Den eigenen Beitrag?

 

 

 

Das Ding mit der Zivilcourage

Als ich heute morgen zur Arbeit gefahren bin, ahnte ich noch nicht was dieser Tag noch so bringen würde. Erschreckend ist dennoch, wie unwürdig sich Menschen verhalten wenn sie – und das ist meine These, mit ihrem Leben unzufrieden sind, verbittert vielleicht und sich irgend einen Schuldigen dafür suchen. Einen Schuldigen. Und einen Führer, der ihnen ein Heil verspricht was sie nie finden werden.

So haben manche Leute nichts besseres zu tun als schlecht verkleidet mit Trillerpfeifen und Flyern eine Veranstaltung zu stören. Dass manche Menschen nichts besseres zu tun haben als Sonntagvormittags bereits so viel Alkohol zu konsumieren, dass jeglicher Anstand ihnen verloren geht und sie dann andere Menschen unflätig bepöbeln.

Jugendlichen würde man fehlende Erziehung vorwerfen. Die beiden Personen die meinten, mich heute anfassen zu müssen, die Dame, die mir mein Handy aus der Hand schlug, eigentlich tun sie mir leid. Zutiefst leid. Was bringt Menschen dazu, wie verbittert und unglücklich muss man sein, dass es nichts anderes mehr gibt als Verachtung und Hass?

Es macht sprachlos. Und ratlos. Mir ist die Erklärung „rechtsradikal“ nicht genug. Sie greift zu kurz und sie macht es zu einfach. Aber darum geht es mir jetzt nicht. Ich gebe zu es ist beängstigend, vor so aufgeladenen Menschen zu stehen von denen man nichts weiß wie sie im nächsten Moment reagieren. Eines weiß ich aber: Wegschauen ist der falsche Weg. Immer. Es passiert zu oft.

Gedanken … Teil 1 von …

Seitdem ich mal für die Städtischen Bibliotheken ein Gutachten schrieb über das Thema Integration, wofür wir Konzepte über Konzepte verfassen und was wir so oft Herausforderung nennen, trage ich mich mit dem Gedanken, dazu selbst auch ein paar kluge Sätze loszuwerden. Und ich mach das jetzt einfach mal.

Integration ist Alltag. Sozialer Alltag. Bestandteil der Differenzierung sozialer Systeme, die leben. Sich jeden Tag verändern, so wie wir. Ob wir das nun glauben oder nicht.

Leider ist der Begriff Integration dermaßen politisch überfrachtet, dass eine nüchterne und soziologisch halbwegs fundierte Betrachtung kaum noch möglich zu sein scheint. Integration – ein wunderbares Beispiel für die Dilemmata einer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Wetten? Kompliziert? Zu große Herausforderung? Ein wenig mehr Gelassenheit täte uns gut, ein klein bisschen weniger Aufgeregtheit in der Debatte. Den Blich wieder aufs wesentliche richten.

Fangen wir mal mit den ganz einfachen Sachen an (zu den komplizierten kommen wir später noch).

Ein Kind wird geboren. Aus einem Paar wird eine Familie, aus einer Familie mit einem Kind wird eine Familie mit zwei Kindern und so weiter und so fort. Sind wir uns bewusst was da alles passiert? Ja, das ist ein Integrationsprozess!

Ich lasse mal ein wenig Platz zum Durchdenken. Wer Geschwister hat wird sich erinnern: in die Freude mischt sich Eifersucht. Erstgeborene müssen auf einmal teilen. Die Liebe der Eltern, die Aufmerksamkeit, die Zeit, später das Spielzeug. Für Geschwisterkinder ist das verdammt schwer – und meistens hat man sie nicht gefragt – und wenn dann nur rhetorisch.

Die Beziehung der Eltern verändert sich, die gewohnte bisherige Ordnung wird schon sehr durcheinander gebracht. Das ist hier kein Elternvorbereitungskurs, also will ich das Thema nicht weiter ausdehnen. Sicher aber würde niemand in Zweifel ziehen, dass dies alle Betreffenden verändert.

Anderes Beispiel: Ein neuer Schüler kommt in eine Klasse. Der Schüler wird die ganze Klasse verändern und sie ihn.

Oder eine WG.

Wieder Denkpause für die Frage: Was braucht es, damit man bei diesen Beispielen von „gelingender Integration“ sprechen kann?

Spielplatzbeobachtungen

Zugegeben, auf einem Spielplatz habe ich nicht mehr wirklich etwas verloren. Nicht mehr und noch nicht, genauer gesagt. Dennoch saß ich heute auf einem solchen, in Prerow. Anlass war mein lädiertes Knie, was zu einer Pause zwang. Ein bisschen in die Sonne setzen und an nichts denken. Dachte ich. Vor uns ein Spielplatz, pädagogisch wertvoll. Eine nicht mehr ganz junge Mutti – ich schätze sie auf Anfang 30 – saß da und beobachtete die mehr als deutliche Rangelei von zwei Kindern. Ein Mädchen, vielleicht 6, saß auf so einem dieser Wippepferdchen und ein kleiner Junge von etwa vier Jahren war etwas ungeduldig und der Meinung, sie müsse da sofort verschwinden, weil er schaukeln wollte. Das ging eine ganze Weile so. Beide Kinder hatten nichts gewonnen. Das Mädchen kam nicht zum Schaukeln. Der Junge nicht zum Ziel. Die junge Frau schaute ein paar Mal zu uns. „Seid Ihr die Eltern des Mädchens?“ „Nö, Unsere sind schon etwas größer“ beeilte ich mich zu sagen.

„Naja“ versuchte sie ihre Frage zu erklären, „manche Eltern haben etwas dagegen, wenn Kinder so etwas unter sich ausmachen“. Dieses „Unter sich“ – also die Rangelei ums Schaukelpferd – war inzwischen weitergegangen. Ohne ein Ergebnis. Anders gesagt, stand der Sieger noch nicht fest. „Ihr habt das ja alles schon durch“ meinte sie. „Ja.“ Sagte mein Mann. „Und nun beobachtet man die Spielplatzszenen mit ein wenig SChadenfreude?“ Versuchte sie einen Scherz. „Nein, nicht Schadenfreude. Ich wundere mich nur manchmal“ sagte ich eher zu mir.

Der kleine Junge hatte inzwischen gesiegt. Das Mädchen hatte nachgegeben und ihn auf das Schaukelpferd gelassen. Keine zwei Minuten später stieg der Junge vom Spielgerät und trat seine kleine Schwester, nicht einmal ein Jahr alt, gegen den Kopf. Offenbar störte ihn nun die Aufmerksamkeit der Muter, die dem Baby galt. „Das gefällt mir aber gar nicht“ sagte der Vater des Jungen in einem für mich angesichts dessen, was da passiert war, Ton, der fast wie eine Karrikatur klang.

Was hat der kleine Junge nun heute wohl gelernt …

Nun ist das eine kleine Begebenheit. Nicht von Belang? Ich denke doch.

Warum ich das schreibe … Weil ich glaube – aus meiner Erfahrung und dem was ich in den vielen Semestern Geisteswissenschaften gelernt habe – dass Ethik und Moral nichts ist was wir als Selbstverständlichkeit nehmen dürfen. Menschlichkeit muss gelernt werden. Wir sind nicht gut von Natur aus. Wir müssen das gut sein lernen. Lernen, dass es Regeln geben muss damit eine Gesellschaft menschlich sein kann. Dass Freiheit und Demokratie Regeln braucht.

EIGENTLICH

wollte ich ja eine schöne Replik auf einen Beitrag in einer Dresdner Tageszeitung schreiben, der sich mit dem Thema auseinandersetzt, was Stolz und Dankbarkeit miteinander zu tun haben und wo beide NICHTS miteinander zu tun haben. Und über Demut. Die sehr wohl und immer etwas mit Dankbarkeit zu tun hat. Nicht immer mit Stolz. Oder vielleicht das Gegenteil ist. Und darüber, dass der Stolz, zu einer bestimmten Gruppe dazu zu gehören, nichts anderes ist als ein Bestandteil des Klebstoffes, der soziale Gruppen zusammenhält. Es geht dabei nämlich um Abgrenzung.

Erstens kommt es aber immer anders und zweitens als man denkt. So schreibe ich erstmal was zu Kommunikation. Das passt aber auch sehr gut. Eigentlich sollte ich der Frage nachgehen, ob „Kommunikation“ mit einem Chatbot „wirklich“ Kommunikation ist. Wobei der geneigte Leser (nein, ich genderkorrigiere jetzt nicht) über die Gänsefüsschen beim „wirklich“ stolpern dürfte. Was ist denn nun „wirklich“ Kommunikation – dieses Dingens woraus sich soziale Systeme zusammensetzen…

Von Füchsen und Raben

Fünf. Fünf schwarze Raben habe ich bei mir im Büro. Als Zeichnungen, schwarz gerahmt. Und das freiwillig. Ich mag Raben. Es gab einmal einen Raben auf einem Bild mit einem schwarzen Rahmen, der hing an einer wenig beleuchteten Wand. Und irgendwie hatten einige Menschen sogar Angst vor ihm. Stimmt schon. Besonders fröhlich sah er nicht aus. Aber wer macht sich schon Gedanken um so ein Bild oder schaut genauer hin. Er sollte dann endlich einem anderem, helleren und bunterem Kunstwerk weichen, über Geschmack lässt sich trefflich streiten, jedenfalls stand der Rabe dann hinter einer Tür. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Aufregung um diesen Raben eher belächelt, aber das war mir dann doch zu viel. Was kann der Rabe für den Geschmack der Menschen? Ich missachtete, fürchtete ich, ein paar der geltenden Spielregeln, aber am Ende hing dieser Rabe dann in meinem damaligen Büro. Und siehe das, auf einmal kamen Leute zu mir, nur im sich den Raben mal im Licht anzusehen.

Dass er eine Ledertasche trug mit einem grünen Schößlig, auf den Trümmern rauchender Fabrikschlote stand und Reste von Stromleitungen im Schnabel hatte, das war bis dahin kaum jemandem aufgefallen. Das war mir auch weniger wichtig, er schaute einfach nicht mehr ganz so traurig, Ernst, das ja.

Der Rabe blieb an der Wand, sicherlich hängt er da noch, hoffe ich jedenfalls. Mitgenommen habe ich die Sympathie für Raben, die so gar nicht hinterhältig und gemein sind, Klug, das sind sie. Früher mochte ich diese schwarzen Tiere so gar nicht, ein wenig unheimlich waren sie mir schon auch, so in echt.

Und was ist nun mit dem Fuchs? Füchse mag ich genauso. Weil auch sie so verkannt werden.